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17.05.2018

Viel Backstein, viel Symbolik

Deutsch-französische Botschaft in Dhaka von Stéphane Paumière


Architekt Stéphane Paumière soll die Idee für das Botschaftsgebäude in Bangladeschs Hauptstadt Dhaka nach einem Jenga-Spiel mit seiner damals vierjährigen Tochter gekommen sein: eine Reihe gleichgroßer Riegel wie die Holzklötzchen eines Jenga-Turms aufeinander stapeln und dann in sich drehen, als seien sie zwei gewundene Stränge einer DNA. Mit diesem architektonischen Konzept gewann sein Büro Stéphane Paumière Architects aus Neu-Delhi vor einigen Jahren den Wettbewerb für ein ungewöhnliches Botschaftsprojekt. Das Gebäude sollte die französische und zugleich die deutsche Landesvertretung in Bangladesch beherbergen. Nun ist Paumiers Bau in Dhakas gehobenem Viertel Baridhara fertig.

Das bislang einzige franko-deutsche Botschaftsgebäude überhaupt – so die Aussage des Büros Paumière – haben die Architekten mit einem gewissen Symbolismus für diese außergewöhnliche diplomatische Kooperation versehen: Die einzelnen Riegel legten sie aus Backstein in zwei Farbtönen an. Ein grauer Ton verweist auf die Tradition des gräulich gelben Natursteins in der französischen Architektur, ein dunkelroter Ton spielt auf die deutsche Backsteinarchitektur an. Alle Seiten des Gebäudes, das aus jenem Jenga-Turm und drei rechtwinklig heraustretenden, flachen Armen besteht, sind als Schauseiten ausgearbeitet und sollen die Gleichwertigkeit beider Botschaften zum Ausdruck bringen. Im Zentrum des Gebäudes verläuft ein aufwändig gestalteter Fahrstuhlschacht, dessen runde, kristalline Glashülle mit der rechtwinkligen Geometrie der Architektur bricht und so etwas wie den „Schmelzkern” des Baus darstellt. Organisatorisch teilen sich die Botschaften den gleichen Eingang und den Servicebereich, während sie in den oberen Etagen getrennt sind.

Auch architektonische Verweise auf Bangladesch hat das Team von Stéphane Paumière in das Projekt integriert. Die gesamte geometrisch-archaische Erscheinung des Backsteinbaus erinnert an die ost-westliche Moderne, wie sie Louis Kahn mit dem Parlamentsgebäude in Dhaka (1963-1983) prominent zuspitzte. Den Backsteinverbund des Botschaftsgebäudes entnahmen die Architekten einer lokalen Tradition. Den Tonziegel bezogen sie von einem Hersteller, den auch Kahn für das Parlament konsultierte.

Die Grünanlage des 8.000 Quadratmeter großen Grundstücks in einer Gartenstadt ist eine abgewandelte Form des Tschahar Bagh, des viereckigen, von Wasserachsen durchzogenen Gartens wie er in Taj Mahal berühmt inszeniert ist. Kaum zu sehen, aber nicht unbedeutend ist die kleine Kuppel, mit der der gläserne Fahrstuhlschacht aus dem flachen Dach des Jenga-Turms hervorsticht. Sie erinnert an Rundkuppeln von Bangladeschs Moscheen. Das Ganze ist also eine mit Backstein festgehaltene (nicht leicht auszusprechende) deutsch-französisch-bangladeschische-Freundschaft. (sj)

Fotos: Amit Pasrichi


   


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Stéphane Paumière Architects haben einen Turm nach dem Jenga-Prinzip entworfen.

Stéphane Paumière Architects haben einen Turm nach dem Jenga-Prinzip entworfen.

Die deutsch-französische Botschaft in Dhaka zeigt einzelne übereinander gestapelte Riegel.

Die deutsch-französische Botschaft in Dhaka zeigt einzelne übereinander gestapelte Riegel.

Stéphane Paumière Architects platzierten im Zentrum des Baus einen gläsernen Fahrstuhlschacht, der auch die Glasarbeiten der islamischen Baukunst von Bangladesch widerspiegeln soll.

Stéphane Paumière Architects platzierten im Zentrum des Baus einen gläsernen Fahrstuhlschacht, der auch die Glasarbeiten der islamischen Baukunst von Bangladesch widerspiegeln soll.

Die Botschaft liegt in einer Gartenstadt von Dhaka

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