Allem und allen zugewandt
Stadthalle Lohr am Main von Bez + Kock Architekten
Es ist ein großer Tag für die neue Stadthalle von Lohr am Main: An diesem Freitag tagt hier der Bezirksparteitag der CSU, Ministerpräsident Horst Seehofer kommt. Das Haus an der Ortseinfahrt von Lohr entstand nach Plänen von Bez + Kock (Stuttgart) und wurde im Dezember 2016 eröffnet. Seine Vorgeschichte ist recht bewegt und nicht untypisch für ambitionierte Kleinstädte, wie das unterfränkische Lohr am Main mit seinen rund 16.000 Einwohnern eine ist.
Auf dem Grundstück nordöstlich der Altstadt stand früher die alte Stadthalle, 2005 wurde sie abgerissen. Im gleichen Jahr wurde der Wettbewerb für eine neue Stadthalle samt Erlebnisbad entschieden. Doch als die darauffolgende Planung immer teurer wurde, stoppte ein Bürgerbegehren 2009 das Unterfangen. Den neuen Anlauf, ein VOF-Verfahren für den Bau von Stadthalle und Tiefgarage, entschieden Bez + Kock Architekten für sich. Sie planten einen siebeneckigen Solitär, der zwischen der Innenstadt im Nordwesten und den Freizeitangeboten im Südosten einen Ruhepol bilden, sich über den Vorplatz Richtung Altstadtkern orientieren und dennoch niemandem den Rücken kehren soll.
Was auf den ersten Blick nicht sichtbar ist: Der weitgehend geschlossene Baukörper beherbergt ein lichtdurchflutetes Foyer, das sich über mehrere Stockwerke zieht. Eine umlaufende Galerie im ersten Geschoss erschließt hier die Konferenzbereiche und die Empore des Saals und eröffnet über ein großes Fenster nach Süden Ausblicke auf den Main. Zugleich bieten verstreute kleinere Fenster unterschiedliche Ausblicke, mit ihren Holzrahmen wirken sie wie Bilder in Petersburger Hängung. Heller Backstein unterstützt nicht nur die Skulpturalität des Gebäudes, sondern ist essentieller Bestandteil des Raumkonzeptes im Foyer, das, so die Architekten, mit der Ambivalenz von Innen- und Außenraum spielt und die Grenzen der Raumbereiche bewusst verwischt.
Schließlich der Saal selbst: Er bietet 800 Sitzplätze. Musik-, Theater- und Konferenzveranstaltungen sind möglich, drei Mehrzweckräume befinden sich im Obergeschoss. Viele Wände sind verschiebbar, sodass auch das Foyer, die Empore und die Freiterrasse bespielt werden können. Je flexibler, desto besser mag die Planungsmaxime gelautet haben. Denn je mehr Möglichkeiten eine Stadthalle bietet, desto bunter ist das Programm für den Ort und die Region, desto konkurrenzfähiger ist man, wenn es darum geht, Stars anzulocken oder das Haus an zahlungskräftige Unternehmen und Organisationen zu vermieten. (fm)
Fotos: Brigida Gonzalez
nur bei der farbe der saalsessel bin ich mir nicht so ganz sicher... aber das sind kleinigkeiten und ist v.a. geschmackssache.
weiter so!
Zur Architektur: Ich bin kein großer Fan von Klinker; das Foyer finde ich zwar schön aber zu groß und das Café ist auch nur schwer zu finden.
Städtebaulich liegt das Gebäude im industriegebietsartigen Niemandsland vor der Altstadt. Es reagiert darauf mit einer auf sich selbst bezogenen Form, die alle Bezüge zur nicht nennenswerten baulichen Umgebung vermeidet. Konsequenterweise sind auch die Fassaden sehr geschlossen, und zeigen nur kleine Öffnungen in abstraktem Muster. Auch hier verschließt sich das Haus. Natürlich hat es auch einen Eingang, jedoch geht selbst dieser durch die große Geste der Auskragung in der verschlossenen Gesamtform auf.