Turm mit Zedern
Bewaldetes Hochhaus von Stefano Boeri für Lausanne
Wer die Projektbeschreibung von Stefano Boeris Tour des Cèdres liest, stellt sich eine hitze- und smogbelastete Metropole als Standort für diesen 36 Geschosse hohen Wolkenkratzer vor. Grund für diese Annahme ist die von dem Mailänder Architekten entworfene Fassade mit integrierter Baumbepflanzung. Dieses auch namensgebende Element des Projektes – rund 100 Zedern, Eichen und Ahorne sollen entlang der Wände wachsen – soll die Luft vor den Fenstern der Anwohner von Feinstaub und CO2 befreien, außerdem Schatten spenden und die Wohnzimmer vom Großstadtlärm abschirmen.
Doch der mit Zedern bewachsene Wohnturm wird nicht etwa in Bangkok, Singapur oder Mumbai sondern im beschaulichen Lausanne gebaut. Zu 2017 soll das in Chavannes-près-Renens, einer Gemeinde in Lausanne-West, geplante 117 Meter hohe Apartmenthaus bezugsfertig sein. Die Zwei- bis Fünf-Zimmer-Wohnungen richten sich laut Medienberichten an den gehobenen Mittelstand. Neben der Wohnnutzung sollen auch Büros im Hochhaus Platz finden.
Der Tour des Cèdres entsteht nach dem Vorbild von Boeris „Bosco Verticale“ dem bereits 2013 in Mailand entstandenen bewaldeten Hochhaus-Ensemble, das 2014 mit dem Hochhauspreis des Deutschen Architekturmuseum (DAM) ausgezeichnet worden war.
Über Laub oder Nadeln auf dem Balkon müssen sich die Bewohner keine Gedanken machen, die Pflege des vertikalen Waldes übernehmen Gärtner, die Bewässerung erfolgt über ein automatisches System mit Regenwasser. (lr)
stefano boeri ist ein sehr gebildeter kollege ... als sohn einer designerin und eines neurologen ... auch sehr empfindsam für die dinge ... eben ein architekt ... beschämend für die architektur ... sind mit sicherheit ... die "bildchenmalenden renderkids" ... die glauben ... sie wären architekten ! ... erfreulicherweise kommt mit der ganz jungen generation ... die gebotene ernsthaftigkeit wieder.
Ich vermute mal so mancher Baum im felsigen Gebirge würde sich über soviel Mutterboden freuen.
Und übrigens: Wer sagt denn, dass das Haus nicht auch ohne Bäume gute Architektur wäre?!
Von dem 59-jährigen "Renderkid" Stefano Boeri geplant und realisiert.
Fahren Sie doch einfach mal nach Mailand.
Beschämend für die Architektur sind wahrscheinlich Leute, die vorgeben Architekten zu sein (ohne es zu sein), und schade sind Kommentare die meinen mit vielen Punkten sei irgendwas Substanzielles gesagt.
Ausufernde Einfamilienhaussiedlungen in den Speckgürteln unserer Städte zeugen von einem offensichtlich tiefverwurzelten Wunsch nach dem eigenen Garten oder zumindest nach dem Stück Natur in unserem privaten Wohnungsumfeld. Diesen Wunsch hat der moderne mehrgeschossige Wohnungsbau bis heute ignoriert. Viele Wohn-Utopien des 20. Jahrhunderts haben die ungenutzten Grünflächen zwischen den Gebäudeblöcken als das „Zurück zur Natur“ definiert. Jeder Schrebergärtner wird Ihnen bestätigen, dass dies nicht die Erfüllung seiner Sehnsucht nach einem Leben im Grünen ist.
Es ist doch wohl unbestritten, das wir die Verdichtung der Städte aus energetischen Gründen vorantreiben, und die zunehmende Bodenversiegelung durch das ausufern des Einfamilienhausbaus stoppen müssen.
Also warum nicht auch eine Verdichtung der Grünflächen in der Stadt? Ob vertikal, horizontal oder über Kopf ist der Kreativität der Architekten und Ingenieure überlassen.
Ich würde eine Wohnung im Bosco Verticale immer einer vergleichbaren Wohnung in einem typischen Wohnhochhaus mit konventioneller Fassade vorziehen!
Vielleicht würden sich auf dem Waldstück vor meiner Wohnung im 20.Stockwerk auch ein paar Hühner wohlfühlen.
Grüße aus der Großstadt (noch) ohne Dschungel.