Lineare Ruinenästhetik
Betonvilla an der Algarve von Pedro Domingos
Von einem Restgrundstück zu sprechen, ist bei dieser Villa an der Algarve sicher nicht ganz richtig – schließlich umfasst das Gelände 2.000 Quadratmeter. Aber anders, als die Fotos es vermuten lassen, steht der langgezogene Betonbau keineswegs auf weiter Flur. Am höchsten Punkt der Topografie besetzt er eine schmale Stelle zwischen Straße und benachbarter Bebauung. Umso strategischer nutzt die Architektur die freien Sichtachsen zur Rahmung der Landschaft. Entworfen haben das Projekt Pedro Domingos Arquitectos aus Lissabon.
Zu finden ist die Villa in einem kleinen Weiler über der Gemeinde Santa Bárbara de Nexe. Auffällig ist die lineare Anordnung des Raumprogramms. Jedes Zimmer nimmt fast die ganze Tiefe des langgezogenen Volumens ein. Dienende Funktionen wie Badezimmer und eine zweiläufige Treppe fanden hingegen in kleinen Annexen Platz. Auch alle weiteren Erschließungsflächen sind an den Rand gerückt. Mehrere Patios innerhalb der Hülle geben der introvertierten Setzung Bezug zum Außenraum. Über einen dieser Patios wird das Gebäude auch betreten. Wohnzimmer und Küche bilden die Mittelzone, von der es einerseits zum Pool und andererseits zum primären Schlafzimmer geht. Das Untergeschoss dient als Schlaftrakt mit drei weiteren Zimmern.
Das Projekt solle die Assoziation an eine verlassene Ruine in der Landschaft evozieren, schreiben die Architekt*innen. Tatsächlich lässt die Struktur durchaus an einen verlassenen Infrastrukturbau denken. Gewöhnliche Fenster findet man hier keine. Vielmehr fällt das Licht durch diverse unerwartete Öffnungen in Decken und Wänden, die ursprünglich eine ganz andere Funktion gehabt zu haben scheinen.
In ästhetischer Hinsicht überwiegt die Wirkung des rohen Ortbetons. Für Kontraste sorgen Elemente aus hellem Stahl und Flächen aus weißem Marmor. Den farblichen Höhepunkt des Projekts bildet aber der türkisgrün schimmernde Pool am südwestlichen Ende des Volumens. Von hier geht der Blick hinunter bis zum Meer. (sb)
Fotos: Francisco Nogueira
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- Pedro Domingos Arquitectos
- Fläche:
- 385 m² Bruttogrundfläche
Mich würde echt einmal der Blick auf die Projekte nach der Veröffentlichung reizen.
Wer wohnt da? Wie wird hier gelebt? Das wäre doch echt mal interessant. Wenn dann die ersten Klamotten rumliegen, oder Kinderspielzeug herumsteht.
Aber nicht nur das Leben innen im Haus. Wie funktioniert das außen? Wie passieren die banalen Dinge, kommt das Ehepaar vom Einkaufen, wie kommen die Kinder zur Schule. Können hier überhaupt Kinder oder Familien leben? Oder wohnen hier nur Golf spielende DINKs?
Kann man hier überhaupt leben? Kann man einen gemütlichen Netflix Abend machen oder nur Schatz der Wald brennt, wir gehen in den Pool?
Vielleicht möchte der Bau aber auch nur eine Rolex sein. Auch der Laie kennt es. Ein Statussymbol. Beides teuer, aber zu banal, zu offensichtlich.
alles recht massiv und dann so fummelige weisse stäbchen-regale wo man überall reinschaut. will man die kubische klarheit damit wieder ein bischen "vermenschlichen" ?
was ein riesenklotz, aber gut gelungen