Perfekt eingeparkt
August-Horch-Museum in Zwickau von Atelier Brückner
Die ersten Modelle der Automarke Audi kamen aus dem sächsischen Zwickau, wo Ingenieur und Unternehmer August Horch 1909 die Audi-Werke gründete. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde im volkseigenen Betrieb der Trabant produziert – und seit 2004 präsentiert das August-Horch-Museum auf dem Gelände die Geschichte Horchs und der sächsischen Autoindustrie. Im vergangenen Jahr hat sich dessen Ausstellungsfläche mehr als verdoppelt – nach Entwürfen von Atelier Brückner (Stuttgart) wurde zum einen die ehemalige Audi-Produktionshalle mit einer Nutzfläche von 5.120 Quadratmetern denkmalgerecht saniert und zum anderen ein Neubau mit 597 Quadratmetern Gesamtgeschossfläche realisiert, der sie mit dem bereits bestehenden Museum verbindet.
Der als Stahlträgerkonstruktion realisierte neue Baukörper beherbergt ein Café mit Küche und Sanitäranlagen und greift auf assoziative Weise das Thema „Automobil“ auf: Gleich einem solchen präsentiert er sich in glänzender Blechhülle in den Farben Gold und Silber und wurde von den Architekten geradezu perfekt in die Baulücke zwischen den einstigen Produktionshallen von Audi und Trabant „eingeparkt“. Die fünf zwischen 4.50 Meter und 7.50 Meter hohen Sheds stellen zudem nicht nur formal einen Bezug zur Industriearchitektur des Bestands her, sie nehmen auch dessen Traufhöhen auf und docken mit jeweils reduzierter Gebäudetiefe zu beiden Seiten an die historischen Klinkerfronten an.
Im mittleren Bereich liegt hinter großen Glasfenstern mit breiten, dreidimensional ausgebildeten Stahlblechrahmungen das Café. Mit Parkett, Vertäfelung aus geöltem Buchenholz und grauem, von Chromleisten gefasstem Kunstleder soll auch der Innenraum auf die gediegene Eleganz der frühen Horch-Automobile aus den 1920er Jahren verweisen, deren Innenverkleidung teilweise aus Holz bestand. Die Ausrichtung der Sheds nach Westen sorgt bis in den Abend hinein für Sonnenlicht, das die warme Materialität des Interieurs zusätzlich betont.
Die frühere Produktionshalle hingegen, bestehend aus zwei Gebäudeteilen von 1912 und 1924, wurde originalgetreu rekonstruiert. Die Sanierung umfasste die Ertüchtigung der Fassaden aus Klinkermauerwerk, den Austausch der großen Hohlziegel der Hourdisdecke und den Einbau satteldachförmiger Oberlichtbänder. Außerdem wurden die Stützen sandgestrahlt und neu beschichtet. Der feingliedrige Stahlskelettbau bietet nun neuen Raum für Veranstaltungen und einen authentischen Rahmen für die erweiterte Museumsausstellung – als deren größtes Exponat. (da)
Fotos: Daniel Stauch
Im Grundriss betrachtet, besteht der Anbau ja aus dem "dreischiffigen" Café und den beiden seitlichen Verbinderbauten zum Bestand. Ich frage mich wirklich, warum diese Verbinder die gleiche Form wie der Mittelteil haben mussten. Eine zurückhaltendere, niedrigere Form wäre ihrer Funktion wesentlich besser gerecht geworden und hätte die Wirkung des Hauptteils noch verstärkt - in der umgesetzten Form wird sie eher geschwächt.
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Nebenbei bemerkt: Mal Hand hoch, wer mit dem Namen Johann von Zimmermann (1820-1901) etwas anfangen kann. Er gilt als Begründer des Werkzeugmaschinenbaus in Deutschland, und zwar in Chemnitz/ Sachsen. Ein Johann-von-Zimmermann-Museum gibt es meines Wissens nicht...