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Abriss für Ungers-Bauten in Berlin
Was als Vorzeigeprojekt für innerstädtisches Wohnen – nahezu mit Eigenheimqulitäten – begann, endet nun mit dem Abriss: Die im Rahmen der Internationalen Bauausstellung IBA 1987 nach Entwürfen von Oswald Mathias Ungers errichteten Wohnbauten am Berliner Lützowplatz werden abgerissen. Dies teilte die Dibag Industriebau AG aus München am 3. Juni 2008 mit.
Die Dibag hatte Informationen des Berliner Tagesspiegel zufolge die Bauten Ende der neunziger Jahre im Rahmen einer Zwangsversteigerung erworben, bereits im Jahr 2001 hatte sie den Abriss verkündet, der in Kürze umgesetzt und bis September 2008 abgeschlossen sein soll. Beim Bau, so die Eigentümer, sei gepfuscht worden. Ungers selbst hatte die Verwendung von anderen als von ihm vorgesehenen Baumaterialien bei dem Projekt beklagt. Eine Stellungnahme der Dibag selbst war nicht bis Redaktionsschluss zu erhalten.
Anstelle der Wohnhäuser, die sich durch Maisonettewohnungen, unterschiedliche Ruhe- und Spielbereiche sowie privat bis gemeinschaftlich genutzte Außenräume auszeichneten, soll ein Geschäftshaus entstehen. Die Proteste der Mieter gegen die Pläne und der Ruf nach Unterstützung des Regierenden Bürgermeisters waren nicht gehört worden.
Keine hundert Meter weiter südlich entsteht auf dem Grundstück eines ehemaligen Bürohauses An der Urania ein neues Hotel der Low-Budget-Gruppe Motel One. Entwurfsarchitekten sind Nalbach + Nalbach (Berlin). Es ist bereits das fünfte Hotel dieserKategorie in Berlin (BauNetz-Meldung zum Motel One von Benedict Tonon an der Kantstraße).
In dem parallel zum Straßenverlauf konzipierten neungeschossigen Baukörper (plus Sockel- und Staffelgeschoss) sollen 400 Zimmer eingerichtet werden. Das rund 75 Meter lange Gebäude wird eine oberirdische Bruttogeschossfläche von 11.500 Quadratmtern aufweisen und soll bis Ende 2009 fertig gestellt sein.
Und überhaupt: Meldungen in der Art des Baunetzes tut Objektivität ausgesprochen gut. Unsere Meinung können wir uns anschliessend selbst bilden. Ihr macht doch sonst einen guten Job und habt derlei Profilierungsgehabe gar nicht nötig. Abgemacht?
Ein Schandfleck weniger in Berlin. Warum man anschliessend wieder einen hinstellen will, ist mir allerdings rätselhaft. Und der wird dann aber bitte zehn Jahre früher abgerissen. Frage an die schnieken Jungs von diba duba du oder so ähnlich: lohnt sich das wirklich ?
Auch dass keine Grundrisse zu Ungers Gebäude gezeigt werden, um die Konzeption des Ensembles mit dem von der Strasse abgewandten grünen Hof nach zu vollziehen. Ich habe das Gebäude schon vor Ort "studiert", aber gern hätte ich zum Verständnis noch Grundrisse dazu gesehn. Kann man dies vielleicht seitens der Redaktion noch nachholen, sozusagen zur Beerdigung des Gebäudes? Traurig! Vielleicht entsteht ja noch kurz vor Abriss ein großer Protest aller Architekten, die dies wissen und es kann verhindert werden!