Rostlaube für die Informatik
Neubau auf dem Campus der BTU Cottbus
Der Name „Verfügungsgebäude 1C“ klingt etwas farblos. Der so benannte Neubau dient dem Lehrstuhl Informatik als Rechenzentrum und dem Archiv der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus, die neuerdings gegen ihren Willen mit der FH Lausitz zur BTU Cottbus-Senftenberg fusioniert ist. Der Campus der BTU ist zu DDR-Zeiten entstanden und wurde nach 1990 schrittweise renoviert und erweitert. Eine Bibliothek von Herzog/de Meuron dient als Wahrzeichen, befindet sich allerdings knapp außerhalb des Kerngeländes.
Das neue Verfügungsgebäude hingegen hat das zentrale Audimax zum Nachbarn. Es entstand auf einem früheren Parkplatz nach Plänen der Stuttgarter Architekten Bez + Kock.
Der viergeschossige, quadratische Baukörper mit einer Kantenlänge von 43 Metern nimmt die bestehenden Baufluchten auf und fügt sich in die Reihe bestehender Institutsgebäude entlang der zentralen Grünachse der Konrad-Wachsmann-Allee ein. Der kupferverkleidete Baukörper erinnert mit seiner noch nicht oxydierten Materialität an die „Rostlaube“ der Freien Universität in Berlin: Die geschlossenen Teile der Fassade sind mit horizontalen Kupferbändern verkleidet, die von Glasbändern unterbrochen werden. Die Ecken sind gerundet ausgeführt, auch die Verglasung folgt diesem Prinzip.
Im Inneren des Hauses dominiert die Farbe Weiß und spielt dabei mit unterschiedlichen Materialien. Zwei offene Treppen auf der Ost- und Westseite erschließen die Obergeschosse des Hauses. Das quadratische Gebäude ist als zweibündige Anlage um einen rechteckigen Innenhof organisiert.
Im Erdgeschoss sind die Unterrichtsräume von Rechenzentrum und Fakultät für Informatik untergebracht. Im 1. und 2. Obergeschoss sind entlang der Außenfassade die Büroräume der Fakultät für Informatik angeordnet, die PC-Labore befinden sich auf der gegenüber liegenden Seite am Innenhof. Das 3. Obergeschoss beherbergt die Räume des Universitätsrechenzentrums.
Fotos: Stephan Baumann, Bild-Raum
Ende Sommer ist das Rechenzentrum nun endlich eingezogen (nicht ganz freiwillig, vermute ich). Am Freitag mußte man alle Dienste – also auch Mail, Website und Intranet – notabschalten, weil die Kühlung immer noch nicht funktioniert.
Die Folge: die BTU ist sowohl nach außen hin verschwunden als auch intern stark eingeschränkt (keine Mail, kein Intranet für E-Learning und Verwaltungsvorgänge).
Auch heute scheint das Problem noch nicht gelöst zu sein.
Nach über einem Jahr Leerstand wegen der Mängel und den jetzigen Problemen wirkt das Verfügungsgebäude auf mich eher so, als wollte Cottbus auch einen kleinen BER haben.
Die letzten Loblieder auf die Architektur dieses und anderer "Solitäre" bringen das Dilemma schon auf den Punkt: Mit den unumgänglichen Wettbewerben zur Planung entstehen willkürlich auf die Erde gesetzte Bauten, denen ein Zusammenhang fehlt. Aus dem Sieger- Masterplan von KSP Architekten wurde bereits mit der Errichtung des IKMZ durch H&M ausgebrochen. Ein Inselgebäude, so modern, daß ab und an eine Scheibe herausfällt und teuer, da Einzelanfertigung, ersetzt werden muß. Zum Schutz der Nutzer mußte bereits der Eingang nach oben gesichert werden. Auch das Rechenzentrum ist ähnlich zu bewerten- bis heute nicht genutzt. Nach sehr glaubwürdigen Stimmen aus Planerkreisen ist die Planung für Elt einschl. Datennetze usw. völlig danebengegangen, im tatkräftigen Nebeneinander mit einem Nutzer, der - wie eigentlich fast immer- nicht weiß, was er will und immer neue Forderungen stellt.
Also, lange Rede kurzer Sinn: was nützt die absonderlichste Architektur, wenn sie nicht für den Einsatzzweck taugt.
P.S: Herrn Haag rate ich, mal bei 30 ° C und Sonne an die Fassade zu fassen- er wird Brandblasen ernten. Ich kann mir nicht vorstellen, was die Kupferfassade nutzen soll.
Mfg