Von Hackschnitzel bis Holzspalier
Drei Massivholzhäuser in Bayern von Sven Wiebe Architekten
Benediktbeuern ist ein Pfarrdorf in Oberbayern zwischen Kochel am See und Bad Tölz. Auf einem Grundstück am Ortsrand stand ein altes Einfamilienhaus. Die Besitzer*innen wollten es ursprünglich durch zwei Doppelhäuser ersetzen und kontaktierten Sven Wiebe Architekten (München). „Nach intensiven Analysen und Gesprächen“, erzählt Wiebe rückblickend, „wurde entschieden, mit der Bebauung besser auf die Umgebung und die örtlichen Gegebenheiten einzugehen.“
Letztlich plante Wiebe, der vor der Gründung seines Büros im Jahr 2020 mehrere Jahre bei Florian Nagler gearbeitet hatte, drei Massivholzhäuser: Ein freistehendes Einfamilienhaus mit großem Garten, ein Zweifamilienhaus mit übereinanderliegenden Wohnungen und ein drittes Gebäude mit den Garagen, Haustechnik sowie einer Ferienwohnung im Obergeschoss. Die drei Häuser gruppieren sich um einen Hof, der mit 200 Jahre altem Kopfsteinpflaster und einem kleinen Brunnen betont traditionell gestaltet wurde. Die abgelaufenen Oberflächen verleihen dem Ort eine Patina, die er sonst nicht hätte.
Trotz unterschiedlicher Größe und Nutzung erscheinen die drei Häuser als Einheit klarer, rechteckiger Volumen unter ortstypischen Satteldächern. Die Fassaden bestehen aus sägerauem, regionalem Tannenholz in unterschiedlichen Breiten. Die bündig eingesetzten Schiebeläden bleiben darin fast unsichtbar. Holzspaliere verdecken größere Öffnungen. Im Inneren dominieren Tannenholz, Sichtestrich und Schwarzstahl, dunkel verputzte Grundöfen und handgeschmiedete Beschläge das Bild. Rahmenlos eingesetzte Fenster öffnen den Blick auf die Blumenwiesen und die schroffe Benediktenwand in den Bayerischen Voralpen.
Das Tannenholz stammt aus dem Forstbetrieb der nahe gelegenen Jachenau. In der Höhenlage über 1.000 Meter wachsen die Bäume besonders langsam, sind robust und langlebig. Eine lokale Zimmerei mit eigenem Sägewerk verarbeitete das Holz zu massiven, dreilagigen Holzwänden. Eingesägte Luftkammern in der mittleren Schicht sorgen für eine hohe Dämmwirkung wie bei einer Ziegelwand. Mit minimaler Holzfaserdämmung erreichen die Häuser KfW-55-Standard.
Im Untergeschoss des Garagengebäudes steht eine zentrale Hackschnitzelheizung. Dazu noch einmal Sven Wiebe: „Im Unterschied zu Holzpellets sind Hackschnitzel kein Industrieprodukt und unterliegen damit weder Marktschwankungen noch Konzerninteressen. Vielmehr sind sie als Abfallprodukt der umliegenden Holzwirtschaft beständig verfügbar.“ Insgesamt entstanden in den drei Häusern 1.190 Quadratmeter Bruttogeschossfläche. (fh)
Fotos: Sven Wiebe
Dieter Wieland oder Franz Riepl hätten ihre Freude dran.
Dass Holz mit der Zeit vergraut, ist ein natürlicher Prozess insbesondere bei unbehandeltem oder nur leicht geschütztem Holz. Das hat nichts mit Vernachlässigung zu tun, sondern ist bei entsprechender Bauweise einkalkuliert und gewollt. Viele Menschen schätzen genau diesen natürlichen Alterungsprozess als Teil der Ästhetik und Authentizität des Materials.
Ich würde mir wünschen, dass wir bei solchen Themen wieder stärker in den sachlichen Austausch kommen jenseits von provokativer Sprache von Architekt*innen die sich auf den Schlips getreten fühlen, da sie "nicht mehr Bauen dürfen" wie sie es vor 20 Jahren gelernt haben..
Dass der Innenraum auch weisse Oberflächen vertragen würde kann ich mir auch gut vorstellen. Aber so lange das Holz noch frisch ist kann man dies ja auch zur Schau tragen. Malern kann man immernoch.
fast hat man lust, gk-platten, akkuschrauber und schnellbauschrauben zu besorgen, um dem haus ein 12,5 mm dünnes weißes kleidchen zu schneidern. denn das viele holz wird sich in ein paar jahren dunkelbraun verfärbt haben, wasserflecken und gebrauchsspuren aufweisen - und seinen bewohnern damit auf den wecker fallen.