Fächerhochhaus für Berlin
Barkow Leibinger gewinnen Wettbewerb
Es war die erste deutsche Frauenzeitschrift nach dem Zweiten Weltkrieg, die diesem Berliner Gebäude seinen Namen gab: Pressehaus „Constanze“. Die erste Ausgabe erschien 1948, mehr als 20 Jahre wurde sie vom Constanze-Verlag herausgegeben, der einst von Axel Springer und John Jahr senior gegründet worden war. Das gleichnamige Pressehaus nach einem Entwurf von Eike Rollenhagen und Hans-Joachim Pysall wurde zwar erst in den 1970er Jahren und nach Einstellung der Zeitschrift errichtet, ist aber bis heute im Besitz der Hamburger Verlegerfamilie Jahr. Redaktionen wie der Stern und Spiegel hatten hier ihre Berliner Büros.
Nun aber soll das Pressehaus an der verkehrsreichen Kreuzung Kurfürsten- Ecke Schillstraße, zwischen Urania und Lützowplatz, einem Neubau weichen: ein Wohn- und Bürogebäude, dass auch in der Höhe ein Zeichen setzt. Schließlich haben in den letzten Jahren in der City West mehrere neue Gebäude den Platz markanter Vorgänger eingenommen: Das alte Kudamm-Eck wird heute von zwei Hotelbauten beherrscht, die Volksbank gerade durch das „Westlight“ ersetzt. Die höchste städtebauliche Dominante bilden das Zoofenster und das Upper West am Breitscheidplatz. Das Projekt an der Kurfürstenstraße soll hierzu ein – etwas niedrigeres – Pendant bilden.
Im dafür ausgelobten, nichtoffenen Realisierungswettbewerb wählte die Jury unter der Vorsitzenden Petra Vondenhof-Anderhalten (Anderhalten Architekten) Barkow Leibinger zum Sieger. Das Berliner Büro konnte sich mit einem fächerförmigen, um die Ecke fließenden Entwurf unter anderem gegen ingenhoven architects (Düsseldorf), Staab Architekten, Kuehn Malvezzi und Max Dudler (alle Berlin) durchsetzen. Acht Büros waren zu dem Wettbewerb eingeladen, der von a:dks und Hamburg Team betreut wurde. Die Preisträger:
- 1. Preis: Barkow Leibinger (Berlin)
- Ein 2. Preis: Nieto Sobejano Arquitectos (Berlin/Madrid)
- Ein 2. Preis: blauraum Architekten (Hamburg)
- Anerkennung: Eike Becker_Architekten (Berlin)
„Die Komposition gestaffelter Bauvolumen erzeugt eine hohe städtebauliche Präsenz (Landmark) und zeigt sich als kraftvolle Setzung eines einheitlichen Stadtbausteins“, so die Jury über den mit 60.000 Euro dotierten ersten Preis. Barkow Leibingers Entwurf gliedert sich in fünf Segmente, die sowohl unterschiedlich hoch als auch im Grundriss leicht versetzt sind. Während an der Kurfürstenstraße gewohnt werden soll, ist der Ostteil mit Turm für Büronutzung vorgesehen.
Die gestaffelten Stirnseiten der jeweiligen Abschnitte würden sich wie Schuppen zu einer äußeren Schale zusammenfügen, die Wohngebäude auf diese Art gegen die Kreuzung abgeschirmt, so die Architekt*innen. Der Wohnbereich besteht aus zwei Teilen: ein Sechsgeschosser mit geförderten und ein elfgeschossiges Hochhaus mit frei finanzierten Wohnungen. Die verschiedenen Nutzungsarten sollen durch zueinander versetzte Natursteinlisenen, unterschiedliche Fassadenraster und Oberflächenstrukturen nach außen sichtbar werden. Auch dies kam bei der Jury gut, die die starke, gleichzeitig abstrakt erscheinende Vertikalität und Lebendigkeit des skulpturalen Baus hervorhob. (kat)
Solche Gebäude aus den tiefsten Tiefen des Modernismus gehen nicht! Bitte versteht, darüber philosophieren, ob eventuell anthrazitfarbene Schrauben verwendet werden oder mehr horizontale Fußleisten an die Fassade genagelt werden sollten, das können nur Architekten, die in ihrer beruflichen Blase ohne Fenster zum sinnlichen Leben vegetieren! Für normale Menschen sind das alles grauenhafte Koffer, über die man kein ernsthaftes Wort verliert - wenn überhaupt, dann Spott oder Hohn ausschüttet! Das ist Gestaltung aus den 1960er Jahren!
Unlängst wurde ja das ebenfalls an der Kurfürstenstraße gelegene postmoderne Volksbank-Gebäude aus den 1980er-Jahren abgerissen und derzeit durch ein neues Hochhaus in einem fröhlichen Grau ersetzt. Klar war das "alte" Gebäude Geschmackssache, aber mit seinem Rot war es wenigstens ein kleiner Farbtupfer. Fällt den Architekten denn wirklich nichts anderes mehr ein als Weiß, Grau, Beige oder Schwarz? Gerade wenn man sich vom Expressionismus inspirieren läßt, kann man doch auch mal an die wunderschönen Farbakzente der damaligen Architektur denken ...
Es ließe sich daher auch abschließen mit dem Standpunkt, dass jede Zeit ihr eigenes Zitat herbringt, ganz wie es die Wettbewerbsergebnisse zeigen - ja eben weniger von dem Zeitgeist des Bestandes... Rein städtebaulich finde ich entgegen Kommentar #3 den Hochpunkt aus der Entwicklung der letzten Jahre folgerichtig. Das Quartier ist doch gewissermaßen seit hundert Jahren in einer ständigen Transformation, das großmaßstäbliche Wachstum von Parzelle und Höhe schlussendlich nachvollziehbar...
Frage mich aber auch, warum das Bestandsgebäude nach so kurzer Lebenszeit weichen muss. Architektonisch ist es ansprechend und gut gestaltet und die Substanz scheint auch noch in Ordnung zu sein. Was spräche gegen eine Modernisierung? (allein schon aus Nachhaltigkeitsgründen) Und die Frage wäre zu stellen, ob es an dieser Stelle wirklich eines Hochpunktes bedarf...