Baumhaus für Erwachsene
Co-Living in Seoul von Bo-DAA
Wer träumte als Kind nicht einmal vom eigenen Baumhaus als behaglichem Rückzugsort? Diesen Gedanken griff offensichtlich das junge, in Seoul ansässige Architekturbüro Bo-DAA auf, das im Herzen des Start Up-Viertels Gangnam in der südkoreanischen Hauptstadt das Projekt Treehouse realisierte. Die äußere Gestalt der Schmalseite des Baus mit der nach oben spitz zulaufenden, zwischen den Geschossen leicht abgestuften Form lässt unweigerlich an einen abstrahierten Tannenbaum denken. Das Haus bietet mit seinen insgesamt 72 Mikrostudios und Mikrolofts für Einpersonenhaushalte und deren tierische Lebensgefährten aber nicht nur echte Rückzugsorte, sondern legt durch vielfältige, gemeinschaftlich nutzbare Räume auch besonderen Wert auf das zwischenmenschliche Zusammenleben.
Das Zentrum des auf einem 1.200 Quadratmeter großen Grundstück liegenden Wohngebäudes bildet ein im Erdgeschoss befindliches, begrüntes Atrium. Es ist umgeben von vollverglasten gemeinschaftlichen Arbeitsbereichen, entspannenden Aufenthaltsräumen, Gemeinschaftsküche, Waschküche und – ganz wichtig – eigenen Badestellen für die pelzigen Vierbeiner. Darüber befinden sich auf sechs Etagen die kleinen Wohnungen mit je eigenem Bad und einer Kochnische.
Jedes Stockwerk hat unterschiedlich gestaltete Grundrisse und Raumkonfigurationen – mal hohe Schlafräume über einer offenen Badewanne, mal eine Leiter mit Vorsprüngen als Sitzgelegenheit für die in Südkorea so beliebten Hauskatzen, mal ein geräumiges Penthouse, das auch für Paare geeignet ist. Durch die äußere Form bedingt ergeben sich in allen Wohnungen über die volle Breite schräge Fenster, deren Jalousien übrigens von unten nach oben steigen, um die Privatsphäre zu wahren und gleichzeitig ein Stück vom Himmel zu erhalten. Platzsparende Details sind Schiebetüren, hinter denen Regale verschwinden, und modulare Aufbewahrungsmöbel. Bei den Dachgeschosswohnungen haben die Architekt*innen zusätzliche Lüftungsfenster zum Atrium eingeplant, um an heißen Tagen eine Querbelüftung zu gewährleisten.
Während also genug Platz für Rückzugsmöglichkeiten in den privaten Bereichen vorgesehen ist, legt das Projekt den Fokus vor allem auf eine zeitgenössische Version des nachbarschaftlichen Miteinanders. Das durch die schmalseitige Fensterfront natürlich beleuchtete Atrium bildet das räumliche Herzstück der Residenz. Man trifft sich hier nicht nur beim Betreten des Hauses, sondern kann auch schon direkt vor den Wohnungen, die über Galerien erreichbar sind, hinunterblicken. Vielleicht sitzt ja die nette Nachbarin gerade unten? Die Aufenthaltsbereiche, darunter auch eine Dachterrasse, und die geräumige Gemeinschaftsküche fördern den Kontakt zwischen den Bewohnern zusätzlich. „Die Gemeinschaft soll nicht erzwungen, sondern überzeugt werden,“ so die Architekt*innen. „Die Bewohner teilen sich nur die Annehmlichkeiten, die bei einem geselligen Beisammensein einfach mehr Spaß machen.“ (stu)
Fotos: Rohspace, Lee Jieung
Grundrisshybride zwischen WG und Wellnesszone in Hochhäusern sind mir schon vor 30 Jahren in Macao untergekommen. asiatische Großstädte sind Jobagglomerationen und relativ kinderfeindlich.
Bis wann darf man von "Wohnen für das Existenzminimum" sprechen und wann beginnt "artgerechte Haltung" ? Es bedarf keiner Miniwohnungen, sondern einer Änderung der Veräusserbarkeit von Grund und Boden. Pachten könnte das Zauberwort sein.
Ich bin der Meinung, dass wir als Europäer die Platzverhältnisse in keine Relation setzen können da wir eine andere Lebensweise kennen und mit dieser sozialisiert sind. Ich weiß aus Erzählungen, dass in Tokio viele Single's über die hier genannten 15 qm glücklich wären und dies ohne die Gemeinschaftsflächen. Es entzieht sich meiner Kenntnis ob die Verhältnisse in Seoul ähnlich sind. Wir sollten uns zuerst die Qualitäten dieses Beitrages vor Auge führen: - die "Wohnungen" verfügen über das notwendigste um eine Privatheit zu gewährleisten (kleinere Speisen lassen sich zubereiten, die Körperhygiene kann in Intimität durchgeführt werden und es gibt Staumöglichkeiten) - insbesondere die Wohneinheiten über mehrere Ebenen weisen verschiedene Aufenthaltsbereiche auf und bieten für die Größe erstaunliche räumliche Qualitäten - die gemeinsam nutzbaren Bereiche weisen durch die räumlichen Zusammenhänge Aufenthaltsqualitäten auf, sind generell von hohem Niveau und laden daher dazu ein sie zu nutzen Interessant wäre die Umsetzung eines solchen Vorhabens in unserem Kontext. Auch in unseren Großstädten kosten Mikroapartements schon Unsummen. Der stetig steigende Flächenverbrauch durch immer steigende qm pro Kopf sowie die soziale Diskussion über die Höhe des Mietzinses erfordern Lösungen die über die Reduzierung der Qualität der Bauweise oder die Mietpreisbremse bzw. staatlich geförderten Wohnungsbau hinaus gehen. Das hier gezeigte Beispiel zeigt Ansätze die bei Anwendung auf unseren Kontext ein Teil einer Lösung aktueller Probleme sein kann. Hierzu erfordert es jedoch die entsprechenden Investoren die über den Tellerrand hinaus schauen und Architekten die diese Herausforderung mit Herzblut und Gefühl angehen. Ich wünsche mir mehr innovative Lösungen im Wohnungsbau in Europa und insbesondere in Deutschland.