Erinnerungslandschaft
Erweiterung der Gedenkstätte Berliner Mauer eröffnet
Gedenkstätten erinnern nur selten an glückliche Momente der Geschichte. Es erfordert viel Fingerspitzengefühl und ein schlüssiges Konzept, diese städtebaulichen Narben behutsam und dennoch markant zu gestalten.
Am morgigen Samstag eröffnet zum 50. Jahrestag des Mauerbaus der zweite Teilabschnitt und das Herzstück der Mauergedenkstätte an der Bernauer Straße in Berlin-Mitte, den die Freiraumplaner sinai. Faust. Schroll. Schwarz. konzipiert haben. Seit dem Wettbewerbsgewinn 2007 planen die Landschaftsarchitekten die Erweiterung der Gedenkstätte Bernauer Straße zu einer zusammenhängenden Erinnerungslandschaft zwischen Nordbahnhof und Mauerpark. Mit Projekten wie der Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße, der Neugestaltung des KZ-Dokumentationszentrums Bergen-Belsen und der Gestaltung des Grenzübergangs Bornholmer Strasse haben sie sich bereits einen Namen gemacht. Mit der Gedenklandschaft Berliner Mauer erinnern die Freiraumplaner an eine der großen Wunden Berlins. Die Ausstellunsggestaltung stammt von dem Berliner Büro ON architektur.
Der Erweiterungsabschnitt in Zahlen: Auf einer Länge von 450 Metern stehen 1.450 Stahlstangen, 132 Gedenktafeln, 76 Ereignismarken und 26 Infostelen. Es wurden 23 Vertiefungsstationen, Nachzeichnungen von fünf Fluchttunneln und drei „archäologische Fenster“ sowie ein Postenweg platziert, der die zentrale Wahrnehmungs- und Bewegungsachse des Geländes darstellt. Die vorhandenen historischen Spuren an der Bernauer Straße haben die Landschaftsarchitekten mit einem differenzierten Gewebe aus topografischen Zeichen und Einzeichnungen verknüpft und lesbar gemacht und in eine Erinnerungslandschaft mit eingezeichneten abstrakten Spuren und authentischen historischen Relikten der Berliner Mauer verwandelt.
Der Besucher soll zum Entdecker werden: „Dem Über-Blick vom Aussichtsplateau folgt das gebückte Spähen durch die Schlitze der Betonwände am Boden. Seiner Zueignung als Gedenkstätte wird das Gelände durch die Ausformulierung der Hinzufügungen gerecht: Diszipliniert, auf das Begründbare reduziert und beschränkt auf das eingeführte Material Corten stellen sie eine klar erkennbare eigene Schicht dar. Sie ist signifikant, lässt dabei aber auch den Ort für sich selbst sprechen“, erläutern die Architekten.
Das „Fenster des Gedenkens“ als Erinnerungsort für die Opfer der Mauer befindet sich am Hain mit den Götterbäumen, die zwischen den abgestellten Mauerelementen aufgewachsen ist. Name, Geburts- und Todesdatum sowie - falls vorhanden - ein Portraitfoto der Opfer sind auf dem elf Meter langen gerasterten Wandobjekt aus Cortenstahl abgebildet und in ausgefachten Fenstern hinter getönten Glasscheiben platziert. Nicht nur Touristen, sondern vor allem die Angehörigen der Maueropfer können hier gemeinsam an die denken, deren Flucht an der Mauer gescheitert ist. Die dichte Anordnung der Gedenktafeln soll die Opfer aus ihrer Anonymität befreien.
Fotos: sinai_ Faust. Schroll. Schwarz. Freiraumplanung + Projektsteuerung
Objektbericht über das Besucherzentrum Berliner Mauer von Mola Winkelmüller Architekten und Sinai.Faust.Schroll.Schwarz.
Es geht hier nicht um ein Mahnmal für ein abstraktes historisches Ereignis (Holocaust, DDR-Umbruch oder dergleichen...da können sie von mir aus gerne über Ästhetik philosophieren..)sondern um den Umgang mit einem real-existierenden ziemlich hässlichen und brutalen Objekt (nämlich einer Mauer und dem Todesstreifen...) Ich weiß übrigens nicht, warum Sie eine solche Schärfe in die Diskussion bringen, mich zugereist oder von gestern nennen? (Ich wurde übrigens im Bezirk Friedrichshain geboren.)..Gehen Ihnen die Argumente aus? Ich finde es eben bedauerlich, dass man zu einer Zeit, als die Mauer ja noch da war, die historische Chance vertan hat, sich mit dem echten authentischen Objekt auseinanderzusetzen und seine Bedeutung für ALLE Menschen, die diese Stadt besuchen wollen berücksichtigen wollte.. (Die Ossis wollten die Grenze schnell weg haben, die Wessis waren scharf auf die Grundstücke...) Was jetzt zu sehen ist, ist doch Surrogatarchitektur....ob schön oder nicht, ob passend oder nützlich...ist mir innerhalb dieser Diskussion völlig egal..(nebenbei bemerkt: es ist in Teilen schlicht nicht gut gemacht, weil - wie schon mehrfach gesagt - z.B. verkehrstechnische Probleme entlang der Bernauer Straße (Fußgänger, Radfahrer, Busse und Autofahrer) nicht gelöst - ja offenbar nicht mal angefasst - wurden...Wenn man viel weiter ausholen muss, warum tun Sie es nicht ?(statt hier Leute zu beschimpfen...) Ich habe über diese Frage schon 1991 im Rahmen eines Uni-Seminars nachgedacht...und bin offensichtlich zu anderen Schlüssen gekommen, als Sie...Und?...Über zugenagelte Fenster will und muss ich aber nicht nachdenken..Hat nämlich nix mit dem Thema zu tun. Ich finde es eben schlicht dämlich, einen echten Ort erst nahezu abzureißen, um ihn dann irgendwie ästhetisierend und verniedlichend wieder aufzubauen....(geht mir bei dem Stadtschloss auch so..) Ich habe Schwierigkeiten meinem Kind zu erklären, dass wir uns mal haben 28 Jahre hinter so ein paar Cortenstahlstäbchen einsperren lassen...Ob das Konzept passend ist ..oder die Materialwahl ..(wofür genau?) darum geht es hier wirklich nicht....
