Kreislaufgerechtes Bauen im Blick der Politik
Drei Fragen an den Cradle to Cradle-Experten Peter Mösle
Zum vierten Mal traf sich am vergangenen Dienstag, dem 23. Januar 2024, die „Allianz für Transformation“ im Bundeskanzleramt in Berlin. Unter Anwesenheit des Bundeskanzlers Olaf Scholz (SPD), des Vizekanzlers Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen) und der Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Bündnis 90/Die Grünen) stand diesmal die Kreislaufwirtschaft auf dem Programm. Ein Schwerpunkt lag auf dem Bausektor und seinem erheblichen Anteil am Ressourcenverbrauch. Gemeinsam mit Staatssekretär*innen anderer Ressorts sowie Vertreter*innen aus Wirtschaft, Gewerkschaften, Unternehmen und Wissenschaft wurde über zirkuläre Wirtschaft diskutiert.
Im Ergebnis lässt die Bundesregierung verlauten, „sehr bald eine Nationale Kreislaufwirtschafts-Strategie auf den Weg“ bringen zu wollen. Außerdem hätten sich die Mitglieder der Allianz „in einem Kommuniqué [im Wortlaut hier nachzulesen] darauf verständigt, gemeinsam die Kreislaufwirtschaft in Deutschland systematisch zu stärken“. Als Impulsgeber war auch Cradle to Cradle-Experte Peter Mösle anwesend. Er ist Geschäftsführer des Umweltberatungsinstituts EPEA und Partner des Beratungsunternehmens Drees & Sommer, zu dessen Gruppe seit fünf Jahren auch die von Michael Braungart gegründete EPEA gehört.
Im Nachgang des Spitzentreffens sprach BauNetz mit Peter Mösle:
Worum ging es beim Gespräch mit der Bundesregierung in Bezug auf eine klimagerechte Bauwirtschaft?
Der Gebäudesektor spielt eine zentrale Rolle, wenn wir die Klima- und Nachhaltigkeitsziele erreichen wollen. Die Transformation zu einer konsequenten Kreislaufwirtschaft birgt großes Potenzial, um Deutschland unabhängiger von Rohstoffimporten zu machen, klimafreundlicher zu werden und zukunftsfähige Arbeitsplätze zu schaffen.
Heben können wir dieses Potenzial aber nur durch ein Zusammenwirken von Politik, Wirtschaft, Sozialpartnern, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Zudem ist dafür eine durchgehende Regulatorik für Zirkuläres Wirtschaften notwendig, unsere heutige basiert leider meist noch auf linearem Wirtschaften. Und genau dazu kann die Allianz für Transformation als Leitdialog einen wichtigen Beitrag leisten. Wir haben über den Status Quo der aktuellen Kreislaufwirtschaft gesprochen, über bereits bestehende Praxisbeispiele und über die Frage, welche Ziele, Normen und Standards wir brauchen, um kreislauffähiges Bauen zu etablieren.
Oft behindern geltende Standards den großflächigen Einsatz von wiederverwendeten Materialien und Bauteilen. Sind Unterstützungen für Planende vorgesehen, um im Sinne einer kreislaufgerechten Baupraxis agieren zu können?
Die Bundesregierung hat hierzu bereits Fortschritte gemacht und wird für die Bau- und Immobilienwirtschaft eine durchgängige Regulatorik für kreislauffähiges Bauen noch innerhalb ihrer Legislaturperiode implementiert haben. Als erster Schritt wurde die Ersatzbaustoffverordnung zum 1. August 2023 eingeführt. Die anderen Regularien, wie die Abfallende-Verordnung und der digitale Gebäuderessourcenpass, sind bereits in Arbeit.
Zudem kommt über die neue europäische Bauprodukteverordnung mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Unterstützung in dieser Richtung. Konkret empfiehlt die Taskforce [eine neu gegründete „Taskforce Kreislaufwirtschaft“, zu der auch das Bundesbauministerium gehört, Anm. d. Red.] etwa, Ansätze zu prüfen, inwiefern die tatsächlichen Kosten und Auswirkungen – etwa CO2-Emissionen – preislich und transparent abgebildet werden können. Zudem könnte die Einführung kreislaufwirtschaftlicher Kriterien bei der Kreditvergabe positive Anreize setzen. Ein Beispiel dafür wäre der verpflichtende Nachweis eines digitalen Gebäudepasses, wie er bereits für 2025 zumindest für Fördermittel geplant ist. Zudem arbeitet die Bundesregierung ihre nationale Kreislaufstrategie aus, die alle Industriebranchen betreffen wird. In diesen Prozess fließen auch Beiträge der Allianz für Transformation ein.
