Genossen-Konstruktivismus
E2A gewinnen Wettbewerb für taz-Neubau in Berlin
Dass sich die taz 2017 aus der Rudi-Dutschke-Straße verabschieden wird, steht seit Mitte April fest. Wer den Neubau für das Verlagshaus gleich um die Ecke des jetzigen Standorts, im neuen Kreativquartier am Blumengroßmarkt, baut wurde gerade entschieden: Das Schweizer Büro E2A hat den geladenen Wettbewerb gewonnen.
Die Jury, der neben taz-Vertretern Senatsbaudirektorin Regula Lüscher, Matthias Sauerbruch sowie der Architekt des alten taz-Erweiterungsbaus Gerhard Spangenberg beiwohnten, entschied wie folgt:
- 1. Preis: E2A Piet Eckert und Wim Eckert, Zürich
- 2. Preis: heneghan peng architects, Dublin
- 2. Preis: MARS / Creutzfeldt, Berlin
- Anerkennung: Behnisch Architekten, Stuttgart
- Anerkennung: Glass Kramer Löbbert Architekten, Berlin
- Anerkennung: gpy arquitectos, Santa Cruz de Tenerife
- Anerkennung: schulz & schulz, Leipzig
Die taz will mit ihrem Verlagshaus, das neben Redaktionsräumen auch Café, Shop und Veranstaltungsräume beherbergt, eine „Kultur des Miteinanders“ direkt neben dem jüdischen Museum entstehen lassen. Der Entwurf zeichne sich durch „ein System ohne Hierarchien“ aus. Von Funktion und Ästhetik des Tragwerks zeigte sich die Jury gleichermaßen beeindruckt, das Preisgericht lobte die „Fachwerkstruktur“, die das Image der taz als „Werkstatt und Produktionsstätte“ wiederspiegle. „Ablesbar durch Bezüge vom Konstruktivismus über sowjetischen Radioturm bis zum spacigen Club Berghain“ kommentiert die Jury weiter.
Unter den 25 teilnehmenden Büros waren neben 18 erfahrenen sieben junge Büros (Architekten, die das 40. Lebensjahr noch nicht überschritten haben oder ihr Büro nach 2007 gründeten). Der einzig internationale Star Bjarke Ingels – der in diesem Jahr 40 Jahre alt wird – blieb unplatziert. Im Wettbewerb um den Neubau des Springer-Campus hatte er es noch unter die drei Favoriten geschafft.
Insgesamt reicht die Entwurfspalette von streng monoton (Max Dudler) über japanisch-leicht (augustin und frank architekten) bis zu Treppen- und Arbeitslandschaften, die an Koolhaas’ Springer-Campus-Entwurf erinnern. Rund 20 Millionen Euro soll das neue Verlagsgebäude kosten, das auf einer geplanten Nutzfläche von 5.470 Quadratmetern den 250 Mitarbeitern Arbeitsraum bietet. Ein Großteil der Summe für den E2A-Neubau soll mit Genossenschaftskapital finanziert werden.
Die Ausstellung zum Wettbewerb wird am 4. September 2014 um 19 Uhr im Forum Factory, Besselstraße 13-14, 10969 Berlin, eröffnet. Gezeigt werden alle Preise, Anerkennungen und Entwürfe der 25 Teilnehmer, gegen die sich die Schweizer Brüder Piet und Wim Eckert durchsetzen konnten. (lr)
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Irgendwie aber auch ziemlich logisch, erst einmal an ein TRANSPARENTES Gebäude für eine Zeitung zu denken. Dann ist es auch noch die TAZ. Wie man hier vom Konzept her überhaupt an eine Lochfassade denken kann, ist mir schleierhaft. Auch die Renderings von E2A sind mit Abstand die besten. Die Grundrisse sind ebenso famos. Da ist es auch furchtbar egal, ob nun bei diesem Entwurf keinerlei Nottreppen existieren (eine wäre ja nun mind. noch notwendig gewesen. Im Gegenteil: Die öffentliche Treppe wird gleichzeitg zum Fluchttreppenhaus. Intelligent. Fehlt trotzdem eine und auch die der Rest der Funktionsräume wie WC's sind hier absolut spartanisch dargestellt. Ist aber auch dann nicht mehr so wichtig, wenn der Rest stimmt. Ich kann nur berichten, dass so viele Büros mit jungen Mitarbeitern immens viel Zeit damit verbringen, das alles unterzubekommen. Ist aber nicht so wichtig, so lange das Konzept GLASKLAR (im wahrsten Sinne des Wortes) formuliert ist. Hut ab für E2A.
der "grosse bruder" springer hats auch nicht besser hinbekommen, aber diese wohlfühloasen für journalisten sind schon bissle peinlich....
Das passiert wenn man sich zwischen Kunst und Architektur nicht entscheiden mag. Kurzer Tipp, in Architektur leben MENSCHEN. Wir haben mitgezählt wann die ersten Vitra-Eierbecher-Sessel kommen und sind ebenfalls bei BIG fündig geworden. Zumindest diesmal keine Luftballons oder Feuerwerke, immerhin, oder haben wir was übersehen?