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04.06.2014

Rems Kinderzimmer

Ein Rundgang mit Koolhaas durch die Hauptausstellung in Venedig


Der Balkon seiner Zeugung, ein Riss in der Wand des Kinderzimmers, die erste Rolltreppe: Rem Kohlhaas’ Blick auf die Elemente der Architektur ist durch persönliche Ereignisse geprägt. „Der Architekt steht immer mit einem Bein im Jetzt und mit einem in der Vergangenheit“, sagt er, und zerlegt Architektur in ihre Einzelteile.

Die Situation zwischen Kunst- und Architekturbiennale sorge zunehmend für Verwirrung, so Koolhaas: „Kunst wird Architektur. Architektur wird Kunst.“ Die diesjährige Architektur-Biennale in Venedig will der niederländische Kurator dem entgegen setzen. Dazu hat er mit einer Schar an Mitarbeitern, international renommierten Universitäten und Instituten an seiner Seite und einer Handvoll spezialisierter Kollegen für seine Schau im Zentral-Pavillon der Giardini all das zusammengetragen, was der Architektur ihr Gesicht verleiht. Je ein Raum ist einem Element gewidmet: der Decke, dem Fenster, der Wand, etc. Stephan Trüby zum Beispiel präsentiert seine langjährigen wissenschaftlichen Auseinandersetzungen mit der Nicht-Architektur des Korridors – anhand von Fotos und einer Filmdokumentation über den unterirdischen Palast eines britischen Misanthropen inszeniert in einer von Fluchtwege-Zeichen gesäumten Flursituation.

Der Blick auf die Dinge changiert zwischen wissenschaftlicher Analyse, technischer Konstruktion und historischer Betrachtung. Wenn etwa in einem Raum Schrägen, Treppen und Rampen thematisiert werden, sich eine Sammlung alter englischer Fenster und eine Qualitätsprüfungs-Anlage für zeitgenössische Profilrahmen gegenüber stehen. Oder aber die mangelnde Innovationskraft der durch fünf Weltkonzerne beherrschten Fahrstuhl-Industrie bemängelt wird. Auch experimentelle High-Tech hat ihren Platz. Im Beitrag zur Feuerstelle – deren Geschichte laut Koolhaas mit dem Lagerfeuer begann und mit dem Toaster endete – wird ein futuristisches System zur Spot-Beheizung großer Flächen vorgestellt, bei dem einzelne Wärmeleuchten dem Besucher durch den Raum folgen und stets da für Wärme sorgen, wo er sich befindet, während der Rest des Raumes unbeheizt bleibt.

Die Ausstellung ist pragmatisch und greifbar. Handwerklich einwandfrei, intellektuell zugänglich und in großen Zügen wunderbar inszeniert. Leider aber auch wenig überraschend. Seine Aussage scheint zudem allzu eindeutig: Seht nur, was daraus geworden ist! Befreit die Architektur von der Technologie! Hört auf, alles gleichmachen zu wollen! In seiner Ausstellung zeigt er wie Architektur heute zur Oberfläche, zu einer Fassade der Technologie geworden ist. Seine eigenen Gebäude bestätigen das.

Und Koolhaas selbst? Er zerlegt die Baugeschichte in ihre Einzelteile und nennt beim Rundgang durch den Zentralpavillon respektvoll alle Hauptverantwortlichen. „Es soll eine Biennale der Architektur, nicht der Architekten sein“, sagt der Zeitgeist-Architekt. Inwieweit dieser Anspruch aufgeht, müssen die Besucher selbst entscheiden. (Stephan Burkoff)

Fotos: Torsten Seidel


Elements of Architecture im Central Pavilion
Contributors: Rem Koolhaas, AMO, Harvard Graduate School of Design, Stephan Trueby, Manfredo di Robilant. Mit: Arup, Tom Avermaete und TU Delft, Claudi Cornaz, Keller Easterling, Università IUAV di Venezia, MIT SENSEable Cities Lab, Friedrich Mielke Institut für Scalalogie, Walter Niedermayr, Claude Parent, Alejandro Zaera Polo with Princeton, Davide Rapp, Shenzhen Hong Kong Biennale of Urbanism and Architecture, Sobinco, Wolfgang Tillmans und Hans Werlemann



BauNetz ist Medienpartner des deutschen Beitrags in Venedig. Unsere Berichterstattung zur Biennale 2014 wird unterstützt von GROHE.

www.baunetz.de/biennale


Zum Thema:

www.labiennale.org


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Das Gewölbe der Eingangshalle des Zentralpavillons wurde erst kürzlich durch die Biennale erneuert.

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In der Ausstellung steht es einer zeitgenössischen Funktionsdecke gegenüber.

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