Erweiterung um 45 Grad
Kita in Berlin von Therese Strohe Michael Ullrich Architekten mit D+S Architekten
Nordöstlich des S-Bahnhofs Greifswalder Straße, mitten in einer der großmaßstäblichen Ost-Berliner Wohnsiedlungen aus den 1960er/70er-Jahren, liegt die Kita Bewegungsreich. Der dreigeschossige Bau vom Typ WBS 70, eingefasst von weiten Freiflächen und altem Baumbestand entstand einst parallel zu den Wohnscheiben, die hier bis zu 20 Geschosse hoch sind.
Kürzlich wurde die Einrichtung umfassend saniert und durch einen Anbau erweitert, indem die serielle Architektur des Bestandes aufgegriffen wurde, ohne diese zu imitieren. Verantwortlich zeichnen Therese Strohe Michael Ullrich Architekten mit D+S Architekten (beide Berlin). Die Außenanlagen konzipierten Schönherr Landschaftsarchitekten (Berlin).
Der Eingriff umfasste einen Neubau, die Sanierung und Neuorganisation des Bestands sowie eine neue Freiraumgestaltung. Der Anbau bringt etwa 1.000 Quadratmeter zusätzliche Nutzungsfläche. Durch die Maßnahmen wuchs die Kapazität der Kita um 90 Plätze auf nun rund 250 Plätze. Bauherrin ist die gemeinnützige Pfefferwerk Stadtkultur, die im Stadtgebiet zahlreiche soziale und pädagogische Angebote betreibt.
Der Erweiterungsbau mit quadratischer Grundfläche steht im 45 Grad-Winkel an der hofseitigen Längsseite des Bestands. Gestalterisch reagiert der Neubau deutlich auf den Bestand. Die orthogonale Tektonik der Großtafeln mit ihren Waschbetonoberflächen wird in Form von horizontalen und vertikalen Betonfertigteilen, Brüstungen und einer Attika aus Waschbeton weitergeführt. Prägend ist ein umlaufender Laubengang, der Fluchtwege, Austritte und Sonnenschutz übernimmt. An der eigentlichen Fassade kam grüne Lärchenholzschalung zum Einsatz.
Wegen der Laubengänge kann der Neubau innen weitgehend auf klassische Flure verzichten. Stattdessen folgen die Räume einer „Raum zu Raum“-Anordnung. Ein zentraler Verteilerraum ordnet die Nutzung. Im obersten Geschoss öffnet sich ein zusammenschaltbarer Bewegungsraum unter einer Konstruktion aus Holzbindern. Ansonsten ist der Bau als Stahlbetonskelett mit Holzrahmen-Außenwänden ausgeführt.
Die Erweiterung kostete rund 3,3 Millionen Euro. Zusammen mit der Sanierung des Bestands und den Außenanlagen belaufen sich die Gesamtkosten auf etwa 10,5 Millionen Euro. Ein Großteil der Mittel stammt aus dem „Programm Nachhaltige Erneuerung“. Die Kita fungiert nämlich als Modellprojekt des bundesweiten Forschungsvorhabens networks4, das ein Zusammendenken von Wasserversorgung und -entsorgung, Grünflächen und Gebäuden erprobt.
Entsprechend spielt das Regenwasserkonzept der Kita eine zentrale Rolle. Das Wasser wird in Zisternen gesammelt und teilweise für die Toilettenspülung sowie die Bewässerung der Außenanlagen genutzt. Begrünte Dächer erhöhen die Verdunstung und tragen zur Kühlung bei. Im Garten führt ein Rundparcours durch den Wasserkreislauf. Ein Wasserlauf, Schilfzonen und ein Verdunstungsbecken machen das Konzept auch pädagogisch nachvollziehbar. (gk)
Fotos: Till Schuster
- Architektur:
- Therese Strohe Michael Ullrich Architekten mit D+S Architekten
- Bauherrschaft:
- Pfefferwerk Stadtkultur gGmbH
- Mitarbeit:
- Julia Goldbach, Jana Schmidt, Reinhard Sappok, Susann Kubatta
- Nutzfläche:
- 1.030 qm
- Kosten Erweiterungbau:
- 3,3 Mio. Euro
- Kosten Gesamtprojekt inkl. Bestand:
- 10,5 Mio Euro
- Fläche:
- 1.030 m² NUF
- Baukosten:
- 3.300.000 € Kosten Erweiterung, ohne Bestand