Bauen und Gedenken
Bürogebäude in London
Üblicherweise verdrängen Neubauten die Erinnerung an das Alte – bei diesem Bürogebäude am Londoner St. James’s Square ist das anders. Die Rückseite des Neubaus, der von Eric Parry Architects (London) stammt, wurde vom Bildhauer Stephen Cox als Denkmal gestaltet. Dieses erinnert an den Architekten Edwin Lutyens, der hier Anfang des Jahrhunderts in seinem Studio die indische Hauptstadt Neu-Delhi konzipierte.
In architektonischer Hinsicht kann man Parrys Ansatz als gediegenes Understatement bezeichnen. Weil der Neubau mit seinen acht Geschossen mitten in einer denkmalgeschützten Gegend steht, wurde das Gesamtvolumen in mehrere Abschnitte unterteilt. Die Schaufassade zum St. Jame‘s Square zeigt sich ganz in Backstein und greift abstrahiert die Gliederung der Nachbarhäuser auf. Auch der Haupteingang befindet sich hier, wobei das repräsentative Erdgeschoss von den historischen Clubs inspiriert ist, die sich in der Gegend befinden.
Die seitliche Fassade ist dagegen stärker profiliert. Hier arbeitet Parry mit einem Sockel aus grauem Granit, auf den eine Loggia aufgesetzt ist. Darüber folgen die Regelgeschosse in hellem Sandstein und ein verglastes Staffelgeschoss, mit dem das Raumangebot um zeitgenössische Qualitäten erweitert wird. Noch interessanter ist schließlich die rückwärtige Ansicht, die etwas historisierend anmutet. Ein steinerner Erker mit großen, durch metallene Gitter strukturierten Fenstern zitiert hier die Arts-and-Crafts-Architektur der Jahrhundertwende, die auch durch Lutyens geprägt wurde.
Cox‘ eigentliches Denkmal für den Architekten besteht aus einem großformatigen Relief und einer dreiteiligen Balustrade mit Inschrift. Sir Edwin Lutyens, liest man da, Gestalter von Neu-Delhi, entwarf hier in Apple Tree Yard seine Pläne. So stilvoll würde wahrscheinlich jeder Architekt gerne erinnert werden, zumal nach fast 100 Jahren von einem verdienten Kollegen. (sb)
Fotos: Dirk Lindner