Stein und Zeit in Porto
Appartementhaus von Pedra Líquida
Das Bild von Leerstand und Ruinen, das portugiesische Altstädte lange Zeit prägte, gehört zunehmend der Vergangenheit an. Abgelöst wurde es von aufwändig sanierten Wohnhäusern und hübsch zurechtgemachten Straßenzügen, die den Bedüfnissen des Kultur-Tourismus entsprechen. Im resultierenden Spannungsfeld zwischen lokaler Wirtschaftsförderung und sozialer Verdrängung entstand auch das Luxus-Appartementhaus S. Bento Residence des Büros Pedra Líquida aus Porto. Es befindet sich im Zentrum der nordportugiesischen Küstenstadt.
Als Teil des barocken Stadtzentrums gehört das Baugrundstück, das eine prominenten Ecke besetzt, seit 1996 zu den Unesco-Welterbestätten. Nur wenige Meter liegt es vom Bahnhof São Bento und der berühmten Kathedrale Sé do Porto entfernt. Lange Zeit stand hier halb eingestürztes Wohnhaus, die Rückseite offen zu einem Steilhang aus klaffendem Granit. Entstanden war diese stadträumliche Situation durch den Bau der mehrspurigen Avenida D. Afonso Henriques, der den Abriss mehrerer Wohnblöcke erforderte. Ein besonderes Spannungsmoment lag also auch dem Entwurf eines Neubaus an genau dieser Stelle zu Grunde: Der private Bauherr wünschte Bezüge sowohl zur Fassade des historischen Stadthauses als auch zu den klippenartigen Felsen. Der rechtwinklige Bau schmiegt sich darum an die grobe Form der Felsen und scheint diese zugleich mit seiner Fassade abstrahiert fortzuschreiben.
Insgesamt sechzehn Einheiten entstanden im fünfgeschossigen Baukörper. Vier der Wohnungen sind auf den Altbau bezogen und zwölf dem neuen Abschnitt zugeordnet. Im Erdgeschoss befinden sich ein Restaurant und das Foyer, dessen Eingangsbereich markant nach hinten zurückversetzt liegt. Visuell wird das Volumen durch diese angedeutete Lücke in zwei Teile gegliedert. Kontinuität schaffen die Architekten mit Sichtbeton als primärem Material für den Neubau. Eine lange Diagonale entstand an der straßenseitigen Brandwand der einstigen Ruine, wo verwitterte Granitsteine auf die glatte Oberfläche des Ortbetons treffen. Das neue Volumen scheint aus den Grundmauern empor zuwachsen, die verschiedenen Zeitschichten wurden also pittoresk in Szene gesetzt.
Ein Spiel mit Oberflächen und Tiefenwirkung steht in der Architektur von Pedra Liquida im Vordergrund. Auch die Fassade ihres jüngsten Neubaus entwickelt dank raumtiefer Loggien eine starke Plastizität. Wie übergroße Schießscharten wechseln sich die Außenbereiche der Wohnungen mit geschlossenen Wandelementen ab. Dem Materialkatalog von Granit, Stein und Beton folgend, sind auch die Innenräume mit Wänden und Decken aus Sichtbeton und Böden aus geschliffenem Estrich konsequent mineralisch ausgestaltet. (kg)
Fotos: João Morgado
Ich kann mir die Grundrisse einfach nicht gut möbliert vorstellen, und was mir die tausend kleinen Nischen der Fassade von Innen geben sollen verstehe ich nicht - dafür sind sie aber teuer erkauft.
Die städtebauliche Situation ist schwierig, wer Porto mehr als 2-3 Jahre kennt erinnert sich an die Zeiten als hier nicht ohne Grund Junkies in Ruhe eine Spritze setzen konnten - der Übergang zur Kathedrale wird aber auch durch dieses Gebäude nicht initiiert. (Bild 25 ist da verräterisch)
Sind halt einmal alle in Portugal hippen Design Elemente reingeworfen, inklusive der Kastenfensterläden und slicker Küche und Beton. In Deutschland wäre das eine 2-dimensionalere Schüttelfassade von Motel One und wir würden den Kopf schütteln - aber die würde wenigstens weniger Fläche schlucken.
The Good Burger muss aber auch wirklich gut sein - Anreiz dahin zu gehen gäbe mir dieses flache Loch sicher nicht - EG Zone hat man schon mal besser aktiviert.
Schade.
bild eins zeigt die ganze tragik des quantensprungs der moderne.
die schönheit der wand
wie der mensch sie einst erfand
doch im fortschritt verschwand
das arbeiten im maßstand der hand
"Im Übrigen ist die von Ihnen kritisierte Kunstfassade sehr postmodern. Diese Zeit ist vorbei. "
erklären sie mal was das für eine bewertung ist? wäre schön wenn die zeit nicht vorbei wäre? was isses dann jetzt?