Rokoko statt Roth
Berliner Staatsoper bekommt keinen neuen Saal
Dieses Wettbewerbsergebnis hatte eine merkwürdige Koalition von Gegnern zusammengeschmiedet: Bürgerliche Westberliner Opernfreunde ebenso wie klammheimliche Ostberliner DDR-Sympathisanten waren sich einig darin, dass der siegreiche Entwurf des Architekten Klaus Roth für einen neuen Zuschauersaal der Staatsoper Unter den Linden in Berlin verhindert werden müsse (siehe BauNetz-Meldung vom 22. Mai 2008 zum Wettbewerb). Für Roths kompromisslos modern gestalteten Saal hätte der bestehende, von Richard Paulick 1952-55 erbaute Pseudo-Rokoko-Saal beseitigt werden müssen. Obwohl dieser Saal funktionale und akustische Mängel aufweist, soll er jetzt erhalten werden. Das sei das Ergebnis eines Spitzengespräches zwischen dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit und Kulturstaatssekretär Bernd Neumann, melden am 15. Juli mehrere Berliner Zeitungen.
Ob jetzt einer der weiteren Preisträger – gmp und HPP hatten den Saal erhalten wollen – den Zuschlag erhält, oder ob Klaus Roth wie vorgesehen als Generalplaner für die Gesamtsanierung beauftragt wird mit der Maßgabe, den Saal zu erhalten, war bis Redaktionsschluss nicht bekannt.
In der aufgeregten Debatte ging es letztlich auch um die Frage, ob es bei der Kunstsparte Oper eher auf ein erbauliches, repräsentatives Erlebnis ankommt oder ob der Genuss einer optisch und akustisch perfekt präsentierten Aufführung im Vordergrund steht. Hier scheint erneut der Populismus des „Erbaulichen“ gegenüber der funktionalen Sachlichkeit der architektonischen Moderne die Oberhand gewonnen zu haben.
Achja die Sicht-und Hörverhältnisse, wer weiss ob die im Roth-Entwurf wirklich besser gewesen wären? Aber interssant wie sich die "Modernisten" immer aufregen. Überall werden "moderne" Bauten errichten. In der Minderheit werden klassische Häuser gebaut (in Berlin ein bischen mehr... böses Berlin), dann allerdings geht ein Sturm der Entrüstung durch alle Fachpublikationen. Ist dieser Sturm vielleicht nur das Übertönen der eigenen Unfähigkeit. Wo sind heute die modernen Meisterwerke, die man mit der Moderne der 20ern, Besonderheiten der Nachkriegsmoderne auch nur annähernd vergleichen könnte? Ich sehen nichts... Wir alle sehen nichts... Ausser die selbsternannten Heiler (moderne Architekten) die wissen was gut ist. Vielleicht lebt ihr ja am falschen Planeten?? Beispiel Staatsoper: Ein Kinobesuch kostet 7 EUR - Salloptik egal, Kleidung egal. Ein Opernbesuch kostet min. 40 EUR - man zieht sich zumindest vorher um - die Optik ist also auch wichtig. Oper ist eine Zauberwelt, die deutsche Oper in Berlin kann das nichtmal annähernd hervorbringen, dementsprechend billig wirkt der Abend. Kann man rationell nicht erklären - Gefühlssache... Seltsam auch, Roth ist toll - Rokoko ist scheisse. Weil wir (Architekten, Modernisten, Baunetz-Redation) das sagen. Es wurde hier nicht einmal diskutiert ob der Roth-Entwurf an sich überhaupt gut ist. Modern ist allein deshalb gut weil sie modern ist.