Nächste Etappe für Stuttgart 21
Baubeginn für Tiefbahnhof
Dieses Bauprojekt ist bereits in die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland eingegangen, bevor der erste Stein bewegt wurde. Es hat den Typus des Wutbürgers hervortreten lassen und dem Land den ersten grünen Ministerpräsidenten beschert. Es hat große alte Männer der Stuttgarter Architektur wie Frei Otto, Peter Conradi, Roland Ostertag und Max Bächer gegen sich aufgebracht, und es hat eine enorme Kostenexplosion (auf nunmehr über sechs Millarden Euro) bislang weggesteckt.
In Deutschlands Architektenschaft sind die Meisten dagegen – darunter längst auch der damalige Vorsitzende des Wettbewerbs von 1997, Arno Lederer – und einer ungerührt dafür: Christoph Ingenhoven. Nach seinen Plänen wird der Stuttgarter Hauptbahhof vom Kopf- zum Tiefbahnhof umgebaut. „Augen zu und durch“ ist das Motto bei „Stuttgart 21“, das vom Bauherrn inzwischen verschämt zu „Bahnprojekt Stuttgart-Ulm“ umgetauft wurde.
Im Jahr 2010 war schon einmal gefeiert worden: Zum „ersten Baggerbiss“, der die Verstümmelung des Baudenkmals von Paul Bonatz einleitete, waren blumengeschmückte Bagger aufgefahren worden. Die Pfiffe Tausender Gegendemonstranten hatten damals dem Veranstalter die Feier vermiest.
Gestern wurde nun der eigentliche Baubeginn, nun ja, durchgeführt. Auf eine Feier hatte man diesmal wohlweislich verzichtet. Die Deutsche Bahn, deren Vorstandsmitglied vor einigen Wochen den Baubeginn für den gestrigen 5. August verkündet hatte, stritt sogar ab, dass man den Baubeginn „Baubeginn“ nennen dürfe. Schließlich seien ja schon erhebliche Vorarbeiten geleistet worden.
Gestern begann jedenfalls der Aushub des eigentlichen Tiefbahnhofstrogs von 900 mal 80 Metern Breite und 16 Metern Tiefe. Einige hundert Gegendemonstranten waren zu sehen, sie hoffen immer noch, dass das Projekt gestoppt werden könnte. Seit der von den Gegnern verlorenen Volksabstimmung von 2011 ist das aber kaum noch zu erwarten.
Ob es verkehrstechnisch sinnvoll ist, bezweifeln immer noch Viele – und vergessen darüber, dass Stuttgart 21 in Wahrheit nie ein Verkehrsprojekt war. Es ist und bleibt ein Immobilienprojekt, bei dem Geld mit Grundstücken verdient wird, die ohne Stuttgart 21 nicht zur Verfügung gestanden hätten. (-tze)
"Ein Ruck "muss durch Deutschland gehen" (Bundespräsident a.D. Herzog). Zuerst jedoch in den Köpfen , die den nachfolgenden Generationen die Zukunft systematisch blockieren und verweigern wollen. Zur Erinnerung: Die Verlegung der Stuttgarter Strassenbahn, zum Zwecke der Umgestaltung der Königstrasse in eine Fußgängerzone, rief seinerzeit Gegner dieser Maßnahmen auf den Plan. Ihre Befürchtungen gingen von katastrophalen Wassereinbrüchen in die U-Bahn-Schächte, Einwirkung auf Mineralwasser führende Schichten, bis hin zur drohenden Konkursgefahr für die an die Königstrasse anrainenden Ladengeschäfte. Heute: Eine wunderbare und ertragstarke Fußgängerzone mit einem dichten U-Bahn-Netz. Beide, von Stuttgartern und Gästen, bestens angenommen. Beide von Stuttgart nicht mehr wegzudenken.
die Chancen und Perspektiven der städtebaulichen Weiterentwicklung und damit die Chancen der Zukunftsgestaltung von "Ewiggestrigen, Mutlosen, Bedenkenträgern und Hasenfüßlern" schlecht geredet bzw. torpediert werden. Gönnt doch der Zukunft ihre Chance! Auch vor 100 Jahren war dies mit der Verlegung des Bahnhofs so. Entrüstet Euch über die Milliarden, die nicht im Lande verbleiben und keinen Mehrwert erzeugen. Werdet erwachsen und messt Euch an und mit denen, welche schon lange verstanden haben und dabei stets grinsend zurückblicken. "Denk ich an Deutschland.....(H. Heine).
