Warten mit Stil
Bushaus und Uhr in Landshut von Max Zitzelsberger
Regionale Baukultur ist ein Zauberwort – hervorragende Neubauten machten Vorarlberg zum Architekturmekka. In vielen deutschen Bundesländern wünschen sich Architekten und Politik ähnliche Ergebnisse. Die eigene Nachbarschaft soll nicht nur schön aussehen, sondern auch unverwechselbar sein und Touristen anziehen. Ein bisschen Geld ist eine gute Voraussetzung, um überhaupt zu bauen, aber eine boomende Bauindustrie bedeutet oft auch billige und schnelle Massenware. Und doch ist Bayern auf einem guten Weg.
Der junge Münchner Architekt Max Otto Zitzelsberger hat im beschaulichen Städtchen Landshut ein Bushäuschen mit passender Uhr umgesetzt, die er selbst als „Hinweis auf die fehlende Qualität städtischer Möbel“ versteht. Die rote Eisenkonstruktion entstand mit statisch-konstruktiver Begleitung von Gordian Kley von merz kley partner. Sie erhielt ein Kupferdach mit hölzerner Unterkonstruktion. „Bilder der Stadt des 19. Jahrhunderts“ inspirierten den Architekten zu dieser „Reminiszenz an die Industriekultur“, die auch an Masten der Hochspannungsleitungen denken lässt.
Die stark historisch geprägte Form passt in das Ambiente verschiedener Zeitschichten am Bismarckplatz vor dem Hintergrund des Klosters Seligenthal – der Neubau wirkt auf gute Art aus der Zeit gefallen. Während Bushaltestellen in den Großstädten inzwischen mit LED-Display und digitalen Werbetafeln mit Bewegtbild ausgestattet sind, wurde hier komplett auf moderne Technik verzichtet. Dabei könnte das zeitgenössische Wartehaus durch etwas moderne Technik auch an Bedeutung gewinnen: Im neuseeländischen Auckland sollen beispielsweise Solarzellen und WLAN zur neuen Standardausstattung für Bushaltestellen werden. (dd)
Fotos: Sebastian Schels
Einziger Kritikpunkt: Das Dach mit der außenliegenden und farblich unpassenden Rinne hält qualitativ nicht dem gestalterischen Anspruch stand. Warum nicht gleich ohne Rinne, wenn das Wasser nicht abgeführt wird?
1. Das Bushäuschen ist durchaus innovativ, aber welcher arme Mensch putzt da den gläsernen Wetterschutz? Und wie putzt er ihn, von beiden Seiten? Sowas muss zu Ende gedacht sein. 2. Das Biedermeier-Gewand des Uhrturms funktioniert nicht mit diesem modernen Ziffernblatt. Jedenfalls nicht, solange das Ziffernblatt nicht eleganter / feiner daherkommt. 3. Die Kaffeemühlen-Uhr und das Bushäuschen mit seiner "Reminiszenz an die Industriekultur" werden auch durch die gleiche Farbgebung nicht zu einer funktionierenden gestalterischen Einheit. Etwas weniger historisierende Elemente bei der Uhr hätten nicht nur ihr, sondern auch dem Bushaus gut getan. Die "verschiedenen Zeitschichten am Bismarckplatz", von denen hier die Rede ist, sind für den Platz ok, sollten aber nicht innerhalb eines Objektes aufeinandertreffen. Das ist einmal zuviel um die Ecke gedacht; es kann kein Betrachter nachvollziehen, sodass dann eher vom Unvermögen des Architekten ausgegangen wird als von einem bewussten Bruch in der Gestaltung. Wie gesagt, ein schönes Projekt, dem man gewünscht hätte, sich stärker auf die eigenen Innovationen und guten Ideen konzentriert zu haben statt mit der Geschichte des Ortes zu kokettieren.
was ist das für ein schräges "ensemble" ? wer beauftragt sowas ? ist das kunst am/statt bau? oder hat man einen lokalen "künstler" gefördert ?