Im Glashaus
Bibliothek von Helmut Jahn in Chicago
Die Universität von Chicago darf sich über eine neue Uni-Bibliothek freuen: Der ungewöhnliche Entwurf stammt aus der Feder des Büros Murphy/Jahn (Chicago).
Der Standort für den Neubau befindet sich im Zentrum der heterogenen Bebauung des Uni-Campus und platziert sich dort als Solitär auf einer Freifläche. Um Platz für die 3,5 Millionen Bücher zu schaffen, wurden die Magazinflächen in einen 15 Meter hohen Raum unter die Erde verlegt. Hier herrschen die zur Lagerung von Büchern idealen klimatischen Bedingungen von 15 Grad und 30 Prozent Luftfeuchtigkeit. Ein Roboterkran wählt das gewünschte Buch aus den raumhohen Regalen aus und bringt es in kürzester Zeit zur Buch-Ausgabestelle. Auf dem Magazin spannt sich eine elliptische Glaskuppel mit einem Durchmesser von 36 mal 73 Metern über 180 Arbeits- und Leseplätze.
Die Glasplatten der Kuppel sind zur Verschattung mit einer speziell für das Projekt entwickelten Punktstruktur beschichtet und leiten so lediglich 50 Prozent des einfallenden Lichts in das Gebäudeinnere weiter. Außerdem weisen die Glasflächen 73 Prozent der entstandenen Sonnenwärme nach außen ab, so dass in der Kuppel ein angenehmes Raumklima herrscht.
Alle Fotos: Murphy Jahn
Mehr zu Glaskuppeln und den Möglichkeiten des Baustoffes im Baunetz Wissen Glas.
naja, das tragwerk ist so eng getaktet und dabei massiv, dass man von transparenz nach aussen nun wirklich nicht mehr sprechen kann. es gibt viele schöne beispiele dieser art, wo das besser gelingt. so finde ich den raum fast schon erdrückend. die möblierung ist ebenfalls ziemlich geschmacksfrei. auch bei den skizzen: diszipliniertes durchexerzieren von varianten ohne viel freiheit im strich und im aufbau zeugt auch hier nicht von inspiration.
Natürlich ist diese Bibliothek weder typologisch (quasi als Umkehrung der Bibliotheque Nationale de France) noch formal etwas Neues.
Räumlich scheint der Bau nach innen besser als nach aussen zu funktionieren. Wobei beckmesserisch die Frage erlaubt sein sollte, ob es eine gute Idee ist, ins Studium vertiefte Leser derartig den aussenstehenden Blicken zu exponieren. Sollte ein Leseplatz nicht eher dunkel als zu hell sein? Zumal in der heutigen Notebook-Welt, in der sowieso ständig das Aussenlicht blendet?
Jahns Entwurf besticht jedoch durch eine gewisse funktionale Eleganz. Und durch den nötigen Überwältigungseffekt des Lesesaals. (Welcher freilich umso grösser wäre, wenn er nicht schon von aussen sichtbar wäre )
Bei einem solchen Buchspeicher bittet sich das ev. ja an. Da sich das bauliche Umfeld aus den Bildern nicht so recht erschließt, kann man auch nicht über möglich Alternativen spekulieren. Teuer ist es auf jeden Fall, da muss schon wenig Platz vorhanden gewesen sein.
Gab´s nicht in old Germany auch mal eine eingebuddelte Sporthalle, der so ein Dach mehrfach eingeknickt ist?