Mit welchen Argumenten beraten Sie die Politik dahingehend?
Wir hatten bei Drees & Sommer bereits 2013 einen Gesellschafterbeschluss gefasst, in das Thema Cradle to Cradle zu investieren. Ab diesem Zeitpunkt ist die Anzahl von zirkulären Projekten stetig gewachsen, 2019 haben wir das Umweltberatungsinstitut EPEA in Form einer Unternehmensbeteiligung bei uns integriert. Unser umfängliches Materialwissen und unsere Praxiserfahrung ist wertvoll für die Ausrichtung der zukünftigen Regulatorik, wir stehen ja an vielen Stellen vor der Normierung.
Beispielsweise konnte die EPEA in einer Analyse von rund 50 Materialpässen aufzeigen, wie wichtig ein Nachweis über kreislauffähiges Bauen ist. Unsere sogenannten „Circularity Passport Buildings“ dienen nämlich nicht nur der Dokumentation des gebauten Zustands. Sie sind auch ein wichtiges Instrument, um mit dem Planungsteam Gebäude anhand messbarer Kennwerte nach CO2- und Kreislaufgesichtspunkten optimieren zu können. Unserer Erfahrung nach bestehen heutige Bestands- und Neubauten nicht einmal zu zehn Prozent aus erneuerbaren oder recycelten Materialien. Wenn wir mithilfe digitaler Ressourcenpässe planen, erreichen wir aber recht einfach eine Quote von über dreißig Prozent.
Auch ist die echte Kreislaufwirtschaft kein Selbstläufer. Daher brauchen wir gesetzliche Zielquoten, um Primärrohstoffe zu verdrängen. Bis zum Jahr 2030 sollten aus unserer Sicht mindestens vierzig Prozent aller Materialien für Bauvorhaben aus nachwachsenden Rohstoffen oder Sekundärmaterialien kommen – egal ob bei Neubau oder Sanierung. Das ist heute schon gut machbar, im Bestand können wir diese Quote in der Regel bereits durch den Erhalt des Fundaments und der Tragwerke erreichen. Für alle neu eingebrachten Baustoffe sollte eine Kreislauf-Quote von hundert Prozent für die zukünftige Wiederverwertung gelten. Dies ist vor allem eine riesige Innovationschance für Hersteller und das Handwerk. Sie könnten ihre Geschäftsmodelle entsprechend anpassen und etwa ihre Produkte nach Ökodesign-Kriterien entwickeln, Verträge mit Rücknahmeverpflichtungen abschließen und industrielles Re-Use aus dem heutigen Bestand betreiben.
Interview: Sabina Strambu
die projektsteuerer kosten den steuerzahler bei den öffentlichen bauvorhaben einen haufen zaster.
bringen nichts, schikanieren den architekten und, wie sagt der chakie chan: -flüssigel als flüssig.-übelflüssig-
und die drückt sich im seltensten fall im erhalt oder einer wirklichen nachhaltigkeit (also nicht dem teuren label für die homepage und dem ESG des bauherrn) aus sondern in kosten-geschwindigkeit-ausnutzung.
und er spricht eben auch nur für die grossen klötze, nicht für das gros der kleineren und mittleren bauprojekte ....
aber da sieht man auch wir "ernst" die standesvertretungen der planer genommen werden, in der man zwar in D zwangsmitglied ist die aber NULL einfluss haben (ach doch ich vergass: sie stehen für wettbewerbe, in denen heerscharen vom kollegen umsonst arbeiten)
...liegen in der Regel inzwischen bei 35 % der Baukosten da ist ein C2C Experte der schwachsinnige Zertifikante ausstellt das Letzte was wir brauchen um nachhaltig und angemessen zu bauen.....im Gegenteil eine radikale Entschlackung des Regelwerkes und eine damit verbundene deutliche Verringerung der vermeintlichen Experten ist die Grundvoraussetzung für ein angemessenes und recousenschnonendes Bauen......jede/r Einzelne ist dann gefragt seinen gesunden Menschenverstand zu gebrauchen und mehr gesellschaftliche Verantwotung im Sinne der Angemessenheit seiner Arbeit zu übernehmen....
Ich frage mich unwillkürlich, wo sind die Zertifikate der Steine, des Parketts, des Putzes der hunderte Jahre alten Schlösser ?
Es ist Schwachsinn und bleibt Schwachsinn. Schön bauen ist die beste Nachhaltigkeit. In diesem Sinne vollste Zustimmung den beiden Vorrednern !