Ein ganz normales Haus
Architekturpreis Steiermark 2011 vergeben
Gestern hat die steirische Landesregierung den Architekturpreis des Landes Steiermark 2010 verliehen. Der Kurator Hubertus Adam, der an Stelle einer Jury den Preisträger ausgewählt hat, übergab den mit 8.000 Euro dotierten Preis an das österreichische Büro weichlbauer/ortis (Graz) für ihr Projekt Einfamilienhaus YUG im steirischen Frauental.
„weichlbauer/ortis stellten mit ihrem Wohnhaus in Laufnitzdorf gängige Konventionen in Frage“ so Hubertus Adam in seiner Laudatio. „Der Reiz des Hauses besteht in dem Nebeneinander von Konvention und Experiment.... Es ist ein ganz normales Haus, in dem ganz normales Leben gelebt werden kann. Und doch ist es mehr als das, nämlich eine ebenso intelligente wie spielerische, vielleicht auch ironische Etüde zu der Frage, was Architektur ist, sein kann und sein darf.“
Das Haus surplus value01 steht etwas versteckt in Laufnitzdorf. Aus Kostengründen wurde die Anzahl der Details auf ein Minimum reduziert, und so dient ein Fenster nicht nur als Fenster, sondern quergelegt als Brüstung. Die präfabrizierten Betontreppen finden sich nicht nur im Treppenhaus, sie dienen auch als Sichtschutz, Tragelement, Vordach oder Trittstufen für den Schornsteinfeger, während für die Handläufe im Inneren Fensterprofile zum Einsatz gelangten. Und weil die Hülle des Hauses, das sich aus verschobenen und aufeinander gestapelten Kuben zusammensetzt, weich sein sollte, wurde das gesamte Äußere mit sechs Zentimeter hohem Kunstrasen umhüllt.
Die übrigen mit einer Anerkennung ausgezeichneten Projekte sind: Gangoly & Kristiner, Graz, für Generalsanierung Hörsaalgebäude Montanuniversität Leoben, loenhart&mayr landscape urbanism für ihr Projekt Murturm Gosdorf sowie UNStudio, Amsterdam für MUMUTH – Haus für Musik und Musiktheater, Graz.
Alle Fotos: Hertha Hurnaus
Beschreibung und Bilder des Siegerprojekts auf nextroom.at
Objektbericht MUMUTH von UN Studio auf www.baunetzwissen.de/Beton
denn das dab kommt bei mir immer ungelesen in den nahen papiercontainer... ;)
Während sich Andreas Denk und BDA-Kollegen im enthobenen DER ARCHITEKT 2-2011 die üblich feinziselierten "prosopographischen" (zit.) Debatten über das Auftragswerk "BAUKULTUR" (von Durth/Sigel) als Köstlichkeit deutscher Unterfellpflege liefern, verblüfft die journalistische Kammer-Titanic DEUTSCHE ARCHITEKTENBLATT - eigentlich richtiger: DEUTSCHES IMMOPLANERBLATT - mit der prophetischen Positionierung des Steirischen Architekturpreis aufs Cover von Heft 4-2011. Jawohl!
Doch halt, gemach: was man zum Weichlbauer/Ortis-Bau dann im DAB lesen kann, ist ausser dem Bild nichts weiter als auf Seite 8 unter der Notiz "Scherz in Grün": (...) "Das Ganze ist erstens Ausdruck einer zeimlcih abstrakten Architekturtheorie, auf die wir hier nicht eingehen. Zweitens ist es schlicht ein Scherz, den sich Architekten und Bauherren in Lausnitzdorf (Österreich) erlaubten."
Wir sind Deutschland. Eben eben!