Soziale Arbeit sichtbar gemacht
Bahnhofsmission in Hamburg von Carsten Roth Architekt und iproplan
Nach 26 Jahren musste die Bahnhofsmission aus ihren Räumen im Hamburger Hauptbahnhof ausziehen. Als Ersatz entstand ein eigenständiger Neubau, der die Einrichtung und ihre Arbeit innerhalb des Stadtraums nun deutlich sichtbar macht. Den Entwurf in den Leistungsphasen 2 und 3, die Fassadenplanung sowie die künstlerische Begleitung übernahm das Büro Carsten Roth Architekt (Hamburg). Als Generalplanerin verantwortet die iproplan Planungsgesellschaft (Chemnitz) das Projekt im Auftrag der heutigen Deutsche Bahn InfraGO, die zum Zeitpunkt der Fertigstellung 2023 noch als DB Station&Service agierte.
Mitten in der heterogenen Lage zwischen Hauptbahnhof, Kunsthalle, Parkflächen und mehrspuriger Hauptverkehrsstraße platzierten die Architekt*innen einen rund 40 Meter langen, eingeschossigen Gebäuderiegel. Im westlichen Bereich ist der Bau erhöht, die verglaste Hauptfassade mit Obergaden wendet sich so prominent der Innenstadt zu. Die übrigen Seiten des Holzrahmenbaus sind mit farbigen Metallpaneelen bekleidet.
Die blaugrüne Gebäudehülle sowie die roten Pfosten und Riegel der Glasfassade beziehen sich auf die Kennfarben der Hilfsorganisation. Einzeln verschraubte Paneele und eine changierende Oberfläche sollen künftig die Möglichkeit einer vereinfachten Wartung bzw. den Austausch der Fassadenelemente bieten, die die Architekt*innen aufgrund der Lagebedingungen bereits im Entwurf bedachten. Heller Sonnenschutz im oberen Bereich sowie Schiebeläden aus Streckmetall im unteren ergänzen die westliche Front.
Auf circa 500 Quadratmetern Bruttogrundfläche bietet der Bau Platz für einen großen Empfangsbereich, einen multifunktionalen Aufenthalts- und Veranstaltungsraum sowie Räume für Betreuung, Verwaltung, Lager und Hygiene. Erschlossen werden die Bereiche über einen langen Flur, der innen entlang der Glasfassade verläuft. Oberhalb des Gangs brachte das Büro eine im 45-Grad-Winkel gekippte Spiegeldecke an. Sie erweitert den Einblick in das Gebäude und soll so der Niedrigschwelligkeit dienen. (sbm)
Fotos: Klaus Frahm
Das Projekt wurde in diesem Jahr mit dem Polis Award 2024 in der Kategorie Soziale Quartiersentwicklung ausgezeichnet.
Die Bauzeit: Unfassbar lang. Aber warum (um Himmels Willen) direkt zwischen einem möglichen Vorplatz vor dem Hauptbahnhof und dem Zugang in die Innenstadt und Richtung Kunsthalle? Im Moment ist dort nur ein unattraktives Loch mit Blick auf die ICE-Gäste der 1.Klasse, die im Regen aussteigen dürfen - der ganze Vorbereich hätte dringend eine Aufwertung nötig. Städtebaulich völlig unverständlich, gesellschaftlich könnte es anstatt zu einer Verbesserung des Umgangs mit Bedürftigen eher zu einer Verschärfung der ohnehin sehr angespannten Situation am Hauptbahnhof führen. Aber den Standort hat (vermutlich) nicht der Architekt vorgegeben.
dass man von aussen nicht so gut reinsieht. versteh ich noch. aber im innenraum hat es schon etwas knastiges, insbesondere wenn man oberhalb den himmel sieht.... und warum nur eingeschossig? mitten in der stadt? da hätte man noch einiges mehr unterbringen können (müssen!)
Als Raum -zwischen- zwei verschobenen Elementen, zwischen komplementären Farben. Bild 1 hinten die herkömmliche Lösung als Raum -zwischen- Dach und Sockel, Himmel und Erde.