Royaler Aufstieg für Saint Joseph’s
Besucherzentrum in Montreal von Lemay und Version Paysage
Mit rund zwei Millionen Gästen pro Jahr gilt die Saint Joseph’s Oratory of Mount Royal in Montreal als bestbesuchte Kirche Kanadas. Um den Besuchermassen auch künftig gerecht zu werden, gab das Erzbistum vor über zehn Jahren eine Neuordnung der öffentlichen Bereiche in Auftrag.
Die erste Phase dieses Vorhabens wurde kürzlich nach Plänen der Montrealer Büros Lemay und Version Paysage fertiggestellt. Neben einem Glockenturm umfasst das Projekt ein Besucherzentrum, das den Ort durch eine Sequenz von Ausstellungsräumen und öffentlichen Ausblicken erlebbar machen soll. Die beiden Büros setzten sich 2015 in einem öffentlichen Vergabeverfahren durch. Finanziert wurde die Baumaßnahme neben hauseigenen Mitteln vor allem mit öffentlichen Geldern der kanadischen Regierung, der Provinz Quebec und der Stadt Montreal.
Die hohen Besucherzahlen sind nicht der einzige Superlativ, den sich die 1967 geweihte Saint Joseph’s Oratory auf die Fahne schreibt. So gilt ihre Kuppel mit einem äußeren Durchmesser von 39 Metern als breiteste Kirchenkuppel Nordamerikas. Darüber hinaus ist sie das größte Gotteshaus Kanadas. Sie thront am Westhang des Mount Royal (der der Stadt ihren Namen gegeben hat) und überragt damit alle anderen Bauten der Quebecer Metropole.
Die Hügellage wurde zum wichtigen Parameter bei der Neuordnung. Das Erzbistum wünschte nicht nur eine barrierefreie Erschließung der Kirche, sondern eine angemessene räumliche Inszenierung des Ortes. Der Hauptteil des Besucherzentrums liegt unterirdisch im Hang und rund einhundert Meter neben der Haupterschließungsachse der Kirche. Gäste werden am Parkplatz von einem gläsernen Glockenturm empfangen, der zugleich den Eingang markiert.
Konstruiert wurde – angesichts der Hanglage wenig überraschend – fast ausschließlich in Stahlbeton, der im Innern als Sichtbeton wirksam bleibt. Der Turm mit seinen 62 Glocken besteht aus einem räumlichen Stahlfachwerk. Um die verglasten Gebäudeteile auf den einzelnen Ebenen in die Landschaft einzubinden, verkleidete man die begrünten Dächer seitlich mit Gabionen aus Bruchstein des Baugrunds.
In der zweiten Phase soll es nun an die Substanz der denkmalgeschützten Kirche gehen – ein entsprechender Wettbewerb wurde bereits entschieden. Ganz im Sinne der bereits verbesserten Erschließung soll das Innere der Kuppel bis 2027 um eine gewundene Rampe und einen Treppenturm ergänzt werden. Auch in den Plänen der beiden Büros Architecture49 und Atelier TAG finden sich inszenierende Spektakel wie höhlenartige Ausstellungsräume und immersive Projektionsflächen an der Innenseite der Kuppel. (tg)
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- Lemay
- Landschaftsarchitektur:
- Version Paysage
- Tragwerksplanung:
- ELEMA experts-conseils, MHA
- Lichtplanung:
- Ombrages
- Bauherrschaft:
- Saint Joseph's Oratory of Mount Royal
- Fläche:
- 5.600 m² Bruttogrundfläche
- Baukosten:
- 49.520.000 € Gesamtkosten





Vielleicht einfach mal als CAD-Gegenentwurf.