Treppe zum Spreekanal
Berliner Flussbad kommt
Prägnant in Bild und Naming sind die Projekte, die zukünftig die Stadt- und Kulturlandschaft Berlins bereichern sollen. Zudem sind „Scheune“, „Schloss“ und „Wippe“ durch hegemoniale Wunschvorstellungen, die scheinbar jede Kostenexplosion überdauern, schwer aufgeladen. Nun hat der Berliner Senat die Weichen für ein Projekt gestellt, das trotz seiner stadtmarketingtechnischen Wirksamkeit letzlich einfach Spaß verspricht. In seiner Sitzung vom 10. Dezember wurde mit dem „Umfeld Spreekanal“ ein neues Stadtumbaugebiet in der Mitte Berlins ausgewiesen und der Bau einer zum Spreekanal hinabführenden Freitreppe vor dem Humboldt Forum beschlossen. Damit wurde ein erster Teil des Vorhabens Flussbad Berlin ins Rollen gebracht.
Flussbad Berlin ist ein städtebauliches Entwicklungsprogramm zur öffentlichen Nutzung des etwa 1,9 Kilometer langen Spreekanals zwischen Monbijoubrücke und Fischerinsel. Die Idee, den Kanal in einen naturnahen Wasserlauf umzuwandeln, um das Flusswasser auf natürliche Art und Weise zu filtern und einen 835 Meter langen Abschnitt zum Schwimmen freizugeben, hatten Tim und Jan Edler von realities:united schon in den 1990er Jahren. Während viele andere Initiativen aus dieser Epoche längst an den starren Auflagen der in der Zwischenzeit zur Hauptstadt und internationalen Metropole gewordenen Stadt scheiterten, nimmt das Flussbad nun erst richtig Fahrt auf und offenbart seinen utopischen Gehalt.
Zwischen 2014 und 2019 erstellte der von realities:united mitinitiierte gemeinnützige Verein Flussbad Berlin im Förderprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“ und gemeinsam mit der Senatsverwaltung Stadtentwicklung und Wohnen eine Machbarkeitsstudie und ein Durchführungskonzept. Diese bilden nun die Grundlage für das frisch ausgewiesene Stadtumbaugebiet. Die Ufertreppe „Schlossfreiheit“ als erster Zugang zum Wasser soll am Schlossplatz, zwischen Sockel des Freiheits- und Einheitsdenkmals und Schlossbrücke, errichtet werden. Die Realisierungsmittel wurden bereits im vergangenen April 2019 zugesichert.
Die Chancen stehen also nicht schlecht, dass 2020, im Jahr der avisierten feierlichen Schlosseröffnung und des geplanten Baustarts für die Einheitswippe, auch die „Treppe“ eingeweiht wird – und neben aller Geschichte und Erinnerungskultur Menschen in bunter Badekleidung ins Wasser des Spreekanals hüpfen. (kms)
Nebenbei wird es dann zur öffentlichen Badeanstalt für Obdachlose und Junkies? Gekoppelt mit Touristenvolk?
Der Rohr artige Aufbau, von dem sie schreiben, ist - wenn man die Studie genau liest - ein Hochwasserkanal, der dazu dient, den Filter zu schützen und den gegebenen Anforderungen an den Hochwasserschutz in Berlin zu entsprechen. Technisch hat er somit wenig mit dem Projekt selbst zu tun, sondern ist eine Notwendigkeit, dass sowohl die Innenstadt als ich Köpenick nicht untergeht. Dass betrifft übrigens auch die grundsätzliche Verminderung von Einleitungen aus der Kanalisation, was sicher nochmals mehrere zweistellige Millionenbeträge erfordern wird und die von den Berliner Wasserbetrieben zu verantworten sind. Warum die „Klärpflanzen“ ungeschützt sind, verstehe ich nicht. Die sind doch dazu da, den Filter zu aktivieren der wiederum verunreinigtes Wasser säubern soll, oder? Insgesamt sehe ich das Projekt vor allem als gesellschaftliche Notwendigkeit, wenn man grundsätzlich möchte, dass innerstädtische Flüsse wieder beschwimmbar sein sollen. Irgendwo braucht es immer einen Vorreiter der den komplizierten Weg geht, damit andere es dann einfacher nachmachen können - im Positiven natürlich. Und ein zweistelliger Millionenbetrag dafür klingt für Wasserbauten auch nicht besonders hoch. Ich freu mich jedenfalls auf das eintauchen in den Spreekanal irgendwann in naher Zukunft.
Wenn man im Sommer den Lustgarten vor Augen hat, weiß man, dass es so wie abgebildet nicht zugehen wird. Im Übrigen ist das Bad ja offensichtlich nicht für die Berliner, vielmehr als weiterer Turbo für den Tourismus in der sog. historischen Mitte. Die ganze Innenstadt wird immer mehr zu einer Spass-und Eventmeile. Ich finde es eher traurig, dass Berlin immer nur auf Prestige-/Tourismus-Projekte setzt - langfristig nicht zum Wohle der Sadt.
Schwimmbadbottiche gibts dann auch. ein umgekehrter Highlinepark und das alles nach Nachfrage moderierbar. nur der Wettbewerb der Ideen qualifiziert das letztendliche Ergebnis.
Und das sind nur die populärsten Beispiele für den öffentlichen Verfall. Justiz, Krankenhäuser und Verkehr kommen noch hinzu. U.a. Durchschnittlich 80 Bäder schließen in Deutschland jährlich. 40% der Grundschüler können nicht schwimmen. In Berlin wären 230 Millionen EUR für die Sanierung der Badeanstalten fällig. In Anbetracht dieser Zahlen... hält sich meine Euphorie in Grenzen.