Schattenspiele
Anbau von Libeskind in Osnabrück eröffnet
Nach einem Jahr Pause wurde das Felix-Nussbaum-Haus in Osnabrück am Samstag, 5. Mai 2011, wieder eröffnet. Grund der Schließung war die Fertigstellung eines dringend benötigten Anbaus. Das bestehende Museum – dem Werk des deutsch-jüdischen Osnabrücker Malers Felix Nussbaum gewidmet – stammt ebenso wie der nun fertig gestellte Erweiterungsbau aus der Feder von Daniel Libeskind.
Das Osnabrücker Museum kann insofern als „Architekturgeschichte“ betrachtet werden, als es seinerzeit das allererste realisierte Gebäude von Daniel Libeskind überhaupt war (siehe BauNetz-Meldung vom 15. Juli 1998). Es wurde allerdings auch Opfer seines eigenen Erfolgs: Aus einer Zeit stammend, in der es noch nicht zum Pflichtprogramm der Museen gehörte, auch Veranstaltungsräume, ein Café und einen Shop anzubieten, platzte das Gebäude bald aus allen Nähten – am deutlichsten wurde das bei der großen Nussbaum-Retrospeketive 2004/05.
Libeskind hatte damals einen dreiteiligen Gebäudekomplex entworfen, der die drei Phasen im Leben Nussbaums symbolisieren sollte: frühe Anerkennung, Exil, Deportation nach Auschwitz. Das Felix-Nussbaum-Haus sollte ein „Museum ohne Ausgang“ sein, als Symbol für des Malers Lebensweg. Aber auch den hinter den bestehenden Gebäuden verborgenen Eingang zu finden, fiel manchem Besucher nicht leicht, wie Oliver Heilwagen es in seinem amüsanten Artikel beschreibt.
So sollte durch den Neubau vor allem die Eingangssituation überarbeitet werden. Dieser bildet nun eine Klammer als Zugang zu beiden Museen, zum Nussbaum-Haus ebenso wie zum Kulturgeschichtlichen Museum (KGM). Im Obergeschoss befindet sich eine Bibliothek, im Erdgeschoss die Cafeteria, und über eine vorhandene Brücke führt nun ein langer, gläserner Gang in den „alten“ Libeskind-Bau. Besucher betreten das Gebäude durch einen silbrig-schiefen, vor das schmale Gebäude gesetzten Eingang.
Farbe und Materialien des Neubaus – eine dunkelgraue Putzfassade mit dicken, anthrazitfarbenen Fensterrahmen, die aus der Fassade hervortreten – bilden einen Kontrast zu den bestehenden Gebäuden. Genauso vereint der kontrastreiche Anbau aber auch das heterogene Gebäude-Ensemble – insbesondere, weil der Blick des Besuchers nun vom gläsernen Verbindungsgang aus in den Hof und gleichzeitig in die Innenstadt hinaus schweifen kann.
Die Erweiterung soll, so die Architekten, „wie ein Prisma wirken, in dem Stücke der umliegenden Gebäude reflektiert. Anders als die Fenster des bestehenden Nussbaum-Gebäudes, die wie aus dem Volumen ausgeschnitten erscheinen, treten die Fenster des Neubaus als eigenständige Elemente aus der Fassade heraus.“ Die Lage dieser Fenster sollen sogar an einem großen Mock-Up festgelegt worden sein, bei dem die Geometrien mit einer Lichtquelle aus den Fenstern des Nussbaum-Hauses hinaus auf das Volumen des Anbaus projiziert worden waren.
Im Doppel-Museum wird noch bis zum 28. August 2011 die Ausstellung „Anmut und Würde“ gezeigt. Hier werden Nussbaum-Werke mit Arbeiten von Albrecht Dürer in Bezug gesetzt.
