Elphi entern!
Richtfest der Hamburger Elbphilharmonie
Im unmittelbaren Sinne des Wortes soll sie ein Leuchtturmprojekt für Hamburg sein: die an der Spitze der Hafen-City aufgetürmte Elbphilharmonie von Herzog & de Meuron (siehe auch BauNetz-Meldung vom 1. März 2007 zur politischen Bau-Entscheidung). Die wachsende Weltstadt Hamburg (Selbstbild) will damit eine neue Sydney-Oper ihr Eigen nennen – oder zumindest einen zweiten Bilbao-Effekt lostreten. Heute wurde dafür das Richtfest gefeiert.
Während der baukulturelle Wert des auf den Kaispeicher A von Werner Kallmorgen aufgesetzten Hochkulturprojekts kaum in Zweifel gezogen wird, lösen die exorbitanten Kostensteigerungen Unmut in der breiten Bevölkerung aus: Von ursprünglich geplanten 77 Millionen Euro stiegen diese auf aktuell 323 Millionen. Aktivisten demonstrierten heute gegen den Bau und verteilten 350-Millionen-Euro-Scheine. Gefälschte natürlich. Ihr Schlachtruf von einer Barkasse aus: „Elphi entern!“ Andere, als dekadente Römer verkleidete Demonstranten feierten nach Berichten der Lokalpresse „Rom am Abgrund“ und forderten „eine Elphi reicht nicht für alle“.
Die Fertigstellung der Elbphilharmonie wird jetzt für Herbst 2013 erwartet. Die Hintergründe für Kostenexplosion und Bauverzögerungen soll nun ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss klären.
Allerdings kommt einem die ganze Angelegenheit doch auch irgendwie ein bisschen verlogen vor: Als im Falle des sogenannten "Berliner Schlosses" bestimmte Kreise plötzlich die Applikation von drei pseudohistorisierenden Fassaden auf einen modernen Baukörper zur Frage der deutschen nationalen Identität erhoben, war plötzlich deren undurchsichtige Finanzierung durch den angeblich gemeinnützigen Schlossverein und die absurden Baukosten von einer knappen Milliarde auf einmal ein vernachlässigbares Detail am Rande. Und wenn man bedenkt, wie derzeit in Berlin und ganz Europa das Geld für die Rettung "notleidender Banken" rausgehauen wird, kann man eigentlich nur feststellen, dass im Falle der Elbphilharmonie den Ausgaben am Ende wenigstens ein realer Wert entgegensteht, der diese Gesellschaft vermutlich über viele Jahrzehnte erfreuen wird. Für die Milliarden, die gerade in den digitalen Buchungen von Banken und Hedgefonds (und letztlich in den Villen und Yachten, dem feinen Zwirn, den Schweizer Uhren und den Champagnergelagen von ziemlich vielen kriminellen Managern) verschwinden, muss am Ende auch der Steuerbürger aufkommen. Nur hat er davon nichts...da lob ich mir doch ein schönes Gebäude, dass ich - egal wie teuer es war - wenigstens anfassen und besuchen kann. Da bleibt zumindest die Chance zur Amortisation.
man weiss gar nicht wo man anfangen soll.... auch der angekündigte untersuchungs- ausschuss wird keine klarheit bringen. und die worte des oberbaudirektors...es wird später keiner nach den kosten fragen...es wird später kein thema sein ob es ein bisschen mehr gekostet hat.... sind vor dem hintergrund der erhöhung der kinderbetreuungskosetn...der schliessung von museen ein schlag ins gesicht. baustopp bis die finanzierung und die kosten auf dem tisch liegen. bauen um jeden preis hat einen hohen preis....sei es das vogelnest in peking oder die elbphilharmonie... bravo hamburg