Tanken im Energie-Plus-Standard
Autobahnraststätte Fürholzen West von Allmann Sattler Wappner
Als Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt vergangene Woche die „Raststätte der Zukunft“ eröffnete und die Zapfsäule Nummer 1 ausschließlich Diesel bot, schrieb Gerhard Matzig in der Süddeutschen Zeitung es sei „alles wie gestern. Nur größer.“: Von den 1.700 Quadratmetern Fläche bedeckt das geschwungene Holzdach mit Fotovoltaikanlage nach Entwurf von Allmann Sattler Wappner Architekten nur einen kleinen Teil der neuen Rastanlage Fürholzen West. Der Rest ist (versiegelter) Parkplatz. Und so fragt man sich angesichts des 20-Millionen-Euro-Neubaus, in dem das Unternehmen Tank & Rast einen „weiteren Meilenstein der erfolgreichen Modernisierungsstrategie“ seit der Privatisierung 1998 sieht, was die Innovation ist.
(Sani-)Fairerweise muss gesagt werden, dass an den zahlreichen Zapfsäulen nicht nur „Standardkraftstoffe“ wie eben Diesel angeboten werden, sondern auch Wasserstoff, Autogas und Erdgas – an ein und derselben Säule (und darin besteht die Neuerung). Einzig die Elektroschnellladesäulen sind unter einem runden Extradach untergebracht. Mit Shell, Gasprom und innogy (RWE Tocher) kommen hier die großen multinationalen Konzerne zum Zug. Den Flächenverbrauch versuchen rund 300 Quadratmeter Spielplatz und ein „Fitness- und Bewegungsparcours für Erwachsene“ zu relativieren. Ein Blockheizkraftwerk und ca. 7200 Quadratmeter Photovoltaikfläche lassen die Anlage den Energie-Plus-Standard erreichen.
Eine „ausdrucksstarke Dachlandschaft“ verbindet Zapfsäulen und Raststätte, indem sie ihre Form geschickt vom geschwungenen Futurismus in das „doppelgieblige Satteldach“ mit „Bezug zu oberbayrischen Scheunen und Stadeln“ wandelt. Viel weiter scheint die Gestaltungsfreiheit der Architekten jedoch nicht gereicht zu haben. Allmann Sattler Wappner haben die Ausführungsplanung nicht übernommen, in der Pressemitteilung werden sie nicht mal erwähnt. Auch nicht, wer hinter der Innenraumgestaltung und dem Lichtkonzept steht, das „das Tageslicht je nach äußeren Lichtverhältnissen authentisch simulieren“ soll.
An den Marken Serways und Sanifair dürfte kaum ein Nutzer deutscher Autobahnen vorbeikommen, etwa 500 Millionen besuchen die Einrichtungen des „führenden Anbieters von Gastronomie, Einzelhandel, Hotellerie und Kraftstoff“ nach Angaben des Unternehmens jährlich. Die Presseerklärung präsentiert die Anlage als „starkes Zeichen für Nachhaltigkeit und Mobilitätskonzepte der Zukunft“ und spricht von „modernsten Betankungsarten“. Dabei wird man den Eindruck nicht los, hier hat eher ein längst überfälliges Update stattgefunden. (dd)
Hier wurde aus allen Rohren gefeuert und was die Materialsammlung hergab, wurde verwurstet. Wirklich ganz furchtbar.
Bitte derjenige den Finger heben, der nicht an einer Tankstelle tankt sondern das Benzin selbst im Garten erntet.
Wieso regt sich eigentlich keiner auf, wenn im Baunetz ein neuer Flughafen veröffentlicht wird? Fliegen ist doch 100% schlimmer als Autofahren. Aber darüber hat man keine Zeit nachzudenken - der nächste Flug nach Kenia ist ja schon gebucht, da kann man sich dann ökologisches Bauen anschauen und sich dabei richtig gut fühlen.
P.S.: Was an dieser Tankstelle stört ist die Gestaltung, man sehe sich die Kasse an - wie ein Hamburger, vielleicht ist das aber auch als Witz gemeint.
wenn man daran denkt, wie wichtig benzin und diesel für uns alle wirklich sind, müsste man diese orte mindestens vergolden. in wirklichkeit SIND es unsere kathedralen. nachdem die kirche ja längst aus der mode ist und große teile der bevölkerung samt ihrer regierung nebst wirtschaft ihre identität quasi in der anbetung des autos und der von ihm ausgehenden mobilität sehen, wäre mehr würde für diese orte mehr als ehrlich!
ginge es nach mir, würde ich privat-pkw verbieten oder zumindest horrend besteuern. öpnv, bahn, carsharing, fahrrad und dienstwagen machen privat-pkw im grunde überflüssig. solang wir aber noch nicht bereit sind, das zu verstehen, bauen wir halt wenigstens ab und an mal eine schöne tankstelle!
why not.
Und ich hoffe doch nicht, dass Tankstellen ernsthaft Identitätsträger unserer Gesellschaft sein sollten!