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07.08.2020

Bronze-Boys über Berlin

Baupiloten sanieren Studierenden-Hochhaus


Es war der alte und ist auch der neue, nun kernsanierte Mittel- und Höhepunkt von Siegmunds Hof: das Hochhaus mit dem simplen Namen Haus 12, jetzt mit dem Zusatz „Haus der Teamplayer“. Das zwölfgeschossige Gebäude, 1961 von Klaus Ernst entworfen, ist zentraler Teil der denkmalgeschützten Studierendenwohnanlage in Berlin-Tiergarten. Mit dessen energetischer Sanierung und Modernisierung ist der fünfte Bauabschnitt abgeschlossen – der erste war bereits 2012 fertig, damals wie heute unter Federführung der Baupiloten (Berlin).

Ein eigens für die Modernisierung von Siegmunds Hof konzipiertes Partizipationsverfahren ließ eine vielfältige Landschaft entstehen: Es gibt ein Haus für urbane Gartenfreunde, eines für Sportfreaks & Musikfreunde, außerdem ruhiges Wohnen am Wäldchen in drei- bis viergeschossigen Wohnhäusern. Ein Gemeinschaftshaus für Partytiger und Kaffeetrinker befindet sich im südlichen Hochhaus, Gartenwohnen findet in Pavillons statt, und Dreh- und Angelpunkt der Anlage ist nun das Hochhaus der Teamplayer. Auftraggeber der 9,3 Millionen Euro teuren Sanierung ist das Studierendenwerk Berlin.

138 Studierende wohnen auf 4.600 Quadratmetern BGF im Hochhaus, das eine verbindende Funktion übernehmen soll, ein Teamplayer eben. So ist das hohe Erdgeschoss mit Gemeinschaftseinrichtungen für die ganze Anlage ausgestattet. Die bislang hier untergebrachten Fahrradständer wurden verlegt, der freigewordene Raum zum Teamplatz mit angrenzendem Boulefeld umgestaltet. Im aufgeständerten Bereich unter dem Hochhaus ragt im ersten Obergeschoss eine „leuchtende Küche“ heraus. Die Stahl-Glas-Konstruktion soll den zuvor unwirtlichen Ort sicherer und als Gemeinschaftsbereich im Freien nutzbar machen. Das Souterrain mit Büros der studentischen Selbstverwaltung, Atelier, Fahrradwerkstatt und Waschsalon soll zusätzlich den Sockelbereich beleben.

Wie in den anderen Häusern von Siegmunds Hof sind auch im Hochhaus die Küchen zum Herz des gemeinschaftlichen Alltags umgestaltet worden. Sie sollen dabei den schon im ursprünglichen Ansatz von Klaus Ernst enthaltenen gemeinschaftsfördernden Gedanken aufgreifen und fortführen. Jeweils zwei Etagen bilden eine übergeordnete Einheit mit einer großen „Teamküche“, was sich an der Farb- und Lichtgestaltung ablesen lässt. Alle zwei Geschosse wechseln die Farben von unten nach oben: gelb, grün, blau, bronze. Dabei sind Möbel, Fliesen, Bodenbeläge, Türen und Wandfarben jeweils in der gleichen Farbe gehalten, nur in den Treppenhausfluren sind die Wände aus Gründen des Denkmalschutzes immer gelb.

Ein wichtiges Ziel war es, die kleinen und damit kostengünstigen Wohneinheiten zu erhalten. Das Erdgeschoss ist überdies barrierefrei, zwei der Wohnungen können mit Rollstühlen befahren werden und bieten zusätzlich Platz für einen Betreuer. Außerdem sind die ersten vier Geschosse für insgesamt zwölf Sehbehinderte und Hörgeschädigte konzipiert. In den neun Regelgeschossen darüber gibt es jeweils vier Einzelapartments und neun Einzelzimmer mit Gemeinschaftsbädern und den dazugehörigen doppelgeschossigen Teamküchen als kommunikativem Mittelpunkt. Die beiden obersten Stockwerke bewohnen WGs: Eine Fünfer-WG im 11. Stock und ganz oben, im 12. Geschoss die „Bronze-Boys“, eine Vier-Personen-Wohngemeinschaft mit offener Küche und großer Terrasse als Pendant zur „Golden-Girls-WG“ in Haus 11. Trotz aller Umbauten und Anpassungen blieb die generelle, von Klaus Ernst entworfene Grundrissorganisation erhalten – der Blick über die Stadt und den Tiergarten sowieso. (kat)

Fotos: Jan Bitter


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