Naziheim wird Jugendherberge
Baubeginn in Prora
Was macht eigentlich Prora? Gute Frage. Die Antwort: Das 4,5 Kilometer lange, unvollendete und teilruinöse Ferienbauwerk der Nazis auf Rügen rottet weiter vor sich hin. Wirklich? Nein, nicht ganz. Das in Rotterdam ansässige, deutschstämmige Architekturbüro Kempe Thill vermeldet jetzt den Umbaubeginn für ein 500 Meter langes Teilstück des Komplexes, den „Block 5“ im Norden der Anlage. Hier wird Deutschlands größte Jugendherberge eingerichtet.
Am 11. Juli 2009 war der offizielle Baustart, die Eröffnung der Jugendherberge soll im Frühjehr 2011 stattfinden. Die Architekten hatten bereits im Jahre 2004 einen internationalen Wettbwerb dafür gewonnen (siehe BauNetz-Meldung vom 17. Februar 2004).
Kempe Thill sehen die lange Anlage als „Serie von Fragmenten“. Daraus leitet sich auch ihr Leitbild ab: Der Entwurf wählt die ursprüngliche Planung als Ausgangspunkt und versucht, den Charakter des Ortes zu stärken. Die Besonderheiten des Gebäudes, insbesondere seine enorme Länge und die monotone Reihung seiner Fensteröffnungen, werden dabei hervorgehoben. Damit sollen keine Kontraste zwischen Alt und Neu aufgebaut, sondern eine Harmonisierung herbeigeführt werden.
Das gesamte Gebäude wird mit einem Wärmedämmsystem verkleidet. Die Fassade wird dabei als „weiche Haut“ mit bündig darin eingelassenen Fenstern behandelt. Im Unterschied zum ursprünglichen Entwurf wird die Erdgeschosszone für öffentliche Aktivitäten hergerichtet und mit gläsernen Fassaden zur Landschaft geöffnet. Um die Länge des Gebäudes weiterhin erlebbar zu halten, werden in den oberen Geschossen die langen Korridore erhalten und in ihrer räumlichen Qualität gestärkt.
Hoffentlich werden die Fördergelder dafür nicht genehmigt.
die geschichte mit farben oder gläsernen stacheln oder was auch immer übertünchen, halte ich auch für nicht richtig. aber auch einen solch zurückhaltenden umgang finde ich schwierig.
ich glaube, es ist mehr das problem der nutzung, als das der haltung im umgang mit dem nazi-erbe. die nutzung als jugendherberge ist profan, die architektonische lösung kann kaum gelingen.
im allgemeinen bin ich stets für das ungezwungene weiterbauen, aber in diesem fall, da sich keine geeignete nutzung ausser die museale finden lässt, wäre ich für den kontrollierten verfall.
Authentizität und Originalität als oberstes Gebot zur Bewahrung des Denkmals!
Originalsubstanz muss vor Veränderung bewahrt werden!
Verlorengegangenes sollte nicht rekonstruiert werden, sondern die Spuren der Geschichte am Objekt ablesbar bleiben!