Turmbau am Alex
Alle Bilder vom Berliner Wettbewerb
„Der Alexanderplatz ist nicht das ‚alte Berlin‘, er ist kein Ort für Sentimentalitäten, sondern ein Ort der Moderne. Er wird nie ein schönes, harmonisches, homogenes Ensemble oder eine Stadtkrone sein. Sondern immer ein lebendiger, vielschichtiger Platz voller Brüche, der ständigem Wandel unterliegt.“ So haben es die im Wettbewerb drittplatzierten Architekten Barkow Leibinger formuliert. Kein ganz falscher Ort also für ein solitäres, 150 Meter hohes Wohnhochhaus. Auf einen neuen Masterplan zu warten – wie gelegentlich zu hören ist – braucht man dafür nicht.
Aber hätte es für dieses Ergebnis überhaupt eines Wettbewerbs bedurft? Ein amerikanischer Investor hat mit Gehry Partners (Santa Monica) einen amerikanischen Star-Architekten bekommen, einer, dessen New Yorker Wohnhochhaus sich bestens verkauft. Das soll sich für Berlin wiederholen. Mit Kleihues+Kleihues und Barkow Leibinger kamen immerhin zwei Berliner Büros auf die Plätze zwei und drei.
Der Investor hatte sich zunächst sehr zurückgehalten, sein Pressematerial am Montag war dürftig, die Ausstellung lieblos, und die Journalisten haben auch nicht weiter nachgefragt: Überall waren die selben drei Renderings zu sehen.
Der Wettbewerb war ein reguläres Verfahren nach den Richtlinien für Planungswettbewerbe (RPW 2008), dessen Ergebnisse publiziert werden müssen. So hat der Investor inzwischen auch den teilnehmenden Büros gestattet, ihre Arbeiten zu veröffentlichen – in unserer Bildstrecke zeigen wir neben den Entwürfen der drei Preisträger die Arbeiten von Ingenhoven Architects (Düsseldorf), Adjaye Associates (London), be baumschlager eberle, David Chipperfield Architects (Berlin) und Prof. Kollhoff Generalplanungs-GmbH (Berlin). Bisher noch kein Material geschickt hat Architectonica (Paris/Miami).
Sondern Nord Koreanische Architekturästhetik, alle anderen Entwürfe waren städtebaulich verträglicher und hatten die notwendige "Schlangheit" und soweit erkennbar sinnvollere Grundrisse.
150 m Höhe bei diesem Volumen lässt die Aufenthaltsqualität am Platz dramatisch sinken und das städtebauliche Umfeld der Ostmoderne wie Miniaturen aussehen. Bitte geht mal am Waldorf Astoria als Passant vorbei, das sind "nur" 118 m Höhe und null Aufenthaltsqualität, weshalb noch nicht mal Cafés ihre Stühle rausstellen, weil es so windet. Nix für "good old Europe" mit seinen wenigen Sonnentagen...
Zu aller erst jedoch mein allgemein städtebauliches Bedenken in Augenhöhe des künftigen Betrachters: Ein direkter Anbau an das recht gelungene Saturn Haus KANN nicht im Sinne der Stadt sein! Wie schlecht ist hier die Konkurrenz Oh-weh! Chipperfield? Was ist denn da los? Warum die Verlenkung im oberen Teil? Wäre eventuell ansonsten gar nicht so schlecht gewesen) BE: Mannomann! Ingenhoven: H&De Meuron für Anfänger? Kohlhoff: Augenblick, wir schreiben doch das Jahr 2014? usw. usf. Stand da in der Auschreibung, man solle gezielt weitere Unruhe am Platze schaffen? Im Prinzip: je ruhiger die Fassade, je gelungener die Proportion (die wohl eindeutig nicht möglich erschien), umso besser der Städtebau .... . Dann wäre wahrlich der Kleihues das kleinste übel, jedoch: Welch grimmig anmutende Fassade! naja. In der Summe: Mehrere Hochhäuser an diesem Ort sind mit Sicherheit ok, aber bitte bitte liebe Stadt: lass euch nicht als Hure verkaufen (wie seinerzeit am Potsdamer Platz): P R O P O R T I O N ist gefragt! oder wie nun?