Betonierter Eisenbahnunfall
Coop Himmelb(l)au baut Museum in Lyon
Vor zehn Jahren hatten Coop Himmelb(l)au den Wettbewerb für das Naturkundemuseum in Lyon gewonnen (siehe BauNetz-Meldung vom 27. Februar 2001). Nun wird es das „Musée des Conflences“ endlich gebaut.
Wie ein stilisiertes Rieseninsekt wirkt der kantige Glas-Stahl-Neubau am Ufer des Zusammenflusses von Rhône und Saone. Bislang ist die naturkundliche Sammlung in einem Altbau untergebracht, der auf seinen Ausstellungsflächen nur etwa fünf Prozent der Bestände zeigen kann. In dem Neubau, den Kritiker inzwischen spöttisch einen „betonierten Eisenbahnunfall“ nennen, wird sich vieles ändern: Eine gigantische Ausstellungsfläche von 22.000 Quadratmetern soll in Zukunft neben der ständigen Sammlung bis zu sechs Wechselausstellungen beherbergen. Mit modernster Technik sollen Ausstellungsinhalte den Besuchern vermittelt werden.
So gigantisch wie der Bau sind jedoch auch seine Kosten. 2001 noch auf „nur“ 60 Millionen Euro geschätzt, liegen diese inzwischen bei 175 Millionen. Die Museumseröffnung ist für 2014 geplant. Bis dahin bleibt den Besuchern wohl nichts anderes übrig, als den Entwurf in einem Glaskasten zwischen präparierten Käfern und katalogisierten Schmetterlingen zu bestaunen.
Eine virtuelle Tour durch das Museum gibt es hier: www.museedesconfluences.fr
ich bin mal wieder entzückt, wie brennend die Diskussion um dieses Ding geführt werden.
Auch wenn ich geteilter Meinung bin, was diesen Neubau angeht, so bin ich auf die Umsetzung gespannt.
In einem Leser-Kommentar laß ich den Begriff "Insekt".
Auf den 2. Bilck erkenne ich in der Tat ein abstraktes Insekt; für eine naturkundliche Sammlung die passende Entwurfsidee.
Auch wenn die angenommenen Baukosten von 175 Mio Euro nicht gehalten werden können
bin ich ein Befürworter für experimentelle Architektur.
Schade ist nur, dass sich nicht die Ausstellung, sondern das Gebäude in den Vordergrund stellt.
Schade nur, dass das Spektakel vor dem Abfackeln so kostspielig ist. Die Menschen in den Renderings sehen irgendwie bedroht und verloren aus...
Ich gehe mich übergeben - so ein Schrott.
ps. der arme praktikant, der das modell bauen musste...
*Kampf dem rechten Winkel!*
Was in der BN-Meldung leider nicht erwähnt wurde, ist die Tatsache, das der Baubeginn nun schon über drei Jahre zurückliegt und der erste Generalunternehmer ("Bec frères-groupe Fayard") grosse Schwierigkeiten hatte, die komplexen Pläne umzusetzen. Folge waren die üblichen Kompetenz- und Verantwortlichkeitsstreitigkeiten zwischen Architekt und den Ingenieuren der Baufirma, bis schliesslich Bec das Handtuch warf, und die Baustelle 18 Monate brachlag ...
Als Prestigeaufhänger für das nicht uninteressante "Confluence"-Viertel gedacht (und wo gerade einige durchaus sehenswerte Projekte entstehen - besser zumindest als das Himmelb(l)au Zugunglück), sieht sich die Stadt gezwungen, trotz nicht endenwollender Kosteneskalation, das Museum bis zum bitteren Ende durchzusetzen ...
Seit ein paar Monaten stehen die Kräne von "Vinci" auf der schon von Gras überwachsenen Baustelle und erste Betonwände wachsen aus dem Boden ...