wenn man ernsthaft über die frage streiten will, inwiefern ein solches bauwerk wie die mauer zu erhalten gewesen wäre, und wenn auch nur in teilen, muss man viel weiter ausholen. machen sie sich mal über zugenagelte fenster gedanken, und ob diese zu erhalten sind, wenn dahinter unrecht passiert.
"Was ist gegen einen Gedenkort einzuwenden, der, wie dieser, mit einfachen Mitteln dazu anregt, Fragen zu stellen - und die Antworten selbst herauszufinden? Und darüber hinaus einen Ort schafft, an dem man sich gern aufhält, so dass einem immer wieder neue, ernste und heitere Ge-Schichten begegnen?"
Dagegen ist eine Menge einzuwenden!
Entschuldigung, aber die Mauer war nun mal kein Ort für "heitere Geschichten" und an einer Gedenkstätte soll man sich wahrscheinlich auch nicht "gerne aufhalten", sie soll nicht primär "nützen", sondern bestenfalls Erinnerung ermöglichen und Geschichte veranschaulichen. Das ist doch kein Vergnügungspark! (Ge-denk-stätten sind Orte der Besinnung. Es gibt sie doch in der Regel gerade deshalb, weil die Erinnerung schmerzlich ist und verarbeitet werden muss...) Das hätten die echte Mauer und der Todesstreifen nun mal am besten gekonnt - und wäre nebenbei vermutlich noch am billigsten gekommen... Nichts wäre beklemmender und mahnender ..und für die vielen Touristen am interessantesten gewesen. Beklagenswert - jenseits von "Architekturnörgelei" -ist das Versagen der Beteiligten und die Weigerung einen Ort der Geschichte wenigstens in einem kleinen Abschnitt für die Nachwelt zu sichern. (Man schaue sich nur die peinliche Ziegelmauer mitsamt Tor vor der Mauer als neuen Friedhofseingang an für die unbedingt einige Mauerabschnitte entfernt werden mussten....Respektlos wie hier mit deutscher Geschichte umgegangen wird...)..Eben gerade für die "Kinder und Jugendlichen in diesem Land, für die die Begriffe "Mauer" und "deutsche Teilung" nämlich schon heute reichlich abstrakt sind!" wäre doch die Anschauung der echten Mauer weitaus "nützlicher" gewesen...jetzt ist es maximal ein hübscher Themenpark..so ein bisschen historische Geisterbahn...wobei dann aber wieder an vielen Stellen offenbar nicht nachgedacht wurde, wie dieser Park sinnvoll in die Stadt und den Verkehr einzubinden ist...eigentlich ein Trauerspiel...Nichts Halbes, nichts Ganzes...
P.S. Die Mauer wurde nicht als Mahnmal gebaut, sie war aber nach 89 eins und als solches hätte man sie in diesem Abschnitt erhalten (und auch gewinnbringend nutzen) können. ...das tut nicht weh, sondern spült viel Geld in die Berliner Kassen.
Die Mauer war nicht abstrakt, sondern ein ziemlich brutales Bauwerk...aber in Berlin wird im Allgemeinen offensichtlich gerne erstmal abgebrochen um es dann später - meist schlechter oder irgendwie passend gemacht - wieder "nachzuempfinden"...
Was ist gegen einen Gedenkort einzuwenden, der, wie dieser, mit einfachen Mitteln dazu anregt, Fragen zu stellen - und die Antworten selbst herauszufinden? Und darüber hinaus einen Ort schafft, an dem man sich gern aufhält, so dass einem immer wieder neue, ernste und heitere Ge-Schichten begegnen?
Wer meint, Mahnmale müssten immer (noch) vor allem weh tun, der sollte sich mal die von Bogdan Bogdanovic im ehemaligen Jugoslawien anschauen - denn der wusste schon lange, dass man immer für die Lebenden baut, und nicht für die Toten!