Redefinierte Symmetrie
Automuseum in Turin umgebaut
„Expo 61“ oder auch „Italia 61“ ist im Volksmund die Bezeichnung für die Nationale Arbeitsausstellung 1961 in Turin, die den 100. Jahrestag der Staatsgründung zelebrierte. Auf einem eigens dafür geschaffenen Expogelände im Südosten der Innenstadt Turins am Ufer des Po entstanden einige der bedeutendsten baulichen Zeugnisse der damaligen Aufbruchsstimmung in Kunst und Architektur Italiens, darunter das Palast der Arbeit von Pierluigi und Antonio Nervi mit Gio Ponti oder der kürzlich renovierte Segelpalast von Franco Levi. Die Hauptattraktionen wurden entlang einer zwei Kilometer langen Monorail-Verbindung angesiedelt.
Ebenfalls zum Expogelände gehört das Nationale Automuseum von Amedeo Albertini (1958-60), das jetzt durch Cino Zucchi komplett umgebaut wurde. Es beherbert eine der einzigartigsten Autosammlungen in Europa.
Das ursprüngliche Museum bestand aus mehreren Baukörpern. Der Hauptbau hatte eine konvex gerümmte, 114 Meter lange Fassade zum Po und zum Corso Unità Italia. Die Wettbewerbsvorgaben sahen die Errichtung eines neuen Flügels zur Via Richelmy und die Neuordnung der Verkehrsströme von Fußgängern und Autofahrern vor. Zucchis Entwurf artikuliert die Beziehung zwischen der „Drive-In“-Annäherung vom Corso und dem intimeren Fußgänger-Zugang von der Via Richelmy. Dabei wurde die bestehende Symmetrie des Gebäudes durch einen neuen Sockel „redefiniert“.
Im neuen Erdgeschoss sind die üblichen Museums-Randnutzungen wie Bookshop, Andenkenladen und Cafeteria untergebracht. Der bestehende Hof ist mit einem Glasdach geschlossen worden und soll für Veranstaltungen genutzt werden. Durch die zentrale Lage des Hofes wird die Orientierung beim ringförmigen Gang durch die Ausstellung erleichtert. An der Westseite ist ein neuer Flügel mit einem großen, flexiblen Ausstellungsbereich entstanden.
Die Glasfassade ermöglicht verschiedene Grade an Durchsichtigkeit. Sie vereinheitlicht die Gebäudefront zur Via Richelmy und eint damit den gesamten Komplex aus Alt und Neu. Das Auditorium und die Schulungsräume an der Via Zuretti können auch unabhängig vom Museumsbetrieb benutzt werden.
ich bin mir auch unschlüssig über dieses haus. irgendwie alles richtig gemacht, aber trotzdem wirkt das ganze bemüht. hatte mich gefragt, ob das an der umbau-situation liegt. leider schwer zu beurteilen. diese bewegten formen lassen immer viele fragen offen. gerade an den punkten, wo die bewegung zum schluss kommt, fragt man sich, worauf sie im kontext verweist. geht mir bei alle diesen formalen sachen so. vielleicht aber auch ein problem des kontextes...
wie gesagt, sehr unschlüssig... ;)
Die volumetrische Gesamtkomposition erscheint sehr beliebig, möchte sehr dynamisch erscheinen und kommt dann doch vor allem aus der Fussgängerperspektive nicht wirklich in Schwung. Da hilft dann auch nicht ein Foto bei Gewitterstimmung mit Blitz im Hintergrund. (Nebenbei: braucht Architektur heute wirklich derartig einfach gestrickte Showeffekte?)
An der Fassadengestaltung spinnt sich das Problem der Beliebigkeit fort. Sicherlich, Hautthematik. Eine weitere Renaissance der Thematik, vor langer Zeit in Basel wiederentdeckt. Interessanterweise hat aber gerade HdeM erkannt, dass sich semi-opake Fassaden und volumetrisches Spektakel schlecht miteinander vertragen. Das erste will ja gerade den Körper zum Flirren bringen. Und das funktioniert am besten dann, wenn der Körper einfach ist (z.B. ein Kiste). Wenn aber der Körper, wie hier, sehr komplex wird, wirkt diese Fassade in meinen Augen kontraproduktiv.
ansonsten... schicke fassaden! der schattenriss-effekt in den großen schaufenstern mit den autos ist genial.