Drachenfels reloaded
Abriss und Neubau am Rhein
Der Drachenfels, ein 321 Meter hoher Berg am Rhein zwischen Königswinter und Bad Honnef gelegen, ist ein Ort mit urdeutscher mythologischer Bedeutung. Hier hat Siegfried nach der Nibelungensage den Drachen Fafnir getötet und konnte so durch ein Bad in dessen Blut seine Unverwundbarkeit erlangen. Die Historie des Ortes hielt jedoch in den 1970ern die Stadtväter des nahegelegenen Königswinter nicht davon ab, auf dem Berg unterhalb der Ruine des dreistöckigen Bergfrieds der Burganlage ein dem Brutalismus verpflichtetes Ausflugsrestaurant zu errichten.
Vor wenigen Tagen wurde nun damit begonnen, die Anlage, die 1965 aus einem Wettbewerb als Sieger-Entwurf des Kölner Architekten Ernst Sapia hervorgegangen war, abzureißen. Das Restaurant, dass im Jahr 1976 fertiggestellt wurde, ist nach Aussage der Pächter aus betriebswirtschaftlicher Sicht kaum zu betreiben. Bei 70.000 Litern Heizöl liegt der Verbrauch des Restaurants im Jahr, mit dem Effekt, dass es im Inneren bei Minustemperaturen wegen der vielen Kältebrücken und der Windanfälligkeit nie wärmer als 16 Grad wird.
Nach dem Ende der Abrissarbeiten im März wird dann mit dem Restaurantneubau begonnen werden, dessen Entwurf 2008 aus einem Wettbewerb als dritter Sieger hervorgegangen war und aus der Feder des Büros Pool 2 Architekten (Kassel) stammt. Die zwei gleichrangigen Siegerentwürfe konnten nicht realisiert werden, da sie nicht die Wettbewerbsvorgaben erfüllten, zu teuer waren und den benachbarten Hotelbau aus den 30er Jahren gleich mit zum Abriss freigaben.
Der Neubau von Pool 2 verknüpft in Zukunft den Bestandsbau des Hotels durch einen neuen Verbindungsbau mit dem gleichfalls neuen Glaskubus des Restaurants. Das Hotel selbst, in dem seit Jahrzehnten kein Gast gewohnt hat, wird saniert, im ersten Obergeschoss werden Tagungsräume geschaffen. Auf dem Dach des neuen und mit einer Nutzfläche von 300 Quadratmetern zu seinem Vorgängerbau deutlich verkleinerten Restaurant wird eine Aussichtsterrasse entstehen mit einem direkten Zugang zur Ruine der Burg Drachenfels. Mit dem Neubau sollen die Betriebs- und Energiekosten um 70 Prozent gesenkt werden.
Was die Kollegen von tagesschau.de über das „Ungeheuer“ aus Waschbeton, bronzierte Metall-Fensterrahmen, Fertigbetonteilen und Flachdächern denken, lässt sich gut in diesem Filmbeitrag verfolgen.
Unser ambitionierter Entwurf sah keinen Abriss, sondern eine Integration des 30iger-Jahre-Baus vor, indem sich der Neubau nahtlos aus dem Altbau ableitet. Ausserdem wurden wir zu einer Überarbeitung des Entwurfs aufgefordert, bei der wir nachweisen konnten, dass wir den Kostenrahmen einhalten. Nach kontroverser Diskussion konnte auch nach Überarbeitung der beiden Siegerentwürfe in der Jury keine Entscheidung erzielt werden. Dann hat man den dritten Preis genommen.
Die Frage ist doch vielmehr: wie kann sich eine Jury zu einem solchen Beitrag durchringen? Im Zweifel für den Erhalt des Alten und Neuausschreibung!
Im Vergleich dazu ist der Neubau äußerst mau / langweilig.