Wohntürme für Hoxton
Chipperfield und Karakusevic Carson Architects in London
So geht Verdichtung in Ostlondon: Der Bezirk Hackney hat mit geplanten 2.500 neuen Wohnungen für die kommenden zehn Jahre ein ehrgeiziges Programm aufgestellt. In diesem Zusammenhang steht die Umgestaltung des sogenannten Colville Estates im Stadtteil Hoxton, einer kommunalen Wohnanlage aus den 1950er Jahren. Die 432 bestehenden Wohnungen sollen laut Bezirk durch über 900 neue Wohneinheiten ersetzt werden.
Karakusevic Carson Architects (London) hatten hierfür bereits 2010 einen Masterplan erarbeitet. Dieser sieht unter anderem den Bau von zwei Wohntürmen vor, deren Verkauf die Weiterentwicklung der Anlage und den Bau neuer, bezahlbarer Wohnungen finanzieren soll. Gemeinsam mit dem Londoner Büro von David Chipperfield Architects hatten Karakusevic Carson 2012 einen Wettbewerb für die beiden Türme gewonnen – die nun fertiggestellt sind.
Auf dem unregelmäßigen Grundstück haben die beiden Büros zwei sechseckige Gebäude mit 16 beziehungsweise 20 Stockwerken, 19.000 Quadratmetern Nutzfläche und insgesamt 198 Wohnungen errichten lassen. Die Türme sind so positioniert, dass sie einerseits optimale Lichtverhältnisse für die Wohnungen bieten und andererseits eine Art Tor zwischen dem Colville-Wohnkomplex und dem angrenzenden Shoreditch Park bilden. Die Fassaden bestehen aus 900.000 handgefertigten Ziegeln gleicher Größe: Rottöne dominierem im Ostturm, blaugraue Ziegel im Westturm.
Die Wohnungen sind konzentrisch um den Erschließungskern angeordnet, Wohn- und Schlafräume erhalten somit maximale Fensterfläche. Die Stahlbetonkonstruktion verzichtet auf Fassadenstützen und bietet somit maximalen Ausblick für die über Eck gelegenen Räume. Pro Etage gibt es sechs Apartments mit ein bis zwei Zimmern. In beiden Penthouseetagen ganz oben gibt es jeweils drei Wohnungen und großzügige Dachterrassen. Im ziegelüberwölbten, fünf Meter hohen Erdgeschoss ist Platz für Lobby und Café sowie für die Zufahrt zur Tiefgarage. Die großflächige Verglasung soll den Umgang für die Nachbarschaft einsehbar und auch nutzbar machen. (fm)
Fotos: Simon Menges, Ioana Marinescu, Peter Landers
1. In meinen Augen ist grundsätzlich zu wenig Variation in den Grundrissen. Etwas mehr als 1-2 EW + 2-3 EW hätte es schon sein dürfen. 2. Der Wohnbereich inkl. Kochen und Essen kommt mir etwas klein geraten vor, insbesondere für die größere Wohnvariante. 3. Ich persönlich hätte überhaupt keine Lust in so einem Gebäude zu "verschwinden". Käme mir vor wie entkoppelt von meiner Umgebung... 4. Umgekehrt wird (auch) ein Schuh draus: Ich behaupte, diese Typologie ist toxisch für ein Quartier. Man nenne mir bitte ein Beispiel von einer gelungenen Integration derart hoher Wohnhäuser in seine urbane Umgebung. 5. Korrekt - Nr. 3 und 4 haben nichts mit diesen konkreten Gebäuden zu tun...
Ob in England eine Druckbelüftung erforderlich ist, weiß ich nicht (ich glaub bei innenliegenden, nicht aber bei außenliegenden Treppenhäusern), aber es reicht ein Flur als "Schleuse" zwischen Treppenhaus und Wohnungen aus. Lösungen mit einem Treppenhaus sind bei Wohngebäuden ohne Höhenbegrenzung zulässig. Allerdings müssen dort alle Wohngebäude von mehr als 30 m Höhe gesprinklert werden.
Verdrängung passt hier als Begriff aber besser als Verdichtung: Für die bisherige Community in Hackney wird eine der 900 neuen Wohneinheiten sicher unerschwinglich bleiben. Und wo sollen die Menschen bleiben, die bisher in den Colville Estates aus den 1950er Jahren gelebt haben? Ein für die Investoren sicher praktisches Feuer wie in den Grenfell-Towers gab es ja nicht...
Aber eine Sache würde mir schon Unbehagen erzeugen: Zwei Hochhäuser mit jeweils nur einem Treppenhaus? @Santa Maria (#1) Wir planen durchaus zwei Bäder für ein Schlafzimmer. Eins für jede Hälfte des Paares. Zwei Bäder für eine Wohnung mit zwei Schlafzimmern finde ich vollkommen angemessen.