Poesie des Alltags
Carport von Wirth Architekten in Berlin
„Wirth Architekten arbeiten mit Leidenschaft und persönlicher Überzeugung daran, für alltägliche und zum Teil sogar langweilige und öde Funktionen besondere Räume und feierliche Atmosphären zu schaffen.“ So ist es zur Begrüßung auf der Webseite des jungen Architekturbüros aus Bremen zu lesen. Überprüft man diese Aussage anhand ihres Unterstands für den Porsche eines Berliner Bauherren, ist das nicht zu hoch gegriffen. Zuvor haben die Brüder Jan und Benjamin Wirth schon mit ihrem „Remisenpavillon“ in Affinghausen bei Bremen von sich reden gemacht, der eigentlich auch nur eine Garage werden sollte und dann zu einem kleinen Backsteinkunstwerk geriet.
Diesmal haben die Architekten mit viel Präzision und Liebe zum Detail neben der Villa ihres Auftraggebers eine scharf geschnittene Skulptur aus Beton und grauem Mauerwerk errichtet. Ein monolithisches Dach aus wasserundurchlässigem Beton ruht auf zwei Betonstützen und einer Ziegelwand. Die Betonstützen sind eingespannt, in ihnen verlaufen die Fallrohre für die Dachentwässerung.
Um das Grün des Nachbargartens durchscheinen zu lassen, ist die gemauerte Wand teilweise perforiert. Dabei wiederholen sich die parabolisch geformten Lochmauerwerksfelder in Reliefs an der Unterseite des Daches, während die Betonscheibe mit einem eleganten Schwung vor einer großen, geschützten Kiefer zurückweicht.
Zwei Autos passen unter das Dach, alternativ auch eine Bar für Gartenparties. Dazu passend (oder richtig gut erfunden) ist die von den Architekten übermittelte Anekdote, die Autokorrektur habe den Carport zu Beginn der Planung in „Barport“ umgetauft. (kv)
Fotos: Gui Rebelo
Verglichen werden muss aber mit dem, was bei dem offensichtlich möglichen Geldeinsatz möglich gewesen wäre. Und das ist meiner Meinung nach eben nicht so toll. Da wäre mehr drin gewesen. So ist Gebautes gegenüber Standardware besser, aber halt auch nicht mehr. @19. denke ich auch. Leider haben sich viel zu viele Architekten hierzulande zu sehr auf Plattendecke + Stützen/Wand versteift. Das Wissen und Können anderer Geometrien ging offensichtlich verloren. Bei diesem Projekt wäre andere, mutigere, visionäre Architektur möglich gewesen, da nicht Sparzwang diktierend war. Deswegen ist es besonders schade, dann dieses konventionelle Ergebnis zu sehen.
Die teilweise in der Diskussion mitschwingende Aversion gegenüber dem hier sichtbaren Wohlstand ist völlig unangebracht. Toll fotografiert übrigens...