Wohnen in der Pixelgrafik
Berliner Wohnquartier von Eike Becker
Der ehemalige Mauerstreifen in Berlins Mitte ist inzwischen ein beliebtes und hochpreisiges Wohngebiet geworden. Kürzlich haben hier an der Chausseestraße Eike Becker_Architekten (Berlin) ein ganzes Wohnquartier fertiggestellt: 16 Wohnhäuser mit fünf bis sieben Geschossen, 161 Miet- und 115 Eigentumswohnungen, die oberen Etagen als Penthäuser ausgeführt. Außerdem Gewerbeeinheiten und eine Tiefgarage, bei insgesamt 43.844 Quadratmetern Bruttogrundfläche und Baukosten von 54 Millionen Euro. Bauherr war ein privater Investor mit Sitz in Luxemburg.
Die Ansicht mit ihren verschachtelten L-Formaten und den liegenden und stehenden Rechtecken erinnert an das Computerspiel Tetris. Man kann gar das Gefühl bekommen, als blicke man von unten auf Bauklötze, die auf einen herabfallen, so forsch stoßen die Balkone aus dem Bauensemble in die Luft hinein. Da ist der genannte Bezug der Außenraumgestaltung auf eine Pixelgrafik nur konsequent – diese wurde gemeinsam mit den Lansdschaftsplanern Topotek 1 entwickelt und realisiert. Seinen Namen The Garden hat das Projekt ebenfalls von den Grünanlagen: Auf der Hinterseite der Reihenbebauung wurden für einen Teil der Wohnungen Kleingärten vorgesehen. Aber auch die Balkone der oberen Wohnungen sind sehr raumgreifend und gartenartig gestaltet.
Die wechselnden Fassadenbekleidungen und Fensterformate und die bewegte Kubatur sind in ihrer unmittelbaren Umgebung sehr auffällig und einprägsam. Vermutlich hat dies zur Aussage der Architekten geführt, dass das Projekt ein Gegenentwurf zum Bundesnachrichtendienstes auf der gegenüberliegenden Straßenseite sei. Mit dessen schweigsamer Fassade hat The Garden jedenfalls nichts gemein. (kh)
Fotos: Jens Willebrand
Gruselig!
Kaum ein Architekt der Moderne schafft es, lebenswerte Wohnräume und Aufenthaltsqualität zu entwickeln.
Billige Investorenarchitektur würde eine weiße WDVS Fassade, 3 aufgeklebte Gesimsbänder und Plastikfenster haben.
- Aberwitzig niedrige Räume (die von innen noch nicht einmal gezeigt werden - man ahnt, warum).
- Ein beklemmendes Balkon-Wirrwarr, das dem Bauträger wohl möglichst viel zusätzliche Fläche generieren sollte - auf Kosten der Außenräume, in denen man sich nun nicht mehr aufhalten will.
- Pixel-Wege, die aktuell mancher als chic wahrnehmen mag, aber schon bald überlebt sind - den Anwohnern bleiben wenig Funktion und hohe Unterhaltskosten.
- Fast ausschließlich Bodendecker in der Freiraumplanung, die wie Unkraut und Gestrüpp wirken.
- Eine unruhige, geradezu "schreiende" Fassade zur Chauseestraße in bester Investorenbau-Ästhetik.
- Dazu passend Metall- und Furnierholz-Verblendungen, die so lange was hermachen, bis der letzte Kaufvertrag abgeschlossen ist.
Nichts gegen avantgardistische Architektur, aber wenn bei einem Versuch ebendieser so ein Unglück herauskommt, sind mir die konservativen Ansätze von Hillmer & Sattler, Stefan Forster & Co allemal lieber. Die kosten dann halt etwas mehr, aber das sollte es uns wert sein.