Leben im Schilf
David Chipperfield Architects in Hangzhou
Wasser ist allgegenwärtig in Hangzhou, wo nicht nur der Qiantang-Fluss ins Meer mündet, sondern mit dem Kaiserkanal auch die längste von Menschen geschaffene Wasserstraße beginnt. Die Meeresbucht ist teilweise verlandet, aber mit dem Westsee nennt Hangzhou eine der berühmtesten Touristenattraktionen des riesigen Landes sein eigen. Nicht weit davon entfernt, in der Sumpf- und Auenlandschaft des XiXi-Wetland-Parks, konnten David Chipperfield Architects kürzlich eine Wohnanlage fertigstellen.
Die Umgebung ist außergewöhnlich malerisch, denn schon seit Jahrhunderten durchdringen sich dort wild wuchernde Natur und menschgemachte Kulturlandschaft. Diese besondere Atmosphäre, geprägt vom Kontrast zwischen grüner Vegetation und einer kleinteiligen Bebauung aus Fischerdörfchen, alten Tempeln und Künstlerkolonien, nahmen sich die Architekten zum Vorbild. Kantige Häuser aus dunklem Stein ducken sich in das dichte Schilf und werden, auf hohen Sockeln platziert, von einem Wassergarten umspielt.
Organisiert sind die dicht gestellten Gebäude entlang zweier Dämme, die als Raumfolgen aus Plätzen und Höfen gestaltet sind. Jedes der Häuser verfügt jeweils über mehrere Appartments, die man scheinbar nur zu Fuß erreichen kann. Doch das täuscht, denn was so malerisch wirkt, stützt sich tatsächlich auf eine weitläufige unterirdische Technik- und Infrastrukturlandschaft, die alle Gebäude miteinander verbindet. Bequem kann man also auch hier bis vor, oder besser: unter die Haustür fahren.
Für David Chipperfield Architects ist es übrigens das zweite realisierte Wohnungsbauprojekt in Hangzhou. Schon 2008 konnten sie ihr Ninetree Village fertigstellen, das allerdings in den nahen Bergen liegt. In den nächsten Jahren soll dort außerdem eine Oper von Henning Larsen entstehen. Ein Museum von Arata Isozaki gibt es schon, ebenso ein Besucherzentrum vom deutsch-chinesischen Büro RhineScheme. (sb)
Fotos: Simon Menges
Balkone sind in der Gegend an sich gar nicht erst gewünscht, da meistens zu heiss. All die Projekte mit Balkonen in den wärmeren Gefilden von China werden erst gar nicht genutzt. .......... Eine Terrasse hingegen wäre schon angebracht......... Und man muss sich so eine "Wohnoase" folgendermassen vorstellen: Das ist natürlich nicht frei zugänglich. da gibt es eine Mauer drum herum mit Kameras und 2 Eingänge, die bewacht sind.
aber klar, die thematik arm-reich in einer diktatur ist nicht einfach mit "egal ist doch schön" wegzuwischen. und wassergräben gab es in europa früher um die häuser der ganz wichtigen auch, weil man im falle eines aufstandes einfach nicht so schnell an die beute kam. und klar, design für die reichen kann immer etwas einfacher schön werden, es gibt eben die materiellen zwänge nicht, die man für die normalos hat. schmeckt trotzdem etwas bitter...dieser longjohn tee.
Aber Hand auf's Herz: Hier wohnen die Multimillionäre. Es heißt im Text: Mehrere Apartments pro Geschoss? Ich sehe eine riesige Wohnung pro Ebene mit fast einem halben Dutzend Schlafräumen sowie einen riesigen Wohnbereich (man achte auch auf den Fahrstuhl bei ledigleich 2 Geschossen = Das braucht es u.a. auch, um in China Luxus darzustellen). Dies ist die reichste Gegend von ganz China. Ich kann mir ausmalen, dass solch eine Wohnung (na? wie gross? ) über 10 Millionen kostet. Ergo: Es ist nicht ganz so schwierig, so zu bauen.