Bürgerliche Innenwelten
Wohnhaus-Umbau in Frankfurt
Frankfurt ist inzwischen fast ein wenig berühmt für seine Minihäuser. Mit seinem Programm erinnert das von den ortsansässigen Architekten Braun und Güth „Pünktchen“ getaufte, nun umgebaute und erweiterte Haus allerdings eher an Goethes Zeiten als an zeitgenössische Vorbilder aus Japan. Einen Salon gibt es und eine Art Speisezimmer samt Wintergarten, ein repräsentatives Treppenhaus und Bäder, die an Mailänder Hotels der 30er Jahre erinnern. Doch trotz allen Luxus', all das dürfte hier nicht nur urbaner, sondern auch platzsparender realisiert worden sein als in den zahllosen Villen im stark zersiedelten Frankfurter Umland.
Entgegen des ersten Eindrucks von eher klassischer Bürgerlichkeit ist denn auch die Raumfolge hinter der ausdruckstarken Fassade mit ihren Stein-und Holzelementen, geplant zusammen mit Studio Dynamo, vollkommen zeitgenössisch. Anstatt das Haus nach oben hin privater werden zu lassen, befinden sich die gemeinschaftlich genutzten, zumindest teilweise öffentlichen Programme sowohl im Erdgeschoss als auch unterm Dach, während das Schlafzimmer der Eltern sowie die Kinderzimmer dazwischen angeordnet sind. Besonders im Erdgeschoss wird, wie von den Bauherren gewünscht, auch das alte Haus spürbar. Die offene Küche und der Essbereich befinden sich in alten Gewölben, die wahrscheinlich früher der Lagerung dienten; auch die alte Treppe konnte erhalten werden. Explizit moderne Elemente, räumlich wie strukturell, sind dagegen der Wintergarten und das Wohnzimmer im Dachgeschoss, die sich großflächig öffnen lassen und so auch mitten in der Stadt ein wenig Natur erfahrbar machen.
Neben dem Raumprogramm ist es aber noch etwas anderes, das an großbürgerliche Traditionen erinnert. Fast einer Gesamtkunstwerk-Idee entsprechend, sind die Räume mit äußerster Akribie und Liebe zum Detail gestaltet und ausgebaut. Es gibt tief leuchtende Farben, textile Wand-Bespannungen und eine Vielfalt an aufwendigen Tapeten. Außerdem finden sich eine Reihe von Holzeinbauten, die dem Haus nicht nur Wärme geben, sondern auch zahlreiche Funktionen in den Wänden verschwinden lassen. Davon vielleicht am aufregendsten, zumindest aus Kindersicht, die Schlafalkoven mit kreisrunden Öffnungen.
Fotos: P. Unsinn
Mehr über Minihäuser in Frankfurt in der Baunetzwoche#166
Die Fassade finde ich absolut schön, hier stimmt endlich mal das vielbemühte "eigenständig aber dennoch den Bestand nicht misachtend". Die Mischung der Räume (Gewölbe-Glaskasten) bringt schöne Kontraste, bleibt aber trotzdem harmonisch. Warum sollte es übrigens nicht erlaubt sein, schmale Räume mit einem guten Weitwinkelobjektiv mit Shift-Funktion zu fotografieren ? O.K., ob die modische "Tilt"-Optik des 5. Fotos sein muss, darüber kann man sicher streiten. Meine Meinung dazu ist, Spaß beim "Abbilden" unserer Arbeit muss auch sein, solange es nicht für hehre kunsthistorische Kataloge ist...
Oftmals sind doch die älteren Generationen unfähig ein Büro strukturiert, d.h. zielführend zu leiten... statt dessen werden dutzende Varianten auf die Praktikanten abgewälzt, die dann wie am Fließband abgearbeitet werden dürfen. Man kann es sich ja auch bei den gezahlten Löhnen leisten... Viele von unserer Generation überlegen sich daraufhin statt dessen etwas Neues zu beginnen oder zu Bauträgern abzuwandern. Die Architektur mag darunter leiden, aber es kann nicht sein das 12h Tage als selbstverständlich angesehen werden bei einem Hungerlohn...
ein leben wie im zirkelkasten,
Unsere Kammern....oh je...selbstbeweihräuchernde Sommer-Gartenfest-Institutionen... Zum Objekt: Gut fotografiert ist was anderes, zuviel Fischauge, Verzerrungen und Miniatureffekte...Effekte halt. Lenkt aber dann doch nicht von der wirklich gelungenen Arbeit ab. Sehr schön!