Kühl wie im Termitenhügel
Campus von Francis Kéré am Turkana-See in Kenia
Der nordwestkenianische Bezirk Turkana erstreckt sich zwischen dem namensgebenden See und den Nachbarländern Uganda, Südsudan und Äthiopien. Die Gegend ist eher dünn besiedelt und passt damit nur bedingt zu den urbanen Bildern, die der Begriff „Startup“ evoziert. Trotzdem steht hier seit kurzem etwas erhöht am Ufer ein rötlichbrauner Gebäudekomplex namens Startup Lions Campus. Entworfen wurde das Gebäude vom Berliner Büro Kéré Architecture unter Leitung von Diébédo Francis Kéré.
Den Campus initiiert hat die deutsche Non-Profit-Organisation Learning Lions, die IT-Knowhow in ländliche Gegenden Ostafrikas bringen möchte – was den vergleichsweise abgelegenen Standort erklärt. Ihr Programm für Jugendliche und junge Erwachsene sieht drei Stufen vor: Zunächst werden Grundlagen vermittelt, dann geht es um konkrete Arbeitserfahrungen bei einer organisationseigenen fair trade IT-Outsourcing-Agentur, und schließlich darum, im Sinne eines Startup-Inkubators eigene Ideen bis zur Marktreife zu entwickeln. Dieser letzten Stufe ist der neue Campus gewidmet.
Die Architekt*innen ließen sich bei ihrem Entwurf von Termitenhügeln inspirieren. Drei kompakte Türme dienen der natürlichen Belüftung des Gebäudekomplexes – ähnlich wie beim Vorbild aus der Tierwelt. Der Campus folgt gestaffelt dem abfallenden Gelände und öffnet sich V-förmig in Richtung des Sees. Im Erdgeschoss befinden sich Lern- und Seminarräume sowie Flächen für die IT-Infrastruktur. Im Obergeschoss folgen – über offene Treppen erschlossen – Coworking-Spaces. Auch die Dachebene steht teilweise für einen informellen Ideenaustausch zur Verfügung. Eine Terrasse mit Kiosk und fantastischem Ausblick bildet schließlich den Abschluss der Anlage.
Errichtet wurde der Campus, der insgesamt 100 Plätze bietet, aus lokalem Bruchstein. Auch die roten Pigmente des Putzes lassen sich in der Erde der Umgebung entdecken. Das Campus-Projekt, das jungen Menschen eine Perspektive in der eigenen Region bieten möchte, findet damit auch hinsichtlich seiner Materialisierung einen gelungenen architektonischen Ausdruck. (sb)
Fotos: Kéré Architecture, Startup Lions
Aber - bei allem Respekt: was sollen dann die elektrischen Ventilatoren die neben dem Kirchenvertreter rumstehen??
Die von seinem Büro geplanten Gebäude sind nicht nur jedes für sich etwas Besonderes. Sie lehren uns auch, den "genius loci" in den Blick zu nehmen, der menschlichen Proportion und vor allem der Kostbarkeit der Bäume als Teil des gebauten Ensembles Beachtung zu schenken. Maître, mes hommages!
das kann nicht jeder!
Da fragt man sich schon, wie man in Deutschland so völlig unkreativ, dafür aber mit ordentlich Geld in der Tasche einen Modernen Abklatsch nach dem anderen bauen kann, wenn einem doch die Augen durch zB oben liegendes Projekt geöffnet werden müssten. Der Grund dafür kann nur an fehlender Lust oder schlichter Dummheit liegen.