Hüpfspiel und Jurakalk
Pädagogik-Institut in Frankfurt am Main von K9 Architekten
Das Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation DIPF steht in der Tradition der Reformpädagogik und hat seine Ursprünge in der Nachkriegszeit. Im letzten Jahr wurde in Frankfurt am Main der neue Sitz der Einrichtung eröffnet, die zur Leibniz-Gemeinschaft gehört. Zumindest auf architektonischer Ebene ist jedoch nicht allzu viel reformerischer Geist spürbar. Dafür verfügt das Institut nun über einen effizienten Neubau, der am Rand des heterogenen Westend-Campus der Goethe-Universität eine gewisse gravitätische Ruhe ausstrahlt.
Entworfen und umgesetzt haben das Projekt K9 Architekten aus Freiburg im Breisgau, die sich 2012 im Wettbewerb durchsetzen konnten. An der Umsetzung beteiligt waren außerdem Ernst² Architekten, die unter anderem ein Büro in Stuttgart unterhalten. Der Sockel des Neubaus umfasst alle Sonderfunktionen wie Konferenzbereich, Testräume, Bibliothek und Kita. Ein gebäudehohes Foyer und ein Lichthof für die Bibliothek strukturieren das Volumen. Dessen Haupteingang ist in Richtung Campus orientiert. Die zusätzlich benötigte Bürofläche befindet sich im Turm, der sieben Geschosse über den Sockel hinausragt.
Nach außen zeigt sich der Institutsbau, der neben weiteren Räumlichkeiten in Berlin als Hauptstandort fungiert, recht streng mit einer Hülle aus Jurakalkstein. Die quadratischen Fensterformate der Sockelzone und die schmalen Fenster in den oberen Geschossen werden konsequent durchgehalten. Das Innere präsentiert sich hell und offen, auch Sichtverbindungen in die Gebäudetiefe werden geboten. Eine Spindeltreppe führt Besucher – unter anderem Eltern und Kinder, die in den Testräumen die empirische Forschung des Instituts unterstützen – in die oberen Geschosse.
Geradezu extravagant wirkt schließlich das Foyer mit Flügel, in dem auch Veranstaltungen stattfinden können. Der Boden zeigt hier sogar ein spielerisches Element: Als Kunst am Bau haben dort Wolfgang Winter und Berthold Hörbelt kreuz und quer Himmel und Hölle-Hüpffelder eingelassen. (sb)
Fotos: Oliver Rieger
Soll das Inetriör jetzt bunt und abgerundet sein? So ein Denken ist im Übrigen extreme Klischeebedienung! Wo kommen wir denn hin, wenn das Interiör Aspekte der Flexibilität, Wirtschaftlichkeit und damit auch Nachhaltigkeit ignoriert? Die Aufgabe wurde von den Architekten sehr wohl verstanden: Das Haus ist keine riesige KITA!
Der Ruf nach Abwechslung und Unterbrechung gilt für Architekten ohne Mut zur Stringenz und aus Angst vor den wahren Dimensionen der Gebäude, welche sie bauen müssen. Bei diesem Projekt muss auch der Vereis auf den Kontext gemahnt werden, der im Artikel so nonchalant übergangen wird. Das IG Farben Haus als architektonischer Hauptkörper bildet einen fixen Ankerpunkt und mit der Orientierung der meisten Gebäude hin zu einer Natursteinfassade und strenger Fensterordnungen entsteht keinensalls ein heterogenes Ensemble wie im Artikel suggeriert wird. Mit der Bitte um mehr Tiefgang in den Kommentaren und weniger "Bashing" der Kollegen.