Schweinfurt reißt ab
Bürger stimmen gegen 20er-Jahre-Krankenhaus
Eine historische Stadtmauer, ein Renaissance-Rathaus und ein Museum von Volker Staab (siehe BauNetz-Meldung vom 1. September 2011) – das sind drei Bauwerke, auf die die Stadt Schweinfurt besonders stolz ist. Dabei hat die rund 50.000-Einwohner-Stadt im bayerischen Unterfranken noch ein ganz anderes architektonisches Kleinod zu bieten: Das alte Krankenhaus, ein Paradebeispiel der Neuen Sachlichkeit. Leider wissen weder die Mehrheit der Stadtbewohner noch die Schweinfurter Verwaltung dies zu schätzen. Am vergangenen Sonntag stimmte ein Bürgerentscheid gegen eine Erhaltung – und für die Abrissbagger. In die Denkmalliste hatte es der gut erhaltene Bau von 1929/30 nie geschafft.
Experten halten das Bauwerk mit seinen charakteristischen Sprossenfenstern, dem geräumigen Haupttreppenhaus und den klaren Strukturen für ein herausragendes Denkmal der frühen Moderne. Und sind erstaunt, dass der kulturhistorische Wert bislang unerkannt blieb. Besonders typisch für den Baustil der Neuen Sachlichkeit sei auch die Kombination von Turm und Brücke, sagt Suse Schmuck. Die Bauhistorikerin lehrte 25 Jahre an der FH Würzburg mit dem Forschungsschwerpunkt Architektur des 20. Jahrhunderts. Schmuck vergleicht dieses Gebäudedetail mit Elementen des Dessauer Bauhauses von Walter Gropius oder der Farbenfabrik Hoechst von Peter Behrens.
Das alte Krankenhaus soll jetzt einem neuen Gesundheitspark weichen. Eine Integration der alten Bausubstanz sei „ungeeignet und teuer“, so die Abrissbefürworter. Expertin Schmuck aber hält den alten Grundriss für flexibel, das Gebäude für gut erhalten und daher für eine Umnutzung geeignet. Schmuck hofft auf einen Rettungsschimmer für das alte Krankenhaus – doch wo der herkommen soll, ist unklar.
Dieser Entscheid ist nur eines: barbarisch.
Da muss man sich doch nicht wundern, dass die Bürger sich nicht für einen Erhalt aussprechen!
Als erstes sollte sich mal jemand von den Bürgerinitiativlern hinsetzen und eine Wikipediaeintrag über das Gebäude erstellen...
Darüberhinaus auch einmal ein kleine Bemerkung zur Ästhetik: wo ist diese zu finden beim Neubau?
Erinert mich irgendwie zu stark an den 80-90er Jahre Brutalismus im Krankenhausbau.
Vielleicht ist das Grundlegende Problem auch die zunehmende "Rationalisierng" im Krankenhausbau?
Der Mensch = der Ziffer hinter seiner Krankenkasse im Patientenbuch.
In diesen Räumen ist Luft zu Atmen, Raum um zu genesen. Das wird aber nicht extra gezahlt.
Gruß
W. A. J. Koenitz
wie steht das zuständige denkmalamt dazu?
ich arbeite derzeit an mehreren 60-er-jahre-bauten die in schlechterem zustand sind und trotzdem ihren eigenen "rasteritis-charme" verströmen.