Aus eins mach drei
Bauernhausumbau von Andreas Pizza in Uerzlikon
Im Volksmund heißt es: Gut Ding will Weile haben. Diese nahmen sich die Bauherrschaft und der Architekt Andreas Pizza (Zürich), um der Renovierung eines 300 Jahre alten denkmalgeschützten Gebäudes gebührende Aufmerksamkeit zu widmen. Vier Jahre dauerte der Umbau eines Bauernhauses in ein Mehrfamilienhaus, der 2017 im Ortsteil Uerzlikon in der Schweizer Gemeinde Kappel am Albis vollendet wurde.
Ursprünglich waren in dem Bauernhaus ein Wohnbereich für eine Familie und eine Scheune untergebracht. Kellerräume sowie das Dachgeschoss wurden als Abstellplatz oder gar nicht genutzt. Der Umbau veränderte die Gebäudeabmessung nicht, doch wurden das gesamte Erdgeschoss, Dachgeschoss und Teile des Kellers zur Wohnfläche hinzugezogen, die sich dadurch von 124 auf 430 Quadratmeter vergrößerte. Zwei weitere Wohnungen kamen hinzu.
Hauptbauaufgabe war, mehr Licht ins Haus zu bringen, ohne die Typologie des Gebäudes zu verändern. Dabei wurde der ursprüngliche Wohnteil mit der Küche belassen und rekonstruiert. Im schmalen Wirtschaftsteil baute Pizza eine kleine Wohnung mit großen Fenstern ein. Der einst dunkle Dachboden ist nun ein helles Loft, das viel Licht durch die teilverglaste Giebelfassade und zwei langgezogene Schleppgauben erhält.
Als Strukturelle Hauptmaßnahme des Umbaus weitete Pizza die thermischen Gebäudehülle auf die äußeren Flächen und Kanten aus. In der ehemaligen Scheune ersetzte er die Außenwände durch neue Holzständerwände, die Wände im ehemaligen Wohnbereich aus Fachwerk und Strickbau mit Kanthölzern dämmte er innen mit Zellulose und versah sie mit einer feuchteadaptiven Dampfbremse. Das ehemalige Sparrendach ersetzte er durch ein neues, das mit 20 Zentimeter Steinwolle gedämmt ist. (ksc)
Fotos: Aurel Martin
Insofern sind auch die Botox-Vegleiche irgendwie daneben, denn in ein paar Jahren, wenn die Materialien ihren unangenehm neuen Glanz verloren haben, ist dieses Haus hier erst wirklich vollendet...
Bravo, Herr Pizza, lassen Sie sich nich ärgern von den nörgelnden Kollegen aus dem Norden.
Schade um das Haus.
Diese Vorgehensweise ist ein echter Rückschritt.
Hierzulande erlaubt der Denkmalschutz aber auch den Abbruch stattlicher 300-jähriger Fachwerk-Hauszeilen in einem Stadtzentrum (Mengen in Oberschwaben) an der Hauptstraße - Interessierte mögen googlen: "Abriss Hauptstraße Mengen" führt zu einem Artikel der Schwäbischen Zeitung. Das ist gar nicht überstreng, sondern im Gegenteil bestürzend, dass Gemeinden, die Kriege und Feuersbrünste unbeschadet überstanden haben, aus Ideenlosigkeit und Profitinteresse ihre Geschichte tilgen.
Von außen ist es mir zuviel (teilweise unverständliche) Veränderung: Fensterläden entfernt, Giebel völlig verändert, Reko-Kitschgeländer am Eingang. Das Haus hatte vorher viele liebevolle und authentische Details (z.B. originale Eingangstreppe), die man hätte aufarbeiten können statt sie im Sinne von "improved history" weg- und "schön" zu rekonstruieren. Schade um die historische Substanz, die großflächig sinnlos geopfert wurde. Besonders skurril: der einen Dachziegel breite Rahmen um die Solaranlage auf der Gaube...
Das Haus wirkt auf mich insgesamt wie eine alte Lady, die sich das Gesicht liften, die Lippen aufspritzen und die Brüste mit Silikon nachfüllen lässt. Ich mag so etwas nicht. Und das ist gar nicht schweizerisch.
Aber was ist von dem 300 Jahre alten Gebäude an Charakter geblieben? So gut wie nichts, man wähnt sich fast im Neubau. Ich bin froh, dass bei uns die Denkmalbehörden manchmal (jedoch auch nicht konsequent genug) verindern. Es wird doch auch bei uns einfach gemacht und die denkmalrechtliche Erlaubnis nicht mal eingeholt...