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07.07.2017

Skandal in Sofia

Sozialistisches Denkmal vom Abriss bedroht


Das Denkmal „1.300 Jahre Bulgarien“ im Zentrum Sofias, das 1981 errichtet wurde, ist akut bedroht: Am 6. Juli 2017 haben die Behörden trotz massiver Proteste von Seiten zahlreicher Künstler, Experten und Bürger mit dem Abriss des emblematischen Monuments aus der Zeit des Sozialismus begonnen – ohne vorherige öffentliche Diskussion und ohne Abrissgenehmigung. Die Initiative „save 1.300“ – ins Leben gerufen von der NGO Transformatori – versucht nun verzweifelt, das Denkmal mit allen Mitteln doch noch zu retten.


Die Skulptur, die Teil des baulichen Ensembles um den Nationalen Kulturpalast ist, wurde von Valentin Startchev entworfen. Die seinerzeit ästhetisch gewagte Komposition – eine eigenwillige Mischung aus Brutalismus und frühem Dekonstruktivismus – war von Anfang an umstritten und erfreute sich keiner großen Beliebtheit. Heute gilt sie offiziell als „häßlich“ und mit genau diesem Argument will die Regierung nun auch ihren Abriss begründen. Was hier jedoch eigentlich stört, ist die Herkunft des Denkmals und somit der sichtbare Verweis auf die sozialistische Ära des Landes. Zahlreiche Bauten und Monumente im ehemaligen Ostblock wurden bereits aus genau diesem Grund eliminiert: um Geschichte auszublenden.

Trotz ihrer einstigen Unbeliebtheit hat die Skulptur viele Unterstützer gefunden, die sie unbedingt erhalten wollen. Denn sie ist nicht nur ein historisches Dokument, sondern auch ein einzigartiges Kunstwerk, dessen abstrakte Kulisse längst zum Stadtbild gehört. Und auch architektonisch ist die Komposition aus acht Betonkörpern in verschiedenen Winkeln, die zwei Halbsäle bilden, interessant. Die drei Säulen – die höchste misst 35 Meter – symbolisieren Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der bulgarischen Nation, ihr Schattenwurf schafft Räume mit dramatischen Kontrasten. Jahrelange Vernachlässigung haben bereits unübersehbare Spuren des Zerfalls hinterlassen. Auch das kann man als Kommentar zum Umgang mit Geschichte im Postsozialismus verstehen.

Es bleibt sehr zu hoffen, dass es den Aktivisten gelingen wird, „1.300 Jahre Bulgarien“ zu retten und perspektivisch eine Renovierung zu ermöglichen. Unterstützt werden kann „save 1.300“ über eine Online-Kampagne. (da)

Fotos: Archiv Valentin Startchev, Transformatori, Stanislav Belovski


Zum Thema:

Weitere Informationen: save1300.com


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