„Planen für die Welt“
Diskussion mit Albert Speer in Berlin
Deutsche Architekten waren in der Welt noch nie so präsent wie heute.
Einer der Erfolgreichsten ist Albert Speer (AS&P Architekten, Frankfurt am Main).
In China baut sein Team aus dem Nichts neue Städte, in Moskau ein ganzes Viertel, in Aserbaidschan sorgt es dafür, dass das Zentrum der Hauptstadt näher ans Wasser rückt, für Nigeria soll es eine 500.000-Einwohner-City sein. Vor vierzig Jahren hat Albert Speer angefangen in Libyen zu arbeiten, dann in Saudi-Arabien und in China.
Ob deutsche Architekten allerdings in Ländern, die nicht demokratisch
legitimiert sind, bauen sollen – darüber ist in den vergangenen
Monaten unter dem Überbegriff „Bauen für Despoten“ eine heftige Debatte entbrannt, an der sich auch viele Architekten beteiligt haben (siehe auch BauNetz-Meldung vom 25. April 2008 mit ausführlichem Bericht über ein Streitgespräch zwischen von Gerkan und Ingenhoven zum Thema).
Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „SPIEGEL-Gespräche – live in der Uni“ diskutiert SPIEGEL-Redakteurin Susanne Beyer am 2. Juli 2008 mit Albert Speer unter dem Titel „Planen für die Welt“ über die moralische Verantwortung von Architekten sowie kulturelle Gepflogenheiten, die in anderen Ländern einzuhalten sind. Eröffnet wird die Veranstaltung von Wolfgang Schäche, Hochschullehrer für Baugeschichte und Architekturtheorie an der TFH Berlin.
Veranstaltung: 2. Juli 2008, 19 Uhr
Ort: Luxemburger Straße 10, 13353 Berlin, Haus Grashof, Beuth-Saal, (U9, U-Bahnstation Amrumer Straße)
Der Eintritt ist frei.
Zwei Dinge fielen mir auf:
Erstens, Herr Speer ist ganz und gar kein "Großer". Weder intelektuell noch als Stadtplaner oder Architekt weist sein Werk über das zahlloser Kollegen hinaus. Einzig der Umfang seiner Arbeiten sind bemerkenswert. Immerhin führte (und führt?) er über Jahre das größte deutsche Stadtplanungsbüro.
Dies wiederrum führt zu dem zweiten bemerkenswerten Aspekt, denn
zweitens konnte Herr Speer damals nicht darstellen, dass sein ökonomischer Erfolg NICHT mit der puren Assoziation seines Namens mit dem Namen seines Vaters zu tun habe. Dass also sein schon früh nach dem Krieg einsetzender Erfolg nicht unmittelbare Folge der familiären Beziehung sei. Es fehlte ihm überdies sowohl das notwendige kritische Bewusstsein, noch der Wille sich mit diesen Fragen auseinanderzusetzen.
Ein zweifelhafter Arbeitsethos. Natürlich will ihn niemand dafür verantworlich machen, dass er nunmal der Sohn seines Vaters ist. Jedoch: Durch die ganz bewusste Entscheidung, mit dem Namen des berühmten - und in gewissen Teilen der Welt auch nach dem Krige überaus hoch vererhrten - Vaters "Albert Speer" international aufzutreten - und das in derselben Branche wie sein Vater, hat er ohne Not die Verpflichtung übernommen, sich zu seinem Verhältnis zu Werk und Wirken seines Vaters zu verhalten. Dieser Verpflichtung ist er offenbar nicht gewachsen, zumindest ist er ihr nie befriedigend nachgekommen. Und was auch verwundert, er scheitn in all den Jahren nicht allzu sehr danach gefragt worden zu sein. Wieso dies?
Ein paar Wort noch zu seinem damaligen Vortrag. Dieser war eine einfache Werkschau. Die gezeigten Projekte tatsächlich banal. Aber umfangreich. Sein Vorschlag für eine große Nord-Süd-Achse in Peking blieb mir in Erinnerung. Was ist daraus geworden?
Wäre da nicht der hochgeschätzte W. Schäche, man müsste vor der Veranstaltung warnen. Zusammen mit ihm, der sich ja höchst kritisch und mit bemerkenswerten Thesen mit der Architektur vor und während der Naziherrschaft auseinandergesetzt hat, besteht nun wohl doch die Hoffnung, dass der Abend nicht so unbefriedigend und langweilig wird, wie es seinerzeit bei dem Vortrag an der TU der Fall war.
una vera fucina di pensiero.
Tutta la mia ammirazione ed il
mio doveroso rispetto.
nicolapiroarchitetto