Rekonstruktionssehnsucht
Baukulturwerkstatt in Berlin
In der Fachwelt der Planer eher distanziert diskutiert, für die breite Öffentlichkeit von großem Interesse: der Wiederaufbau historischer Stadtbilder. Dies zeigen u.a. die Debatten in Braunschweig, Frankfurt am Main, Potsdam, Berlin und an vielen anderen Orten. – Eine Baukulturwerkstatt beschäftigt sich kommende Woche in Berlin mit dem baulichen Erbe und seiner Vitalisierung. Architekten, Professoren und Interessensgruppen diskutieren über Fragen wie „Bezieht sich das ‚kulturelle Gedächtnis‘ einer Stadtgemeinschaft nur auf vergangene Stadtbilder oder entwickeln sich auch neuere städtebauliche Situationen zu Identifikationspunkten? Repräsentieren die am Wiederaufbau Interessierten den Großteil der Bevölkerung? Inwieweit ist der Wunsch nach bekannten Stadtbildern ein soziologischer Trend, ein Ergebnis grundlegender gesellschaftlicher Verunsicherungen in einer globalisierten Welt mit hoher Veränderungsdynamik? Ist die häufig behauptete Rekonstruktionssehnsucht nur eine Mode im allgemeinen Retro-Trend?“ Referate zur Rekonstruktion historischer Stadtbilder und Architektur wie der Frankfurter Altstadt, der Meisterhäuser Dessau oder des Pellerhofes Nürnberg sollen die Diskussion konkretisieren.
Baukulturwerkstatt „Identität durch Rekonstruktion?“ 16. Oktber 2008, 11 Uhr
Ort: Bärensaal im Alten Stadthaus, Berlin, U-Bhf. Klosterstraße. Anmeldung möglich unter: 0561 804-2390 oder schimanski@asl.uni-kassel.de
Habt ja Recht, mann soll neu bauen - bin ich auch dafür! Aber seht euch doch die Ergebnisse an!
Seit über 60 Jahren bauen wir modern - und das Resultat - Ödnis!
Vor 100 Jahren das Resultat - Stadt!
Aber Architekten scheinen erstens nicht kritikfähig zu sein und zweitens absolut resistent gegen jede Veränderung. Nur den immergleichen Glasmüll - mal mit Bunten Fenstern - mal 20zig mal veriierte Fensteranordnungen - schiefe Wände etc. Bestes Beispiel Hafencity. Es wird so einfach nichts.
Wenn das Stadtbild von Dresden auf die Barockstadt reduziert wird was wie selbstverständlich das Schloß und die Semperpoper einbezieht dann muß man sich nicht wundern, dass andere Facetten keine Rolle spielen. Dresden könnte genauso gut eine Stadt der Architektur des frühen 20. Jahrhunderts sein oder der DDR Architektur. Die Yenidze als architektonischer Fauxpas der 1920er ist ebenso ein Wahrzeichen der Stadt wie Zwinger oder Kulturpalast auch wenn die keiner in einem Satz nennen mag.
Retro-Trend? Das bedeutet für mich bezogen auf Architektur geodätische Kuppeln, kühne Betonschalen, weit auskragende filigrane Betondächer und Fassaden aus Kunststoff- oder Aluminium-Elementen. Letzterer prägnantestes Beispiel in Dresden und ebenfalls ein Wahrzeichen für mich als in den 70ern Geborener ist nunmehr Geschichte.
Es ist ein Phänomen, dass es neue Architektur so schwer hat, wo die Geschichte des Ortes im Planungsprozeß eine wichtige Rolle spielt. Hingegen hat sich im 18. Jahrhundert keiner für bestehende Strukturen interessiert, stattdessen wurden entsprechend dem absolutistischen Herrschaftsanspruch ganze Städte überformt. Aber wenn es um Stadtbilder geht, wird dieser undemokratische Kontext im Gegensatz zur jüngsten Geschichte - gerne ausgeblendet.
Das habt ihr Schlaumeier-Architekten nun von euren Glaskisten.