Perrault spiegeln
Archiverweiterung in Bussy-Saint-Georges
Das Centre Technique du Livre de l'Enseignement Supérieur, eine technische Institution zur Aufbewahrung und Pflege von Büchern in der Pariser Peripherie, war überlastet und benötigte dringend eine Erweiterung der Bücherarchive. So weit keine allzu herausfordernde Bauaufgabe. Doch das CTLES wurde 1993-95 nach Plänen von Dominique Perrault gebaut, und damit wird es doch ein wenig kniffliger.
Der Stararchitekt ließ zwar – getreu seiner Linie, Entwürfe nur in ihrem städtebaulichen Kontext zu denken – in drei Himmelsrichtungen Luft für zukünftige Erweiterungen. Dennoch erweist sich die Architektur des CTLES noch heute in gewisser Weise als Platzhirsch, zu der es sich zu positionieren gilt: Seine mit Aluminiumpaneelen horizontal verkleidete Boxenarchitektur zeichnet sich durch einen Formalismus aus, der bis heute das CTLES-Gelände im ruralen Bussy-Saint-Georges berherrscht. Auch die Entscheidung, das Grundstück über eine innere Straße, entlang derer sich Werkstätten und Archive angliedern, zu erschließen, hat in ihrer strengen Logik noch immer eine stark imperative Wirkung.
Der nun fertigestellte Anbau von Antonini + Darmon Architectes (Paris) und Rmdm Architects (Saint-Ouen) geht mit der prominenten Nachbarbebauung auf elegante Weise um: Die beiden neu hinzugefügten Volumen entsprechen in ihren Dimensionen, der klaren Formensprache und der präzisen Setzung exakt dem Perraultbau. Etwas abgerückt, doch durch eine verglaste Brücke verbunden, entsteht so ein ganzheitlich wirkendes Ensemble. Die Neubauten bieten auf je vier Geschossen 10.000 Quadratmeter Fläche für neue Regale in 100 Kilometer Länge.
Auch die äußere Verschlossenheit des Bestands greifen die Silos auf, wenngleich die Wahl des Fassadenmaterials nicht auf das matte Aluminium fiel, sondern auf vermutlich pflegeintensiveres Stahl: Durch vertikal gefaltete, fast vollflächig angebrachte, hochreflektierende Bleche scheint das Gebäude mal stolz in der Sonne zu erstrahlen, mal ganz bescheiden seine Umgebung widerzuspiegeln und nahezu in ihr zu verschwinden. So oszilliert die Erweiterung zwischen Demut vor der Erstbebauung und ihrer etwas augenzwinkernden Aktualisierung. (kms)
Fotos: Pierre L'Excellent, Julien Lanoo
Ich stelle mal eine Frage zur Gleichung.
Termitenarchiv=?
Vogelarchiv=?
Gibt es da doch Unterschiede?
viele Vögel erkennen kontinuierliche, hoch transparente oder hoch reflektierende Flächen schwer als Grenze.
Die vorliegende Fassade bildet keine solche kontinuierliche Fläche. Nur blinde Hühner würden dagegen fliegen (laufen).
Wer das nicht weiss, und trotzdem einen Kommentar darüber abgibt, ist dumm. Wer dabei auch noch meint, andere herablassend zurechtweisen zu können, ist ein hoffnungsloser Fall.
Ich stelle mal folgende Gleichungen auf:
Termiten = Natur
Termitenhügel = Natur
Vögel = Natur
Vögelnester = Natur
Mensch = Natur
Menschenbehausung = ?
Da uns die Natur mit einem Gehirn ausgestattet hat, das es uns ermöglicht komplexe Architekturen zu erschaffen, sind diese Architekturen gleichzeit auch natürlich! Damit sind sowohl Vögel, Vogelnester als auch verspiegelte Metallkästen natürlich!
Die Frage nach unserem bewussten Einsatz von Materialien, die der restlichen Natur nicht schaden, ist dadurch jedoch nicht geklärt. Allerdings bauen auch andere Tiere Behausungen, die anderen Tieren wiederum schaden können. Nur dass wir das bewusst tun, ist wohl der Unterschied.