Der Ruf nach allgemeiner (!) Sachlichkeit und Höflichkeit in einer Architekturdebatte ist wahrlich keine Gutmenschelei, im Falle des Herrn Libeskind kein "Philosemitismus", kein positiver Rassismus. (Sie mühen sich ab, das hier zu einer Frage von "Ethnie", Rasse, Gesundheitszustand und dergleichen machen - ich bestreite dies!) Respekt für Kollegen ist vielmehr unabdingbare Voraussetzung dafür, überhaupt ernst genommen zu werden. (Aber das scheint ja garnicht das Anliegen gewesen zu sein. Hier ging es wohl mehr darum, zu beleidigen und zu verunglimpfen - aus welchen Motiven auch immer.) Und von "Erbschuld" war auch nie die Rede. Hier lautstark das Recht vertreten zu wollen, gegen einen Kollegen (mir ist übrigens sch...ßegal, woran Herr Libeskind glaubt) mit zumindest historisch unbestreitbar anrüchigen und geschmacklosen Vergleichen pöbeln zu dürfen, ist pubertär, albern und gehässig. (Und selbst wenn über das Werk des - sagen wir mal - Herrn Alber Speer Junior in gleicher Weise gesprochen worden wäre, hätte ich ebenso daran erinnert, dass "Täterschaft" und "Sicherheitsverwahrung" gänzlich unangemessene Begriffe sind.)Und das ganze dann auch noch pathetisch als Verweigerung der political correctness und "notwendige aktuelle Kritik" zu verkaufen, lässt mich nur den Kopf schütteln. (Am Ende ist der "böse Jude" Libeskind in Ihren Augen noch schuld an den deutschen Komplexen....Reden Sie besser nicht von der Psychoanalyse...davon scheinen Sie nichts zu verstehen.) Wenn "Geisteskrankheit" und "Schwachsinn" für Sie schon eine differenzierte und "notwendige" Kritik sind, na dann Gute Nacht! Sprache konstituiert Denken. Wenn Sie oder der "Kollege" akki es vorziehen, die schöne und elegante deutsche Sprache wie einen Holzhammer zu führen, dann ziehe ich meine Schlüsse daraus. Sie können sich ja gerne den komplexen Bedeutungs- und Gefühlsebenen Ihrer Muttersprache verweigern. Dass andere es Ihnen da nicht gleichtun, damit werden Sie leben müssen. In diesem Sinne wünsche Ich Ihnen dann auch, dass Sie niemals eine - und sei es nur rhetorische - "Sonderbehandlung" erdulden müssen und dass die Ihnen entgegengebrachte "Normalität" eine ist, die Ihnen Ihre Würde und den anderen ihren Anstand lässt.
Daher kommt überhaupt der Ansporn, in Situationen, die das gar nicht nötig haben, als Wächter und Wahrer der Menschenrechte aufzutreten, obwohl diese hier niemals Thema waren. Ich bin Teil dieser Ethnie und ärgere mich immer wieder, wie Gutmenscherei falsche Partei ergreift und noch jede notwendige aktuelle Kritik mit der übermächtigen Erbeschuld erstickt.
Wer in solch einer Debatte von (krimineller) "Täterschaft", "Geisteskrankheit" und "Sicherungsverwahrung" schwafelt, der verlässt leider den Boden der Sachlichkeit und Seriosität. Ich bin übrigens generell nicht für eine "Sonderbehandlung". (Ist Ihnen eigentlich klar, dass Sie hier schon wieder so einen schrecklich kontaminierten Begriff gewählt haben? Absicht oder Unkenntnis? Wikipedia widmet diesem Wort sogar einen längeren Beitrag. Vielleicht sollten Sie wirklich einmal Klemperer lesen. Ich bin wirklich verblüfft, wie mangelhaft doch das Bewusstsein für die Konnotationen und die Geschichte bestimmter Begriffe bei deutschen Muttersprachlern zu sein scheint.) Wenn Sie ernsthaft finden, Rassismus höre dann auf und Normalität kehre dann ein, wenn man in einer Debatte über Architektur alle Betroffenen gleichermaßen in unflätiger und unsachlicher Weise beschimpfen darf, wenn man niemandem mehr höflichen Respekt erweist, dann haben wir zwei ein völlig unterschiedliches Verständnis davon, wie ein sinnvoller Kommentar zur Architektur aussehen kann und soll. P.S. Niemand vor Ihnen hat von Rassismus geredet. Ich bin erstaunt, dass Sie das Thema überhaupt darauf gebracht haben. Mir und auch einigen anderen ging es hier offensichtlich lediglich um Fairness, Anstand und Wissenschaftlichkeit in der Auseinandersetzung über Architektur.
kann sein, sie sind für eine sonderbehandlung, für feingefühl, wenn es um menschen mit einer ganz bestimmten zugehörigkeit geht, aber damit machen sie diese zugehörigkeit erst zum herausragenden thema. und glauben sie mir, sondernbehandlung ist schon der rassismus, egal ob positiv oder negativ, denn wenn er auch hier positiv gemeint ist, stellt er diese zugehörigkeit auf das podest, das dann leichter auch zum pranger werden kann. niemand will beurteilt werden mit rücksicht seiner herkunft oder geschichte, besonders nicht, wenn architekten mit anderer geschichte diese rücksicht nicht erfahren. erst wenn diese normalität im umgang erreicht ist, kann man von einer rassismusfreien gesellschaft sprechen.