Lübecker Backsteingitter
Bürogebäude von Max Dudler
„Drägerwerk“ ist in altdeutscher Schrift auf ein Kupferpaneel geprägt und in eine Backsteinmauer eingelassen – mit diesem Bild stellt sich der Medizin- und Sicherheitstechnikhersteller Dräger auf seiner Internetseite dar, gepaart mit dem ganz anders daherkommenden Slogan „Technology for Life“. Als traditionsbewusst einerseits und fortschrittsgläubig andererseits gibt sich das Lübecker Unternehmen. Max Dudler (Zürich, Berlin, Frankfurt am Main) verbindet die Motive von Tradition und Fortschritt in seinem Neubau für die Firma und gibt Dräger ein architektonisches Gesicht. Nicht nur zentrale Abteilungen, sondern gleich der Vorstand der Drägerwerke sind in seinem Empfangsgebäude des Firmenareals in Lübeck untergebracht.
Dafür greift das Büro auf die architektonische Geschichte Norddeutschlands zurück. Im Stil des Klinkerexpressionismus setzt Dudler seinem achtgeschossigen Neubau ein stark profiliertes Backsteingitter vor. Spitz zulaufende Ziegelpfeiler ziehen sich lisenenartig über die gesamte Höhe des Hauses. In den beiden oberen Geschossen sind diese Fenster nach innen hin leicht geknickt, wodurch die oberen Stockwerke leicht gefaltet wirken. Durch dieses Vor- und Rückspringen der Fassade schließt der Bau mit einer gezackten Krone ab, so wie man sie auch im historischen Klinkerexpressionismus, beim Anzeiger-Hochhaus in Hannover oder beim Ullstein-Haus etwa, vorfindet.
Im alten Baustil allein verharrt Dudler bei diesem Projekt jedoch nicht. Ungewöhnlich breite Fenster legt er in das Backsteinraster. Rahmenlos kontrastieren sie mit der kantigen Fassadenstruktur und verzerren den sonst in die Vertikale strebenden historischen Klinkerexpressionismus in die Breite.
An der Stelle des ehemaligen Werkstores, das noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Unternehmen vom Raum der Stadt trennte, soll dieses neue Empfangsgebäude einen eigenen öffentlichen Platz definieren. Städtebaulich beabsichtigt das Team von Dudler so eine Verbindung des Unternehmens mit der Stadt Lübeck zu ermöglichen. Das Empfangsgebäude ist nach zwei Jahren Bau- und Planungszeit der erste Schritt einer kompletten Neustrukturierung des Unternehmensensembles in Lübeck, die von Dudler begleitet wird. (sj)
Fotos: Stefan Müller, Berlin
Wegen ein paar Faltungen und Ecken von Expressionismus zu sprechen, halte ich für stark übertrieben, selbst im Detail. Als Ganzes betrachtet fehlen dem Gebäude vernünftige Proportionen für die hier angedachte Gestaltung: Die durchlaufenden Senkrechten möchten dem Gebäude etwas gotisch verleihen, aber dann fehlen ein paar Geschosse. Wenn das Bauvolumen nicht gereicht hat, oder eine Umverteilung nicht möglich war, hätte in diesem Fall doch ein deutlicherer oberer Gebäudeabschluss gut getan. Bestätigt erneut mein Dudler-Urteil, der Dudler ist und bleibt nur ein 2-dimensionaler Ungers... (der Besprechungsraum ist allerdings ganz mieses Kino, wie kann man einen Raum mit soviel Glas trotzdem beängstigend wirken lassen ?)
1. Bild 4: Den Besprechungsräumen in den Ecken nur eine Achse in der einen Ausdehnung zu spendieren, wirkt reichlich popelig. 2. Bild 12: Der Materialübergang "innen <-> außen" bzw. die Materialität innen ist meiner Meinung nach weniger gelungen: Blech-Abhangdecken und PVC(?)-Böden!? Dank raumhoher Verglasung unmittelbarer "Kontak" mit der Klinker-Fassade!? Puh... Nichtsdestotrotz ein sehr gutes Teil!
Eine gelungene Symbiose aus Tradition und Moderne. Gerade die Übereckansicht weiß zu gefallen und lässt in ihrer kantigen Dynamik an die goldenen Zwanziger denken. Herr Architekt, bitte so weiterdudlern!
Schöne Eckausbildungen.
Die Hafencity sollte neidisch sein...