Heute lagern, morgen werken
Aretz Dürr Architektur in Altenkirchen
Mietlager sind allgegenwärtig – als architektonische Aufgabe bleiben sie jedoch meist unbeachtet. Im Gewerbegebiet von Altenkirchen im Westerwald haben Aretz Dürr Architektur mit der Halle S//54 einen solchen Typus neu gedacht: als flexible Struktur, die über ihre aktuelle Nutzung hinaus angelegt ist und sich bei Bedarf einfach umnutzen lässt, beispielsweise als größere Hallenräume.
Der Neubau ergänzt das Ensemble des auf Möbelproduktion und Innenausbau spezialisierten Familienunternehmens Schumann Gruppe. Deren Unterfirma Schumann Project war Bauherr und Generalunternehmer des Projektes und arbeitete eng mit Aretz Dürr zusammen. Wie schon bei der gegenüberstehenden Produktions- und Lagerhalle sei dies maßgeblich für die Qualität gewesen, betonen sie. Beide Planungsaufträge kamen über Architekt Ben Schumann zustande, der Teil des Büros ist.
Die Halle mit einer inneren Nutzungsfläche von 824 Quadratmetern ist als kleinteilige Anlage organisiert, deren Einheiten bei Bedarf zusammengeschaltet werden können. Ausgangspunkt sind rund 23 Quadratmeter große Module, die sich zu größeren Flächen von bis zu 276 Quadratmetern erweitern lassen. Jede Einheit verfügt über ein eigenes Waschbecken. Entscheidend ist jedoch weniger die aktuelle Aufteilung als das dahinterliegende System. Das Tragwerk halte „konstruktiv und strukturell diverse andere Nutzungsszenarien mit verschiedenen Nutzungsgrößen vor“, so die Architekt*innen.
Die rund 63 Meter lange Konstruktion ist als reduzierter Holzbau ausgeführt und wirkt wie der kleinere Verwandte der gegenüberliegenden Schreinerei. Zwölf Stützen und vier Gerberträger aus Brettschichtholz tragen die Struktur, die durch quer liegende Wände in drei Abschnitte gegliedert ist. In Längsrichtung eingespannt, kommt die Fassade ohne tragende Elemente aus.
Die Konstruktion ist gedämmt, aufgrund der aktuellen Nutzung als Lagerfläche jedoch nicht beheizt. Eine Nachrüstung ist möglich. Die in der Mitte des Daches gedoppelten Gerberträger reduzieren die statische Höhe und erzeugen ein leichtes Gefälle, das über das Trapezblech in eine zentrale Rinne entwässert wird. Das Dach ist als einfaches Kaltdach ausgebildet, mit einer belüfteten, gedämmten Holzkonstruktion darunter.
Anpassungen legten Aretz Dürr systemisch an: Die 36 Sektionaltore können entfernt und durch andere Fassadenelemente ersetzt werden, wodurch sich die Gebäudehülle je nach Nutzung schließen oder öffnen lässt. Auch die inneren Trennwände lassen sich verschieben oder entfernen. Sämtliche Bauteile sind verschraubt und können demontiert sowie sortenrein getrennt werden. Umgesetzt wurde das Projekt für Gesamtbaukosten von 950.000 Euro (netto).
Text: Ella Einicke
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- Aretz Dürr Architektur
- Tragwerksplanung:
- Ripkens Wiesenkämper
- Bauherrschaft:
- Schumann Project
- Fläche:
- 1.188 m² Bruttogrundfläche
- Baukosten:
- 950.000 € Gesamtbaukosten
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