Powerscheune bei Ravenna
Biomassekraftwerk von Giovanni Vaccarini Architetti
Man muss schon genauer hinsehen, um die technischen Installationen dieses Bauwerks in der Kommune Russi bei Ravenna zu bemerken. Fährt man einfach nur vorbei, könnte sich der Gedanke einstellen, es handele sich um einen Kirchenneubau, der mit ruralen Typologien spielt – eine scheunenartige Kirche mit Turm. Als Kulturgebäude im weiteren Sinne entpuppt sich der Neubau dann ja auch tatsächlich: Das vom in Pescara ansässigen Büro Giovanni Vaccarini Architetti entworfene Biomassekraftwerk versorgt die umliegende Zivilisation mit Strom und Wärme, damit es in den Haushalten schön behaglich werden kann.
Das Ensemble entstand auf dem 167.000 Quadrameter großen Gelände einer ehemaligen Zuckerfabrik und ist noch immer von Zuckerrübenfeldern umgeben. Neben den beiden gestalterisch auffälligen Kessel- und Schornsteingebäuden umfasst es noch 14 weitere Stationen und Büros der Verbrennungsanlage. Dünenartige Aufschüttungen entlang der Grenzen des Areals sollen das trotz seiner Scheunentypologie ortsfremde, massive Kraftwerk der Powercrop Russi srl in seine agrikulturelle Umgebung einschmeicheln und den bis zu 50 Meter hohen Komplex zum Teil verdecken.
Apropos verdecken: Zur Anordnung der dreieckigen, vorgehängten Lamellenpaneele der Hauptgebäude wurden die Gestalter von der in der Marine erprobten „Razzle Dazzle“-Camouflagetechnik inspiriert. Das Thema Tarnung ist dem Büro vertraut: Mit dem Firmensitz eines Schweizer Finanzinstituts realisierten die Architekten bereits ein Bauwerk, das sich aufgrund einer flimmernden Glasfassade dem Auge des Betrachters entzieht. Das Kraftwerk in Russi soll nun dank wilder, komplexer Musterung in seiner Dimensionierung möglichst uneindeutig – und damit kleiner – erscheinen und so in der Landschaft der Emilia Romagna nicht weiter auffallen. Fast ein wenig schade, denn auch die in seinem Inneren verborgene Technik hat durchaus ihre ästhetischen Reize. (kms)
Fotos: Massimo Crivellari
davor, dahinter
So gesehen ist ein Mensch von der Seite gesehen am interessantesten weil durch seine Gerichtetheit die Zeit durch ihn hindurchgeht im davor und danach oder dahinter, Bug und Heckwelle, Zukunft und Vergangenheit. So ist er ganz.
Gerichteter Raum
dein Raum
Es geht immer um den Raum,
Moderne ist die Hinwendung zum Raum. Wohin sonst?
So gesehen ist die abgelöste Fassade auch ein davor und danach oder dahinter, losgelöst vom innen und außen.
Hier geht was los. Die Fassade emanzipiert sich vollständig vom Gebäude, wird vermittelnde Zwischenschlucht wird selbst Raum, autonomer Paravent, vermittelnde Landschaft etwa zwischen den Hochhäusern. Das wäre die französische Chamouflage ins Selbstständige entlassen, zwischen uns, wie eine Ablösung der Haut. Ein Relativ zum Gebäude, die Verräumlichung des Objekts.
Dagegen sind alle Distanzierungs, verfremdungs und Verräumlichungsversuche von Fassaden hölzerne, flügellose Schematik. Es ersetzt das Strukturelle.
Raum hüllt das Gebäude im Dialog, das Dazwischen.
So gesehen sind heutige Hochhäuser nur Rohlinge die gestalterisch der Verräumlichung harren. Der ganze Stadtraum harrt seiner Verräumlichung. Die Welt bekommt Flügel.
Eine megalomane Landart scheint hier möglich, eine ganz uneigennützige Kulturierung der Landschaft, ein neues Landschaftselement, ein Subjektiv.
Es bleibt fremd und unerschlossen. Besser als der Gehryzirkus weil es auch fremd und unerreichbar ist, es ist nicht zu fassen.
Zur Logik einer Kulturlandschaft gehört m.M. immer auch, dass der eigennützige Inhalt die äußere Ästhetik definiert.
Ich bitte um Geistige Eingebung, wie sich dieses Dilemma Konflikt- und Schalbretterfrei lösen lässt