wir, die Ingenieure22 und viele Stuttgarter Bürgerinnen und Bürger haben Sorgen wegen evidenter Defizite bezüglich der Qualität der Planung und der Ausführung bei Stuttgart 21. So wird am Beispiel der Baulogistik (s. beigefügten Brief der Ingenieure22 an den Stuttgarter OB Kuhn) deutlich, dass bei S21 selbst nachgebesserte Termine nicht eingehalten werden und darüber hinaus die Planfeststellung missachtet wird. Unseres Wissens gibt es keinen wichtigen Bautermin, den die Bahn-Ingenieure bei S21 je eingehalten haben. Was uns besonders große Sorge bereitet, ist die Tatsache, dass im fünften(!) Baujahr die risikoreichen und projektkritischen Bereiche immer noch nicht planfestgestellt oder genehmigt sind. Es handelt sich u. a. um den Brandschutz, das Grundwassermanagement, den Fildertunnel (Risiko Gipskeuper), den Flughafen-Bahnhof, die Zuführung Feuerbach (Anbindung der Gäubahn), den Abstellbahnhof Untertürkheim, ja selbst 2 Bauabschnitte der vielgepriesenen Neubaustrecke Ulm-Wendlingen. Lt. einem uns vorliegenden Schreiben des BMVI vom 28.7.14 ist mit einer brandschutztechnisch genehmigten Ausführungsplanung für den Talkessel (erst!) im Juni 2015 zu rechnen - also im sechsten(!) Baujahr! Dabei wird an allen Ecken und Enden “um die kritischen Bereiche herum“ hektisch und ohne vollständig genehmigte Pläne gearbeitet. Wir sind der Meinung, dass ein Weiterbau so nicht mehr zu verantworten ist. Ein kurzfristiger Baustopp würde die Chance bieten, *ie bisherige Planung hinsichtlich der gravierenden Planungsmängel zu überprüfen *die Planung zu optimieren und alle ausstehenden Genehmigungen einzuholen *die Kosten auf der Basis ausgereifter Pläne neu zu ermitteln *die Terminplanung zu aktualisieren *eine Nutzen-/Kosten-Analyse neu zu erstellen. Zu ”London-Olympia-Macher“ Klaus Grewe (Anfang Juli in der Stuttgarter Zeitung): „Aber es darf schon vermutet werden: Hätte er die Chance gesehen, bei diesem Projekt einen Beitrag zum Erfolg zu leisten, wäre er wohl geblieben.“ Als ergänzende Anlage füge ich unsere Stuttgart 21-Mängelliste bei. Bitte unterstützen Sie uns Stuttgarter Ingenieure und die Mehrheit der Stuttgarter Bürger und wehren Sie sich dagegen, dass öffentliche Gelder bei diesem in der Summe "Negativ-Nutzen-Projekt" (Gutachten Prof. Bodack) sinnlos verschwendet werden - Gelder die z. B. in Ihrem Bundesland bei dringenden Infrastrukturprojekten nutzbringend eingesetzt werden können. Bitte handeln Sie jetzt und stoppen Sie S21 gemeinsam. Wir befürchten ein zweites „BER-Fiasko“ mit nachhaltig negativen Auswirkungen auf den Industriestandort Deutschland und das Image von uns deutschen Ingenieuren. Mit freundlichen Grüßen
Wichtig wäre jedoch der Hinweis auf das Schlichtungsverfahren im Jahr 2010. Ausgangsbasis war hier ein politisch beschlossener Kostenrahmen von 4,5 Mrd. Euro. Schon im Verfahren wurden Kosten in Höhe von max. 5,6 Mrd. Euro und für die 2019 geplante Fertigstellung ein inzwischen bereits obsoletes Kostenmaximum von 6,8 Mrd.Euro benannt. Denn schon im März 2013 hat der DB-Aufsichtsrat eine Erhöhung des Kostenrahmens auf 6,5 Mrd. Euro beschlossen (BBI lässt grüßen) Der durchaus umstrittene Schlichterspruch vom 30.11.2010 kommt zu mehreren Ergebnissen: 1. Stuttgart 21 PLUS (leistungsfähiger, umwelt- und behindertenfreundlicher), 2. Überführung der frei werdenden Bahngrundstücke in eine Stiftung mit dem Ziel der Schaffung kostengünstiger Wohnungen, 3. Erhalt aller Bäume im Schlosspark 4. Verbesserung der Verkehrssicherheit im Tiefbahnhof (Brandschutz --> BBI !!) 5. Erweiterung um zwei zusätzliche Gleise 6. Situationsbedingte Schlichtung bei neuen Konflikten Es hat den Anschein, als ob vor dem kurzzeitig "offenen Fenster" des öffentlichen Dialogs die Läden geschlossen sind. Das muss sich ändern!
Die haben auch die Grünen längst akzeptiert. Jetzt gibt es nur noch ein paar hundert ewig Gestrige, welche überwiegend alterstarrsinnig auf ihrer Meinung beharren und weiter gegen das Projekt protestieren, weil Sie mit ihrer Tagesfreizeit nichts anderes anzufangen wissen.